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Miriam Fuchs
Nein, dieses Bild stammt nicht aus den 70er-Jahren. Hätte es aber, rein mode-technisch: PZ-Redakteurin Miriam Fuchs in zehn Jahre alter Schlaghose, wie sie Brigitte Bardot schon trug. Mit Cowboystiefeln, die bereits in den 80ern richtig hip waren und Holzfällerhemd, das sein Comeback in regelmäßigen Abständen feiert.
20.11.2012

Fuchs in the City: Das gab´s doch alles schon!

Schlaghosen, unten so breit wie ein Klodeckel. Klobige Absätze am Schuh, wie man sie vor gut zehn Jahren noch trug. Und, oh Schreck, hellbraune Wildlederstiefel im Indianerlook mit Fransen. Wiedersehen macht Freude? So aber ganz sicher nicht.

Umfrage

Wie lange heben Sie Ihre Klamotten auf?

Eine Saison, dann fliegt der alte Kram raus 4%
Bis die ersten Mottenlöcher drin sind 40%
Ich werfe Kleidung grundsätzlich nicht weg 30%
Ich bin Nudist und brauche keine Klamotten 26%
Stimmen gesamt 521
Beim Durchblättern des neuen Mode-Magazins eines großen, schwedischen Bekleidungshauses erlebe ich außer einem Déjà-vu rein gar nichts. Weder neue Inspirationen, noch kreative Ideen. Alles wirkt verkrampft neu, ohne es wirklich zu sein. Diese Fransenstiefel à la Winnetou ärgern mich gewaltig, denn vor acht Jahren hatte ich mir zum Verwechseln ähnliche zugelegt. Schick, teuer und so ausgefallen. Zu ausgefallen, wie ich drei Jahre später beschloss und die Treter in die Altkleidersammlung warf. Weg sind sie. Und genau jetzt sind sie wieder „in“. Mist.

Mich beschleicht das Gefühl, dass sich Trends immer schneller wiederholen und genau dann wieder auftauchen, wenn ich mich gerade schweren Herzens von ihnen getrennt habe. Wo ist die Kreativität der Modedesigner, Produktmanager und Vogue-Journalisten, die einst dafür verantwortlich waren, noch nie da gewesene Trends zu kreieren? Hatte ich mir erst kürzlich noch eine Bluse mit Puffärmelchen gekauft, ist sie ein Jahr später natürlich längst Schnee von gestern. Mode ist heute so billig wie nie. Und so kurzlebig wie nie. Trug man im Sommer noch grelle, bunte Farben, sind eine Saison später ganz sicher unaufdringliche Pastell-Töne modern.

Eigentlich kein Problem, denn aufgrund des niedrigen Preises könnte man sich alles Neue mühelos kaufen. Nach einer Saison einfach einmotten und fünf Jahre später wieder rauskramen, dann sind die Klamotten garantiert wieder in Mode. Mein Kleiderschrank wird dadurch leider aber nicht größer. Es bleibt bei den drei Metern in der Breite auf 2,40 Meter Höhe. Da muss ich schon ganz genau rüber nachdenken, was alles rein darf. In der äußersten Not bleibt nur noch der Kleiderschrank meines Vaters. Da befinden sich derzeit alle meine Sommerkleider, und mein Vater hat den kleinen Eingriff (bislang) nicht einmal bemerkt.

Jedes Fashion-Comeback will ich aber nicht mehr mitmachen. Ich denke da an mein Bewerbungsfoto für die „Pforzheimer Zeitung“. Auf diesem trug ich einen omahaften Pullunder. Dunkelgrün mit beige-farbenem Rautenmuster. Schrecklich! Dass ich damals mit diesem Foto überhaupt eingestellt wurde, wundert mich noch heute. Wiederkehrende Mode hin oder her, dieses hässliche Teil werde ich garantiert nie wieder tragen.

Die Anzahl wiederkehrender Trends führt übrigens schmerzhaft das eigene Alter vor Augen. Sie haben das Cowboystiefel-Revival, so wie ich, schon mindestens fünfmal erlebt? Dann besteht kein Zweifel: Sie werden alt!