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Fuchs in the City: Dirndl-Hype zur OechsleFest-Zeit.
Fuchs in the City: Dirndl-Hype zur OechsleFest-Zeit © Seibel
03.09.2013

Fuchs in the City: Dirndl-Hype zur OechsleFest-Zeit

Der sonst gerne eher etwas öde Pforzheimer Marktplatz brummt vor Leben. OechsleFest-Zeit. Was früher ganz ausgeschlossen war, nämlich in bayrischer Tracht das badische Weinfest zu besuchen, ist jetzt absolut angesagt. Und man(n) muss nicht Mitglied im Trachtenverein sein, um Gefallen an dem Anblick zu finden.

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Wenn wir Frauen sonst gern einmal über zu tiefe Ausschnitte unserer Geschlechtsgenossinnen lästern, akzeptieren wir die üppige Auslage im Dirndl ohne Weiteres. Unterstützt wird diese unverhohlene Freizügigkeit durch spezielle Dirndl-Push-up-Büstenhalter, die man quasi unbedingt haben muss, will man den besonderen Dirndl-Effekt erzielen.

Warum das auch moderne, emanzipierte Frauen mitmachen? „Weil es eine Art Verkleidung ist“, erklärt mir meine Kollegin. Für mich wirkt das alles tatsächlich ein bisschen wie Fasching. Mein Kollege sieht das eher leidenschaftslos: „Und ist der Hintern noch so breit, passt er doch ins Dirndlkleid“, hielt er mir unter die Nase, als ich ihm von meinem Dirndlkauf berichtete. Dabei könnte er selbst so „ein Dirndl gut ausfüllen“.

Dirndl-Hype noch nicht so alt

Ich jedenfalls konnte mich in diesem Jahr im Sog des OechsleFestes dem Hype nicht mehr entziehen. Das Dirndl sprang mich in einem Pforzheimer Lädchen geradezu an. Ich musste einfach zugreifen, obwohl ich mich vor sieben Jahren auf dem Oktoberfest in der Dirndl-Metropole München nur mit viel Überzeugungskunst ins Trachtenkleid hinein traute.

Das Massenphänomen Magdgewand gibt es noch gar nicht so lange, wie Simone Egger in einer wissenschaftlichen Studie erforscht hat. In unserer mobilen, globalen Gesellschaft würden lokale Aspekte immer wichtiger, und da nicht jede Stadt ein eindeutiges Identifikationsmerkmal besitze, übernehme man einfach eines von außerhalb, so Simone Egger im Magazin „Focus“. Stimmt. Überall schon in Deutschland habe ich vor Dirndl-Schaufenstern gestanden.

Der Markt reagiert: Folklore-Kleidung ist so billig wie nie und unzählige Modemarken haben sie mittlerweile ins Sortiment genommen. Gepaart mit etwas Gruppenzwang entkommt man dem Dirndl folglich nur schwer. Ich wollte jedenfalls nicht als Einzige einer unternehmungslustigen Frauengruppe ohne Dirndl zum OechsleFest. Dann schon lieber etwas Fasching im Spätsommer.