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Trägt echten Pelz nur auf dem Arm: PZ-Redakteurin Miriam Fuchs und Zwergpudel Coco. Foto: © Dietz
22.01.2013

Fuchs in the City: Echter Pelz und nackte Promis

Also gut, ich gebe zu, dass ich vergangene Woche nicht nackt am Brandenburger Tor demonstriert habe. So wie einige Mitglieder des Deutschen Tierschutzbüros, die ihren Unmut gegen Echtpelz während der Berliner „Fashion Week“ zum Ausdruck bringen wollten. Mit meinem Protest verhält es sich da eher etwas unauffälliger. Ich trage, außer hin und wieder in Form meines Zwergpudels, prinzipiell keinen Echthaar-Pelz.

Bildergalerie: Peta: Nackte Promis gegen Tierquälerei

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Leider wurde das in der Vergangenheit bereits verkannt. Ich denke dabei an meine Studienzeit in Heidelberg, als ich im Winter 2008 mit dicken Schneeschuhen inklusive auffälliger Fellapplikation durch die Heidelberger Altstadt stapfte und mir eine Gruppe junger Studenten hinterherschrie: „Wie viele Tiere mussten für deine Schuhe sterben?“ „Maximal drei Teddybären!“ entgegnete ich etwas irritiert. Bis dahin war ich mir sicher gewesen, dass kein Mensch diese 50-Euro-Treter mit echtem Pelz in Verbindung bringen könnte.

Bildergalerie: Pelz bei Fashion Weeks ein Muss

Erfreulicherweise zeigen mittlerweile immer mehr deutsche Designer dem Echtpelz die kalte Schulter. So wie Mode-Designer Harald Glööckler. Der gebürtige Zaisersweiherer trägt Echtfell nur im Gesicht als akkurat gestutzten Bart. In seinen Kollektionen greift er hingegen ausschließlich auf Plüsch zurück. Das nenne ich lobenswert. Scheinheilig ist dagegen Supermodel Naomie Campbell, die sich für die Anti-Echtpelz-Kampagne der Tierschutzorganisation Peta „Lieber nackt, als Pelz“ zuerst auszog, nur um sich dann klammheimlich doch wieder in totes Tier zu hüllen.

Bei Echtfell muss ich unwillkürlich an meine Zwergpudeldame Coco denken. Diese kleine quirlige vierbeinige Lockenpracht würden auch Sie sich sicher nicht als Wärmespender um den Hals legen. Allenfalls als lebende Wärmflasche auf den Bauch. Warum dann also Kaninchen, Nerz oder Fuchs?

Bei letzterem kommen bei mir natürlich noch persönliche Befindlichkeiten ins Spiel. Sehe ich einen Fuchsschwanz an Taschen oder Schlüsselanhängern baumeln, fühle ich mich jedes Mal persönlich angegriffen. Vorbei sind Gott sei Dank die Zeiten, als jeder Manta-Fahrer seinen Fuchsschwanz an der Antenne im Fahrtwind flattern ließ.

Meine Kollegin tut übrigens gut daran, Mantel und Schal aus echtem Fuchspelz lieber zu Hause im Kleiderschrank zu lassen. „Ich bin zwar Vegetarierin, aber das Tier ist doch eh schon tot“, sagte sie frech, als ich fragte, ob sie nicht wenigstens ab und zu Gewissensbisse plagen. Auf die Straße traut sie sich mit dem toten Getier dann aber doch nicht – aus Angst vor unangenehmen Reaktionen. Nur ein einziges Mal trug meine Kollegin ihren teuren Mantel – im Casino in Baden-Baden. Im dortigen Garderoben-Friedhof der Tierfelle fiel ihr Stück dann nicht einmal besonders auf – geschieht ihr recht.

Für mich stellt echter Pelz kein besonderes Prestige dar.

Wenn ich doch einmal Lust darauf bekomme, mit echtem Fell vor die Tür zu treten, muss meine zweijährige Hundedame herhalten. Zugegeben, gerade jetzt im Winter beneide ich sie schon um ihre dichte Haarpracht. Allerdings nur solange wir nicht in den Regen kommen. Einen Mantel mit diesem feucht-muffeligen Hundeodeur ertrüge mein empfindliches Näschen nur schwer.

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