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Miriam Fuchs
Miriam Fuchs - Fuchs in the City: Meine neue französische Seite © Dietz
23.09.2014

Fuchs in the City: Meine neue französische Seite

Seit vergangener Woche bin ich Französin. Jedenfalls was Toilettengänge betrifft. Die Französin fackelt nämlich nicht lange herum, wenn vor der Damentoilette Frauen in einer langen Warteschlange nervös trippeln und vor dem Männerklo gähnende Leere herrscht. Sie flitzt kurzerhand ins Herren-WC und kommt mit einem bestechend fröhlichen Blick wieder heraus. Ich mache das jetzt auch so.

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Andere Länder, andere Sitten. Das habe ich in zehn Tagen PZ-Leserreise immer wieder festgestellt. Zwar sind das italienische Sardinien und das französische Korsika nicht China oder Indien, um kleine, aber feine Unterschiede festzustellen, reicht es dennoch. „Bis vor einigen Jahren gab es nicht einmal unterschiedliche Toiletten für Männer und Frauen. Das hat man doch nur für die Touristen eingeführt“, erklärte mir die korsische Reiseleiterin.

Und tatsächlich: Je ursprünglicher und kleiner das Dorf, desto häufiger verfügt ein Café nur über einen einzigen Waschraum, den sich Männlein und Weiblein teilen. Oft gibt es nicht einmal einen Schlüssel. Doch noch während ich mir panisch den Kopf darüber zerbrach, wie man am besten pinkelt und dabei gleichzeitig die Tür zuhält, zeigte mir ein vorbeilaufender Franzose, wie es geht: Erst anklopfen, dann Tür öffnen.

Auf Sardinien brachte mich das unregelmäßige Kopfsteinpflaster der Altstädte trotz flachen Schuhwerks immer wieder zum Schwitzen. Die Reiseleiterin betonte den gesundheitlichen Aspekt: „Für eine Fußreflexzonenmassage bezahlt man sonst viel Geld. Hier bekommt ihr sie gratis.“

Umso erstaunter beobachtete ich die vielen Italienerinnen, die auf diesem schwierigen Untergrund engelsgleich und mit gekonnter Leichtigkeit auf High-Heels an uns vorbeischwebten. Und das waren Absätze jenseits der Zehn-Zentimeter-Marke, über die ich in meiner umfangreichen Schuhsammlung nicht verfüge, weil ich auf ihnen sowieso nicht laufen kann.

Zur perfekt grazil laufenden Italienerin werde ich in diesem Leben wohl leider nicht mehr werden. Meine neue französische Ader werde ich aber weiterhin pflegen.