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PZ-Redakteurin Miriam Fuchs nimmt es mit dem Fasten nicht so genau.
PZ-Redakteurin Miriam Fuchs nimmt es mit dem Fasten nicht so genau.
04.03.2014

Fuchs in the City: Verzicht oder Völlerei?

Mit dem Fasten ist das ja so eine Sache. Ich selbst habe es zwar noch nie gemacht, aber jedes Jahr um Aschermittwoch herum kommt das Thema erneut unter Freunden und Kollegen auf. Da erfahre ich dann, dass jemand 30 Tage lang auf Bier verzichten und stattdessen nur noch alkoholfreies konsumieren will. Aha. Wieso eigentlich 30 Tage?

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Umfrage

Fasten Sie ab Aschermittwoch?

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Nein 80%
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Stimmen gesamt 698

Ich dachte immer, gefastet wird 40 Tage lang? Wen ich auch frage, so richtig scheint niemand mehr zu wissen, wo der Ursprung dieses Brauches liegt – und dennoch wollen sich viele in den nächsten Wochen im Verzicht üben. Was heute alleine zu zählen scheint: Fasten ist trendy. Keine Frauenzeitschrift, kein Magazin, das nicht uralte oder fernöstliche oder aus dem Esoterik-Wolkenkuckucksheim stammende Fastenrezepte für ein entspannteres Leben, ein fröhliches Gemüt oder eine entschlackte Leber präsentiert.

Um mich herum fasten so viele. Während meine Kollegin auf Süßigkeiten, Alkohol und Zigaretten verzichten möchte, entsagen andere nur dem Hochprozentigen, nicht aber Wein oder Bier. Fasten für Anfänger sozusagen. Viele verwechseln Fasten mit Diät. Der Kampf gegen die Speckröllchen hat mit der christlichen Tradition aber nichts am Hut und scheint mir das Problem auf Dauer nur zu verstärken, denn nach der Abstinenz ist vor dem kneifenden Hosenbund. Dann lieber an 325 Tagen im Jahr Maß halten und nur an den verbleibenden 40 Tagen so richtig die Sau herauslassen. Fasten für Fortgeschrittene, nenne ich das.

Dafür plädiert auch mein junger Kollege, der fast täglich Sport macht und viel Magerquark isst. Das sieht man ihm natürlich auch an. Der muss einfach Recht haben. Nur so richtig Spaß macht das wohl nicht, sonst wäre er nicht so oft grummelig.

Da halte ich es dann lieber mit einem Kollegen, der meint, dass es für normale Menschen nichts Schöneres gibt, als über die Stränge zu schlagen, und dass Fasten nur etwas für Selbstquäler und Leute mit Langeweile wäre. Wenn er jemals Zeit fürs Fasten hätte, würde er bei den Überstunden kürzer treten. Der hat zwar kein Sixpack, aber er ist auch (fast) nie grummelig.