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PZ-Redakteurin Miriam Fuchs (rechts) packte im neuen Café „Fräulein Ohrt“ mit Besitzerin Farina Ohrt und Lebensgefährte Dennis Vollmer selbst mit an.
PZ-Redakteurin Miriam Fuchs (rechts) packte im neuen Café „Fräulein Ohrt“ mit Besitzerin Farina Ohrt und Lebensgefährte Dennis Vollmer selbst mit an. © Dietz
19.01.2016

Fuchs in the City: Vor dem Kaffee wird gebohrt, gehämmert und gepinselt

Manchmal, wenn ich an langen Tagen am Schreibtisch festgenagelt bin, wenn das Telefon nicht aufhört zu klingeln und auf allen Newskanälen die Sensationen gleichzeitig über mich hereinbrechen und alles natürlich sofort mit oberster Priorität bearbeitet werden muss, dann stellte ich mir das abends auf der Couch so ideal vor: Ein eigenes Café - das wär's doch.

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Immer nett lächeln, ein bisschen bedienen, den Kunden die Kaffeevarianten empfehlen, den ein oder anderen Prosecco mit den liebsten Stammgästen schlürfen und den ganzen Tag am Kuchensortiment herumknabbern, um abends schließlich entspannt und zufrieden nach Hause zu gehen.

Pustekuchen! Meine Freundin Farina Ohrt hat ein Café in Pforzheim eröffnet. Ich durfte am „großen Familien- und Freundesprojekt“ mitarbeiten. Und seither weiß ich, dass es manchmal ganz angenehm sein kann, auf einem halbwegs komfortablen Bürodrehstuhl zu sitzen und auf eine Computertastatur zu hämmern. Bevor der erste dampfende Espresso aus der Maschine gepresst wird, muss literweise Blut und Wasser geschwitzt werden. Da lagen nicht nur Böden und Wände, sondern auch reichlich Nerven blank.

Es musste nämlich ein Altbau aus dem Jahr 1906 sein. Ein Heimwerkerparadies: Macht man ein Loch zu, öffnen sich zwei andere. Aber trendy und schick mit einem Schuss Nostalgie und dem Hauch der guten alten Zeit geht eben nur über bohren, hämmern, schleifen, pinseln, staunen, verzweifeln und noch einmal drübergehen. Von diesen modernen Kaffeemaschinen, die mit ihren Schaltern, Signallichtern und Hebeln manchmal wie einarmige Banditen aussehen, habe ich zwar immer noch keine Ahnung, aber als freiwilliger Umbauhelfer weiß ich jetzt, wie man Jahrzehnte alte Tapete von den Wänden holt, Dübel aus dem Mauerwerk zieht, Mörtel anrührt und sich nach getaner Arbeit, voller Staub im Haar und mit viel Muskelkater in den Armen über ein liebevoll belegtes Sandwich freut. Oft musste ich aber auch kapitulieren. Auf einer Leiter balancieren und eine Decke streichen – da machte mir die Höhenangst einen Strich durch die Rechnung.

Immer nett lächeln, ein bisschen bedienen... So sieht das vielleicht vom Sofa aus. Immerhin hat sich mein Heimwerkerkurs unter realen Bedingungen gelohnt. Ich wurde Testesserin vor der Eröffnung – ohne Baustellenstaub im Haar. Ganz entspannt. Ein eigenes Café? Ich bleibe beim Bürosessel.