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Die PZ-Kollegen Andreas Kurz und Miriam Fuchs waren zwar nie ein Paar, kennen aber die Problematiken in Sozialen Netzwerken. Fotomontage: Dietz
Die PZ-Kollegen Andreas Kurz und Miriam Fuchs waren zwar nie ein Paar, kennen aber die Problematiken in Sozialen Netzwerken. Fotomontage: Dietz
16.10.2012

Fuchs in the City: Was Facebook aus Beziehungen macht

"Aus den Augen, aus dem Sinn“, lautete ein schönes Sprichwort, das mir meine Mutter mit auf den Weg gegeben hat, wenn ich vor Liebeskummer heulend auf der Couch lag. Sie hat recht, dachte ich dann. Irgendwann wird es sicher aufhören, weh zu tun. Dann, wenn erst richtig Gras über die Sache gewachsen ist, denn Zeit heilt alle Wunden.

Umfrage

Haben Sie sich auf Facebook schon einmal durch das Profil Ihres Ex-Partners geklickt?

Ja klar, das mache ich öfter 39%
Nein, ich will damit abschließen 11%
Mein Ex-Partner ist mir völlig egal 50%
Stimmen gesamt 349

Eines ist klar: Diese Sprichwörter stammen nicht aus der heutigen Zeit, denn im Jahr 2012 ist es nahezu unmöglich, den Exfreund oder die Exfreundin in den hintersten Winkel des Gehirns zu verbannen – Facebook sei Dank!

Dabei beginnt eine Beziehung in Zeiten von sozialen Netzwerken oft ganz schön euphorisch. Hier und da ein Herz, ein Kommentar, ein ganzer Aufsatz, der die gegenseitige Liebe bekundet: Am Anfang können frisch verliebte Paare nicht genug davon bekommen, der ganzen Welt mitzuteilen, was sie füreinander fühlen. Alles Dinge, für die sich viele andere fremdschämen, die nicht Teil dieser intimen Beziehung sind. Dabei ist das Ganze bereits in diesem Stadium mit Vorsicht zu genießen. Denn oft ist es der Partner, der drängelt, dass man sich auf Facebook klar zu ihm bekennt. Das Ergebnis: Ein Profilbild, auf dem statt einer Person gleich zwei zu sehen sind und ein Beziehungs-Status, der deutlich macht, dass es hier für andere nichts mehr zu holen gibt. Dumm nur, wenn es doch zur Trennung kommt. Dann wird es richtig ungemütlich. Hunderte Freunde, bei genauer Betrachtung eigentlich ja doch nur flüchtige Bekanntschaften, bekunden in dutzenden Kommentaren ihr Mitleid oder ihre gut gemeinten Ratschläge. Früher konnte man sich heulend im Bett verkriechen, Anrufe und Türklingel einfach ignorieren und erst wieder ins Leben zurückkehren, wenn man sich stark genug dazu fühlte. In Zeiten von Facebook hat sich das verändert. Denn das Vergessen und Verarbeiten gescheiterter Beziehungen wird durch soziale Netzwerke extrem erschwert. Das Magazin „Neon“ spricht zurecht davon, dass Facebook und Co. unsere Beziehungen zu Expartnern „wie eine Beatmungsmaschine“ künstlich am Leben erhalten. Selbst wenn man den Verflossenen, so wie ich, rigoros löscht, gibt es da noch diese ungeliebte Facebook-Rubrik „Personen, die du vielleicht kennst“. Und spätestens dort tauchen sie wieder auf: Alle Exfreunde dieser Welt. Einfach nicht anmelden wäre wohl die Lösung allen Übels. Falls man aber doch mit dem Facebook-Virus infiziert wurde, halten Sie es am Besten wie ich und löschen gleich auch noch alle Freunde Ihrer Exbeziehung - sicher ist sicher.

Sie merken schon, das Problem ist ein weitreichendes, denn über die Jahre teilen sich Paare nicht selten neben Bett und Wohnung auch denselben Freundeskreis. Viele davon will man gar nicht aus seinem Leben verbannen. Also den Verflossenen lieber doch nicht löschen und die Situation still ertragen? Nur wenn Sie sadomasochistisch veranlagt sind, denn noch etwas hat sich mit der Einführung der sozialen Netzwerke verändert. Sie machen uns zum Stalker. Das Profil des Ex ist nur einen Klick weit entfernt und binnen Sekunden landet man wieder in der Vergangenheit. Dazu braucht man weder Telefon, Briefpapier noch all seinen Mut. Vergessen? Fehlanzeige! Wir müssen wohl doch lernen, mit unserer Vergangenheit zu leben.

www.pz-news.de/fuchs

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