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Fuchs in the City: ich, ich und noch mehr ich © Dietz
25.02.2014

Fuchs in the City: ich, ich und noch mehr ich

Millionen von „Selfies“ fluten durch die sozialen Netzwerke – und im Sekundentakt steigt der Selbstbildnis-Pegel. Groß und Klein, Hinz und Kunz schießen in jeder Lebenslage und zu jeder Zeit Fotos von sich selbst, um sie anschließend direkt auf Facebook & Co. zu stellen. Warum das jetzt so viele so intensiv machen, erschließt sich mir allerdings noch nicht.

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Bildergalerie: Die schönsten Selfies der Stars

Was früher im privaten Fotoalbum klebte und ungesehen vor sich hin gilbte, wird jetzt öffentlich gemacht und ist theoretisch von Millionen anderer zu sehen. Narzissmus? Die ganze Welt auf dem Ego-Trip? Vielleicht versprüht so ein öffentlich gemachtes Foto für den Selfie-Knipser so etwas wie Glamour, denn wer auf Facebook, Twitter, Instagram und Co. viele Freunde hat, kann sicher sein, dass sein Foto gesehen und „geliked“ wird.

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Jetzt gibt es sogar schon einen Selfie-Grundkurs auf „Welt.de“. Dort wird empfohlen: „Vielleicht legst du deinen Kopf ein wenig in den Nacken, aber nicht allzu sehr. Jetzt lächeln. Du könntest auch verträumt gucken. Oder ernst. Nicht zu viele Zähne, niemand will zu viele Zähne sehen. Du musst anstrengungslos aussehen. Das ist der Trick.“ Klingt alles andere als einfach. Dabei geht es doch nur um ein schnelles, oft genug unscharfes, unterbelichtetes Selbstporträt, das niemand wirklich braucht.

Es bleibt mir ein Rätsel, warum sich Jedermann mit ausgestrecktem Arm fotografiert. Lady Gaga, Kim Kardashian oder Miley Cyrus haben es vorgemacht. Klar, dass Stars hin und wieder ein Selbstporträt knipsen und treuen Fans via sozialem Netzwerk so etwas wie Teilhabe am privaten Promi-Alltag suggerieren.

Wenn diese Art der Nabelschau von Otto Normalverbraucher kopiert wird, wirkt das für mich doch eher befremdlich. Vielleicht verwechselt sich so mancher auch mit einem Promi, weil er dank Bildbearbeitungsfiltern, die der kostenlosen Foto- und Video-Sharing-App Instagram erst zum Ruhm verhalfen, auch ein bisschen besser aussieht. Unreiner Teint, Augenringe, aschfahle Hautwaren gestern.

Und der Selfie-Trend entwickelt sich weiter. So platzieren US-amerikanische Jugendliche laut „Bild.de“ das eigene Konterfei gern auf Friedhöfen oder vor ahnungslosen Obdachlosen. Da schaue ich mir lieber die neusten Total-Ausfälle und Peinlichkeiten von Teenieschwarm Justin Bieber an, die jener bereitwillig mit der Öffentlichkeit teilt. Das ist wenigstens etwas witzig.

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