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05.08.2015

Karlsruher bringen ihre Stadt zum Leuchten

Es ist Samstag. Es ist der 19. September. Punkt 21 Uhr gehen in Karlsruhe die Lichter an. Überall im Stadtgebiet erhellen Beamer-, Dia- und Film-Projektoren Hauswände, flackern reihenweise Kerzen in den Fenstern und kommen Menschen zusammen. Auf Plätzen, in Hinterhöfen, Einfahrten, auf dem Gehweg treffen sich Nachbarn, verbringen gemeinsam einen schönen Abend, tauschen sich darüber aus oder beleuchten das, was ihnen in ihrer Hausgemeinschaft, ihrer Straße, in ihrem Viertel gefällt oder auch nicht und werden so zu so genannten Leuchtzellen. Das ist der Grundgedanke von „Stadtleuchten“. Und das Beste daran: Jeder kann mitmachen. Denn der Begriff Nachbarschaft wird in dem Fall sehr weit gefasst. Das können Menschen sein, die Seite an Seite wohnen, ebenso wie Gemeinschaften, Vereine, Organisationen oder Belegschaften von Unternehmen. Einfach online sein Vorhaben eintragen und kurz beschreiben unter www.stadtleuchten-ka.de.

Unter dieser Internetadresse gibt es auch alles Wissenswerte zu dieser KA300-Aktion. Die eingetragenen nachbarschaftlichen Leuchtzellen finden sich dort auf einem virtuellen Stadtplan. Diesen wird es zum 19. September auch als Print-Version geben, mit dem Besucher auf Entdeckungstour gehen können. „Rund 30 solcher Leuchtzellen sollten es sein“, formuliert Projektleiterin Dr. Angelika Jäkel als Ziel. Zusammen mit einer Gruppe von Architekten und Stadtplanern – dem „team SL“ – steht sie hinter der Idee von „Stadtleuchten“.

„Stadtleuchten“ ist einer der prämierten Vorschläge des Ideenwettbewerbs zum Stadtgeburtstag. Insgesamt gingen 389 Ideen ein. Aus denen suchte eine Fachjury die kreativsten und bewegendsten aus. Für „Stadtleuchten“ sprach unter anderem die historische Reminiszenz. Am 6. November 1746 erleuchteten die Karlsruherinnen und Karlsruher ihre Stadt schon einmal. Als Willkommensgruß für Markgraf Karl Friedrich und aus Dankbarkeit für sein Bekenntnis zu Karlsruhe als Residenzstadt. Nach dem Tod des Stadtgründers Karl Wilhelm war die Zukunft von Karlsruhe für acht lange Jahre ungewiss. Erst als der 18-jährige Erbprinz vorzeitig für mündig erklärt wurde und dieser sozusagen als erste Amtshandlung Karlsruhe als Residenzstadt bestätigte, wich die Zukunftsangst der Freude, die in einer hell illuminierten Stadt zum Ausdruck kam.

Damals wie heute kommt den Nachbarschaften in einer Stadt große Bedeutung zu. Wenngleich sich die Form des Austausches und des Zusammenlebens wohl geändert haben. Auch das ein Ziel des Projekts, herauszufinden, wie Nachbarschaften heute funktionieren. „Für Architekten und Stadtplaner ist das ein wesentlicher Aspekt für die Gestaltung zukünftiger Quartiere“, sagt Angelika Jäkel. Und für die Menschen besitzt das „Stadtleuchten“ einen ganz praktischen Nutzen: „Nachbarn festigen damit den Zusammenhalt oder lernen sich dadurch erst kennen.“ Dass so etwas wirklich funktioniert, bewies ein Versuch am Anfang des Planungsprozesses. „Da motivierte eine Bürgerin ihre Nachbarn zum Mitmachen. Vorher kannte sie dort praktisch niemanden. Jetzt sind es über 20 Menschen“, berichtet Angelika Jäkel. Letztlich gehe es darum, das bürgerschaftliche Engagement weiter zu stärken, so die Initiatoren.

Was auf jedem Fall am 19. September strahlen wird, sind die so genannten Initial-Leuchtzellen. Sie stehen für eine institutionelle Form von Nachbarschaft. Ein Beispiel hierfür ist die direkte kulturelle Nachbarschaft der Kunsthalle Karlsruhe, des Badischen Kunstvereins und des Architekturschaufensters Karlsruhe am Ende der Nördlichen Waldstraße. Hier erwartet die Besucher eine besondere „Wald“-Straßeninszenierung.