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Wie sieht gute Kinderbetreuung aus? In Deutschland kommen vor allem Tagesmütter und Kitas zum Einsatz.
Wie sieht gute Kinderbetreuung aus? In Deutschland kommen vor allem Tagesmütter und Kitas zum Einsatz.
29.07.2016

Kinderbetreuung heute – Tagesmutter oder Kindergarten?

Vor allem dann, wenn sich Eltern für Beruf UND Kind entscheiden, wird zur Betreuung gerne auf den Kindergarten oder die Tagesmutter zurückgegriffen. In Deutschland sind die Möglichkeiten der Kinderbetreuung generell vielfältig, die Kosten müssen darüber hinaus nicht gänzlich allein getragen werden. Denn neben den Eltern übernimmt auch der Staat einen Anteil. Doch was kosten heutige Betreuungsangebote überhaupt, ist es wirklich so einfach, die Kinder bei einer solchen Institution unterzubringen und welche Variante der Kinderbetreuung überzeugt mehr?

Der Kindergarten – die klassische Form der Kinderbetreuung in Deutschland

Geht es um die Kinderbetreuung, so wird hierzulande vor allem auf Kindergarten und Tagesmutter zurückgegriffen. Die wohl klassischste Variante ist der Kindergarten, denn auf einen dortigen Platz haben Kinder in Deutschland ab drei Jahren einen rechtlichen Anspruch. Wer sich hier nicht auf eine bestimmte Kindertagesstätte festlegt, kann einen solchen Platz verhältnismäßig leicht bekommen. Schwieriger wird es allerdings, wenn die Kinder unter drei Jahren sind – dann sind die Plätze vor allem in den alten Bundesländern Mangelware. Umso wichtiger also, dass Eltern möglichst früh damit beginnen, sich um einen Platz in ihrer Nähe zu kümmern, bestenfalls schon in der Krabbelgruppe. Eine Alternative kann es ebenso sein, die Kinderbetreuung selbst in die Hand zu nehmen – und zwar in Form einer organisierten Eigeninitiative. Diese wird durch die Bundesarbeitsgemeinschaft Elterninitiative e.V. unterstützt. Die Kosten eines Kindergartenplatzes halten sich in der Regel im Rahmen, sie liegen je nach Bundesland und Einrichtung zwischen 50 und 500 Euro.

  • Tipp:

Eltern mit niedrigem Einkommen müssen mitunter gar nichts zahlen, denn sie haben Anspruch auf wirtschaftliche Jugendhilfe. Dabei handelt es sich um finanzielle Unterstützung, die beim zuständigen Jugendamt beantragt werden kann.

Kosten lassen sich darüber hinaus ebenfalls sparen, wenn die Kinderbetreuung in der Steuererklärung berücksichtigt wird. Dafür wird die „Anlage Kind“ benötigt“, wobei für jedes Kind eine eigene Anlage auszufüllen ist. Hier sind jedoch ein paar wichtige Dinge zu beachten, damit die Kosten auch wirklich abgesetzt werden können:

  • Nicht für jedes Kind dürfen Kinderbetreuungskosten geltend gemacht werden. Möglich ist dies nur bei leiblichen Kindern, Adoptivkindern und Pflegekindern. Nicht möglich ist der Abzug bei Enkel- und Stiefkindern.

    • Jedoch gibt es bei Stiefkindern noch eine wichtige Besonderheit, wie auf Elternwissen.com nachzulesen ist:

Sind Sie mit einem »neuen« Ehepartner verheiratet und werden mit diesem zusammen zur Einkommensteuer veranlagt, können die Betreuungskosten auch vom Stiefelternteil getragen worden sein. Denn bei Sonderausgaben werden die Ehegatten wie eine Person behandelt.“ 

  • Abgesehen davon werden nur Kinder berücksichtigt, die das 14. Lebensjahr noch nicht erreicht haben. Sind die Kinder bereits älter, so kann davon ausgegangen werden, dass eine Betreuung in der Regel nicht mehr notwendig ist. Eine Ausnahme stellen behinderte Kinder dar, bei denen besondere Richtlinien je nach Schwere und Dauer der Behinderung greifen.

Bei den besagten Betreuungskosten handelt es sich um sämtliche Ausgaben in Geld und Sachdienstleistungen, die mit der Betreuung des Kindes zusammenhängen. Ebenso werden Erstattungen an Dritte für Aufwendungen mit hineingezählt. Häufige Formen von Betreuungskosten sind etwa diese:

  • Honorare an selbständige Tagesmütter

  • Zusätzliche Erstattungen wie Fahrtkostenersatz von Aufwendungen der betreuenden Person

  • Entgelte für private Vorschulen

  • Beiträge an Kindertagesstätten, Krippen, Ferienbetreuung, Kindergärten und Kinderhorte

Die Tagesmutter als moderne Alternative zum Kindergarten?

Abgestimmte Pflege im kleinen Kreis - eine Tagesmutter kann meist viel individueller auf den Nachwuchs eingehen.

Eine sehr individuelle und damit auch besonders gut auf den Nachwuchs abgestimmte Kinderbetreuung wird durch eine Tagesmutter gewährleistet. Sie betreut Kinder im kleinen Kreis, sodass diese stets dieselbe Bezugsperson haben und daher vor allem kleine Kinder gut aufgehoben sind. Zudem haben Eltern hier die Möglichkeit, die Betreuungszeiten sehr individuell zu setzen, was im Kindergarten nicht möglich wäre. Diese familienähnliche Form der Betreuung wird auch von vielen Eltern hoch geschätzt, da ein vertrautes und persönliches Verhältnis zwischen allen Beteiligten besteht. Problematisch kann es allerdings werden, sollte die Tagesmutter einmal krank werden und ausfallen. In einem solchen Fall muss schnell Ersatz gefunden werden, der nicht immer verfügbar ist.

Jedoch sollten sich Eltern bei der Suche nach einer geeigneten Betreuungsperson viel Zeit nehmen, mittlerweile wird die entsprechende Eignung auch vom Jugendamt offiziell überprüft. Tagesmütter, die mehr als 15 Stunden wöchentlich gegen Geld ein oder mehrere Kinder länger als drei Monate betreuen möchte, benötigen zwangsläufig eine Pflegeerlaubnis, die durch das Jugendamt ausgestellt wird. Zwar steht hinter dem Beruf der Tagesmutter keine konkrete Ausbildung, einige Eignungen müssen sie aber dennoch mitbringen bzw. dem Jugendamt vorlegen:

  • Ein erweitertes Führungszeugnis aller Personen, die im Haushalt leben und mindestens 18 Jahre alt sind

  • Einen Erste-Hilfe-Kurs

  • Eine Unfall- und Haftpflichtversicherung

  • Je nach Kommune auch eine Erklärung vom Hausarzt, dass seelisch und körperlich alles in Ordnung ist

  • Darauf basierend findet ein intensives Eignungsgespräch statt, ebenso wie Infoveranstaltungen, Hausbesuche und einige Kurse für eine ausreichende Ausbildung. Wie genau diese gestaltet sind, hängt vom Bundesland und der Gemeinde ab. Wichtige Themen dabei sind unter anderem die Eingewöhnungsphase, frühkindliche Bildung und Erziehungspartnerschaft mit den Eltern. Besonders empfehlenswerte Qualifikationen werden vom Bundesfamilienministerium mit Gütesiegeln belohnt. Sie sind unter www.fruehe-chancen.de einsehbar.

Sind diese Bedingungen erfüllt, so dürfen Tagesmütter bis zu fünf fremde Kinder betreuen, wobei die Pflegeerlaubnis nach spätesten fünf Jahren erneuert werden muss. Zwingend notwendig ist die Erlaubnis übrigens auch für Tagesmütter, die sich nicht vom Jugendamt vermitteln lassen. Grundsätzlich gilt: Wer Tagesbetreuung ohne Erlaubnis anbietet, begeht damit eine Ordnungswidrigkeit und muss mit einer Geldstrafe von bis zu 500 Euro rechnen. Sofern Tagesmütter interessierten Eltern eine solche Erlaubnis nicht vorzeigen können, sollten diese also durchaus skeptisch und vorsichtig an die Sache herangehen. Wer sich für eine Tagesmutter entscheidet, der kann hier aber durchaus günstiger als beim Kindergarten davonkommen – allerdings sind die Preise mitunter sehr individuell und unterschiedlich, hinzu kommen meist außerdem noch zusätzliche Kostenpunkte wie etwa Trinkgeld.

Fazit

Ob Kindergarten oder Tagesmutter: Es ist oftmals eine Entscheidung, die von vielen Faktoren abhängt. Einerseits kann in der Kindertagesstätte eine ganztägige Betreuung geboten werden, die auch im Krankheitsfall erhalten bleibt. Zudem lernen die Kids viele Gleichaltrige kennen und haben allerhand Möglichkeiten, um sich allein oder gemeinsam zu beschäftigen. Andererseits sind gerade kleine Kinder meist besser in einem kleineren Verbund aufgehoben, für den sich die Tagesmutter bestens anbietet. Nicht zu vernachlässigen ist bei der Wahl der passenden Betreuungsform aber ebenfalls die Verfügbarkeit – mitunter sind Plätze in der Kita vielleicht gar nicht vorhanden, dann kann die schnell verfügbare Tagesmutter ein dankbarer Ersatz sein.

Bild 1: fotolia.com © drubig-photo (#83041487)

Bild 2: fotolia.com © Jürgen Fälchle (#70984945)