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Immer griffbereit: PZ-Redakteurin Miriam Fuchs und der Kaugummi.
Immer griffbereit: PZ-Redakteurin Miriam Fuchs und der Kaugummi.
24.10.2012

Klebrige Angelegenheiten bei Fuchs in the City

Ich habe immer einen im Mund. Allerdings nicht immer die klassischen aus dem Stanniolpapier geschälten Streifen, sondern eher die kleinen, mit Karnaubawachs überzogenen Dragees. Mein Döschen mit Kaugummis in Pillenform ist einer meiner treuesten Begleiter, und wenn ich sonst nichts auf Anhieb in meiner Handtasche finde, aber die Kau-Dragees sind stets griffbereit. Das scheint vielen Pforzheimern so gehen. Der beste Beweis: die vielen Flecken in der gesamten Fußgängerzone.

Was in Paris die Hundehaufen sind, liegt in Pforzheim in kleinerer, dafür klebrigerer Version auf der Straße. Besondere Vorsicht gilt rund um den Eingangsbereich des größten Pforzheimer Einkaufszentrums. Wer hier rein will, läuft Gefahr, eine der vielen lästigen Tretmienen in die Schuhsohle zu pressen. Und so etwas verhagelt mir gewaltig die Laune.

Nichts Uneleganteres als auf einem Bein herumstehen und den klebrigen Wiederkäuer-Rest auf der Schuhsohle suchen. Doch dann beginnt der Ärger erst. Wie kriegt man das Fäden ziehende eklige Zeug mit der fremden Mundbakterien-Flora wieder vom Schuh? Stehenbleiben? Dann bleibt der Schuh an der Straße hängen. Weitergehen? Das ergibt je nach Untergrund komische Geräusche und macht den eleganten Gang so unrund. Herunterkratzen? Das geht in der Öffentlichkeit schon gar nicht.

Für die „Aktion Saubere Stadt“ sucht die Stadt Freiwillige, die unter anderem auch solchen Dreck wegmachen. 24 Pforzheimer Schulen nehmen an der Aktion teil. Da werden wohl einige zu Saubermännern, die vorher den mit Geschmacksverstärkern versetzten Klebstoff auf die Straße gespuckt haben. Ich bräuchte manchmal so einen Freiwilligen, der mir dezent das Zeug vom Schuh kratzt. Aber die stehen ja meistens nie dann in der Nähe herum, wenn mir so ein Malheur passiert.

Dass breitgetretene Kaugummi-Flecken nicht immer nur eine Verschandelung des Stadtbildes darstellen, habe ich in der östlichen Bahn-Unterführung entdeckt. Viele kleine bunte Flecken zieren dort den Boden, ähnlich wie zu groß geratenes Konfetti. Die gelben, blauen und grünen Farbklecks sind doch tatsächlich übermalte Kaugummireste. Eine schöne Idee. Das ist mehr als nur ein bisschen Straßenmalerei, das ist Kunst. Dem Künstler würde ich glatt ein Döschen von meinen Kau-Dragees spendieren.

„Kaugummi verklebt den Magen!“ Das haben die Kinder in meiner Straße damals behauptet. Als Fünfjährige habe ich daher panisch darauf geachtet, die weiße Kaumasse, die wir heimlich probierten, bloß nicht herunterzuschlucken. Ich war ein regelrechter Frühstarter, was das Kaugummikauen angeht, und so richtig kam ich von dem Zeug nie wieder los.

Heute allerdings mahle ich mit den Kiefern eher dezenter. Es ist fast mehr ein Kaugummi lutschen. Ich finde nämlich, dass es nicht sehr gut aussieht, wenn jemand in der Öffentlichkeit ausgiebig wiederkäut. Das ist unsexy, uncool. Und wenn dabei einer schmatzt, ist das genau so schlimm wie der Mundgeruch, den das Kaugummiaroma übertünchen soll. Eines aber geht gar nicht: das Ausspucken auf die Straße. Da juckt es mich dann immer gleich am Fuß.

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