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15.04.2008

Mister Perfect gesucht

MÜNCHEN. Millionen Single-Frauen sehnen sich nach dem perfekten Mann, gleichzeitig steigt die Zahl der Scheidungen. Den idealen Partner zu finden, erscheint wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

„Kein Wunder“, sagt die Psychologin Prof. Anna Schoch aus München und erklärt: „Viele Frauen verstehen Emanzipation so, dass sie immer mehr Rechte einfordern, die Pflichten aber nicht erkennen.“ Verlangen Frauen heute zu viel? Nicht generell, sagen andere Experten. Beide Partner müssten offen über ihre Vorstellungen reden.
„In der Paartherapie zeigt sich oft, dass Frauen Unmögliches von ihren Männern verlangen“, sagt Schoch. „Frauen stecken in einem tiefen Zwiespalt zwischen den Anforderungen des modernen Frauenbildes und dem althergebrachten Wunsch nach Sicherheit und Versorgung durch den Mann.“

Und so fahnden Millionen Single-Frauen nach einem Ideal, dass es so nicht gibt: „Er sollte aussehen wie George Clooney, verdienen wie Josef Ackermann, romantischer Liebhaber sein und mit Hingabe seine Kinder erziehen“, zählt Schoch auf. Doch überzogene Ansprüche verurteilten jede Partnerschaft zum Scheitern.

Klaus Heer, Diplom-Psychologe aus Bern, sieht das etwas anders: Nicht nur die Frauen hätten überzogene Erwartungen, sondern auch die Männer. Und später seien beide enttäuscht, weil es so nicht hinhaut. Auch Insa Fooken sieht die Schuld nicht nur bei den Frauen. Die große Liebe, finanzielle Sicherheit, ein schönes Leben – diese Wünsche haben alle Menschen, sagt die Psychologie-Professorin von der Universität Siegen. Probleme entstünden vor allem dann, wenn über die eigenen Wünsche nicht geredet wird.

Miteinander reden und Lebensvorstellungen klären – das müssen die meisten Paare erst lernen. „Frauen erwarten häufig, dass ihr Partner ihnen die Wünsche von den Lippen abliest“, sagt Fooken. Frauen glaubten zudem häufig wie selbstverständlich, dass ihr Mann von Natur aus besser weiß, wie das Leben zu bewältigen ist, ergänzt Schoch.
Doch wie kann Partnerschaft zwischen Anspruch und Realität gelingen? „Dieser Weg ist steil und steinig“, sagt Heer. Wer bringt den Müll runter? Wer kümmert sich um die Kinder?

„Viele Frauen stricken sich ihre Probleme selbst, wenn sie alles im Alleingang machen, anstatt das Leben in Absprache mit dem Partner zu organisieren“, so Fooken. Doch warum kommt er nicht alleine auf die Notwendigkeiten des Alltags? „Männer sehen vieles nicht und denken, dass ihre Partnerin schon Bescheid gibt, wenn sie Hilfe braucht.“ Doch genau hier hapert es bei den Frauen, weiß Anna Schoch: „Wenn ein Mann die weiblichen Vorstellungen nicht erfüllt, fangen Frauen häufig an zu nörgeln.“ Oft ohne selbst genau zu wissen, was sie eigentlich wollen. Ihre Empfehlung lautet: „Machen Sie Ihrem Partner liebevoll, aber deutlich klar, was sie von ihm verlangen. Und bleiben Sie konsequent.“

Auf keinen Fall dürfe die Frau seine Pflichten mit vorwurfsvoller Miene übernehmen. „Diese Botschaft versteht er nicht. Er merkt nur, dass es ungemütlich ist.“

Und was sollten die Männer tun? „Sie können klären, was die Frau von ihnen erwartet. Klar und deutlich“, rät Klaus Heer. „Und dann können sie darstellen, welche dieser Erwartungen sie erfüllen können und wollen – ganz oder teilweise – und welche nicht.“ Denn je früher sich Paare über Lebensvorstellungen einig sind, desto besser gelingt auch der gemeinsame Weg.