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13.04.2008

Schluss mit dem Fliegen-Look

BERLIN. Groß oder noch größer: Mehrere Saisons lang gab es bei den Sonnenbrillen nur die Wahl zwischen diesen beiden Modellen. Jetzt geht der Look mit der neuen Mode langsam weg vom Stubenfliegen-Outfit.

„Licht und leicht, frisch und clean soll der Look 2008 daherkommen“, sagt Peter Frankenstein, Sprecher des Industrieverbands „Spectaris“ in Berlin zur neuen Entwicklung. Zwar gebe es noch immer eine Menge Brillen mit auffallend großen Gläsern – mit und ohne Rahmen. „Aber der Trend geht jetzt weniger in Richtung Retro“, sagt auch Kerstin Kruschinski vom „Kuratorium Gutes Sehen“ in Berlin: „Sonnenbrillen werden, ähnlich wie Korrektionsbrillen, wieder kleiner und außerdem schlanker.“

Angesagt sind im Jahr von Fußball-EM und Olympia sportliche Modelle. Sie müssen allerdings hochwertig verarbeitet sein, um zum Trend-Look zu passen: „Sport deluxe“ nennt Fielmann in Hamburg diese edlen Varianten. Sie sind oft von stark seitlich gebogenen Gläsern geprägt. Der Hersteller Puma setzt bei vielen seiner aktuellen Designs auf sportliche Formen mit kleineren ovalen Gläsern, die auch vor seitlichem Lichteinfall schützen. Dezenter werden aber nicht nur die Formen, sondern ebenfalls die Farben der Gestelle: „Ganz neu ist Weiß als Trendfarbe schlechthin“, sagt Gabriele Gehrling vom Zentralverband der Augenoptiker (ZVA) in Düsseldorf. „Populär sind außerdem graue, braune und erdige Töne wie Kaffeebohne“, sagt Frankenstein.

Akzentfarben wie Violett, Smaragd, Chlorophyll oder Türkis finden sich zwar auch in den Kollektionen. Sie treten aber nur als Detail auf und nicht als Farbe für das ganze Gestell, erläutert Kruschinski: Ruhe und Harmonie dominieren. „Und dadurch stehen eher edle Strukturen und gegensätzliche Oberflächen im Mittelpunkt - matt gesellt sich zu glänzend, poliert zu geraut und Lack zu Leder.“ Diese Art von Materialmix ist bei den Sonnenbrillen neu, sagt Frankenstein. Ein Beispiel dafür zeigt die Firma Rodenstock aus München: Das Modell R 1284 setzt Kunststoffbügel bewusst als Kontrast zur Edelstahlfassung in der für Damen recht ungewöhnlichen Pilotenform. Weiter gefragt ist aber auch der Luxus-Look: Geprägte Metallbügel in Krokodillederoptik, edel schimmernde Perlen oder Kristallverzierungen - solche Merkmale lassen die Sonnenbrille vom Gebrauchsgegenstand zum Schmuckstück avancieren. Extravaganter Hingucker in dieser Kategorie sind zum Beispiel die Modelle der Kollektion „Avenues of Light“ von Swarovski in Kaufbeuren im Allgäu. Eine dezentere Variante ist das Oversize-Modell M1 von Alpina aus Friedberg, das mit goldenen Nieten besetzt ist.

Schlichte Variante

Solche Luxus-Modelle eignen sich allerdings nicht für beide Geschlechter. Dabei ist „Unisex definitiv in“, sagt Kruschinski: „Viele Sonnenbrillen haben eine so schlichte Form, das sie weder Damen- noch Herrenmodelle sind, sondern von beiden getragen werden können.“ Das bedeutet allerdings nicht, dass bei diesen Stücken auf jegliche Verzierung verzichtet wird.

Der Stil allein macht aber noch keine gute Sonnenbrille. „Polarisierende Gläser schützen vor dem oft unterschätzen Blaulicht, reduzieren Blendungen und verstärken Kontraste. Das lässt die Augen deutlich weniger ermüden“, erklärt Kerstin Kruschinski die neuesten Errungenschaften in Sachen Gläser. Ob solch ein Schutz tatsächlich gewährleistet ist, kann aber nur ein Optiker prüfen. Vom Schnäppchenkauf im Supermarkt sei deswegen generell abzuraten. „Vielfach haben Sonnenbrillen zwar ein Topäußeres, weisen aber beim Sonnenschutz Mängel auf“, warnt Frank Hof von der Fachmesse opti in München.