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Bringt den schwedischen Internet-Musik-Dienst Spotify jetzt nach Deutschland: Firmengründer Daniel Ek.
Bringt den schwedischen Internet-Musik-Dienst Spotify jetzt nach Deutschland: Firmengründer Daniel Ek. © dpa
12.03.2012

Spotify-Gründer Daniel Ek: Betriebssystem für Musik

Der Deutschland-Start des Streaming-Dienstes Spotify stößt in der Musikbranche auf große Beachtung. Warum die Schweden erst jetzt damit kommen und was ihre Pläne sind, beantwortet Firmengründer Daniel Ek in einem Telefoninterview.

PZ-news: Welche Erwartungen verbindet Spotify mit dem neuen Angebot in Deutschland und warum steigen Sie hier erst nach dreieinhalb Jahre ein?

Ek: «Deutschland ist der drittgrößte Musikmarkt der Welt. Wir denken, das ist ein perfekter Platz für Spotify. Zu unserem Start in Deutschland werden wir über 16 Millionen Songs kostenfrei verfügbar haben. Das ist eine ganze Menge an Auswahl. Spotify ist nicht der einzige Musikdienst, der die Erfahrung gemacht hat, dass es in Deutschland seine Zeit braucht, um Musiklizenzen zu bekommen. Es gab erhebliche Hürden für den Eintritt auf den deutschen Markt. Aber jetzt sind wir in einer guten Position. Es ist für uns die richtige Zeit, um mit Spotify in Deutschland zu starten.»

PZ-news: Die Verwertungsgesellschaft Gema und der IT-Fachverband Bitkom haben im Dezember eine einheitliche Gebührenordnung für Streaming-Dienste vereinbart. Ist dies auch die Grundlage für Spotify in Deutschland?

Ek: «Ich bin nicht der Richtige, um diese Frage zu beantworten, da ich nicht mit allen Details vertraut bin. Aber alle Rechteinhaber, mit denen wir in Deutschland gesprochen haben, haben Spotify sehr unterstützt.»

PZ-news: Neben Spotify kommt mit Soundcloud ein weiterer großer Internet-Anbieter für Musik aus Schweden. Was macht Schweden so besonders in der digitalen Musiklandschaft?

Ek: «Schweden ist eine Art Hotspot für Musik. Wir haben hier einige der größten Produzenten für Popmusik, und Musik ist ein wichtiges Exportgut des Landes. In Schweden haben wir auch einige große Piraterie-Portale wie Pirate Bay und Kazaa. Das hat Leute wie mich dazu gebracht, darüber nachzudenken, wie man diese Probleme lösen kann. Inzwischen hat sich in Schweden fast ein Drittel der Nutzer von Piracy-Angeboten abgewandt und nutzt Streaming-Dienste wie Spotify. Und jetzt kann man mit Musik wieder mehr Geld verdienen als noch vor ein paar Jahren. Man kann nicht gegen Technologien ankämpfen. Aber mit Spotify bieten wir eine bessere Technik als Piraterie-Angebote. Wenn die Leute das erkennen, nutzen sie es auch.»

PZ-news: Die Musikbranche hat also dazugelernt?

Ek: «Ja. Und das bringt ihr wieder Geld ein. Spotify ist die zweitgrößte einzelne Einnahmequelle der Musikindustrie in Europa beim digitalen Musikvertrieb. Das kommt den Plattenfirmen ebenso zugute wie Komponisten und Künstlern. Seit der Gründung von Spotify im Oktober 2008 haben wir 250 Millionen Dollar (rund 200 Millionen Euro) an die Musikindustrie überwiesen.»

PZ-news: Wird der Start von Spotify in Deutschland den Konkurrenzdruck im Geschäft mit digitaler Musik verschärfen?

Ek: «Es gibt sehr viele unterschiedliche Dienste, die alle ihren eigenen Ansatz verfolgen. Wir haben gezeigt, dass Leute mehr Musik hören wollen denn je. Und wir haben erlebt, dass die Leute nicht aufhören, Musik für den Download zu kaufen. Streaming kommt da als eine ergänzende Form des Musikhörens hinzu. Das Download-Modell und das Streaming-Modell können Seite an Seite nebeneinander existieren.»

PZ-news: Was ist denn der besondere Ansatz von Spotify?

Ek: «Wir wollen das Betriebssystem für Musik werden. Die Nutzer sollen Musik in den verschiedensten Situationen und mit Spotify Apps hören können, die sie gern verwenden. Es gibt schon sehr viele gute Apps, welche die API (Software-Schnittstelle) von Spotify nutzen. Und es wird noch sehr viel mehr Apps geben.»

PZ-news: Welcher Streaming-Kanal ist denn in Ihrer Sicht am wichtigsten?

Ek: «Das entscheidet immer der Nutzer. Sie sollen ihre Musik an allen Orten und zu jeder Gelegenheit hören können. Das kann am Computer sein, auf mobilen Geräten verschiedenster Art, über Lautsprechersysteme wie dem von Sonos oder auch am Fernsehgerät. Wir haben eine wirklich gute Beziehung zu Facebook, sind aber auch mit Twitter und anderen Sozialen Netzwerken verbunden. Sie können auch einen Song über E-Mail mit ihren Freunden teilen.»

PZ-news: Ein Argument gegen das Streaming ist, dass die Qualität bei der Kompression der Musikdiensten zur Übertragung im Internet leidet.

Ek: «Bei der kostenlosen Nutzung bietet Spotify eine Qualität von 160 Kilobit pro Sekunde. Bei zahlenden Nutzern sind es 320 Kilobit. Damit hat Spotify eine bessere Qualität als viele Download-Titel.»

PZ-news: Was sagen Sie Musikliebhabern, die einwenden, sie wollen Musik nicht nur hören, sondern auch besitzen?

Ek: «Die Mehrheit der Leute will Musik nicht kaufen, sondern einfach jederzeit und auf jeder Art von Gerät den Zugang dazu haben. Und sie wollen die Musik ihrer Freunde hören. Musik ist die sozialste Sache der Welt. Allein die Musik kann kulturelle, sprachliche und demographische Grenzen überwinden. Wenn Sie ein schwedisches Lied hören, können Sie sagen, ob es eine eher fröhliche oder traurige Musik ist. Das ist das wirklich Einzigartige der Musik.» dpa