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16.07.2015

Stalker, Schmuggler, Springer: Wenn die Gondolettas im Karlsruher Zoo sprechen könnten …

Wenn die Gondolettas im Karlsruher Zoo sprechen könnten, wüssten sie die verrücktesten Geschichten zu erzählen. Da die Boote aber beharrlich schweigen, muss diese Anekdoten eben doch  Robin Brunell erzählen. Seit langen Jahren betreut der gebürtige US-Amerikaner die Gondolettas auf dem Stadtgarten- und Schwanensee. Millionen Fahrgäste haben seit der Einweihung 1967 die Rundfahrt über den See unternommen. Kein Wunder, dass sich dabei schon so manche kuriose Begebenheit zugetragen hat. Aus Brunell sprudeln sie geradezu heraus.

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Immer wieder etwa versuchten Besucher, auf scheinbar unauffällige Art alles Mögliche mit an Bord zu schmuggeln. In der Jacke versteckten Hunden kommt der beim Einstieg behilfliche Brunell aber ebenso auf die Schliche wie einst einem Schuljungen, der so viel Flaschen mit alkoholischem Inhalt im Rucksack (und vielleicht auch schon im Kopf) hatte, dass er kaum noch stehen konnte.

Machtlos war der Schiffchen-Betreuer dagegen in einer anderen Situation. „Ein einzelner Mann stieg in eine Gondoletta, als eine andere einzelne Frau fragte, ob sie auch noch zusteigen darf“, erinnert sich Brunell. Weder er noch der Mann hatten etwas dagegen, bietet eine Gondoletta doch locker vier Personen Platz. Von seiner Rundfahrt kam der Mann jedoch alleine zurück. Er hatte die Frau am anderen der zwei Ein- und Ausstiege aus dem Boot geschickt.

„Es war eine Stalkerin“, löst Brunell den Fall auf. Sie war dem Mann wohl quer durch die Stadt und den Zoo gefolgt, nur um die keine Fluchtmöglichkeit bietende Fahrt übers Wasser zu einem Annäherungsversuch zu nutzen.

Wobei es eine Ausstiegsmöglichkeit natürlich doch gegeben hätte: Den Sprung aus dem Boot in den See, was jedes Jahr ein bis zwei Gäste machen und was natürlich verboten ist. Bei diesen Aktionen kentert meist auch noch die Gondoletta, sodass Brunell und seine Kollegen das Boot ausschöpfen und aus dem Seilzug ausbauen müssen. „Ein Haufen Arbeit“, so der Betreuer, der im Taucheranzug auch jeden Morgen die Verankerungen der Boote kontrolliert. Wirklich folgenreiche Unfälle gab es deswegen in der knapp 50-jährigen Geschichte der Gondolettas nicht. Ertrinken kann ein Erwachsener in dem an den meisten Stellen nicht einmal anderthalb Meter tiefen Gewässer ohnehin kaum.

Bei allen Anekdoten soll jedoch nicht vergessen werden, dass der allergrößte Teil aller Gondoletta-Fahrten völlig harmonisch verläuft. „Am schönsten sind Kindergruppen, die sich einfach nur über die Fahrt freuen“, meint Brunell. Und das seit 1967 millionenfach, manchmal in kurioser Begleitung, wie 2013, als eine Robbe ausbüxte und eine Zeit lang im Stadtgartensee neben den Booten mitschwamm. Im Moment säumen zahlreiche Karpfen, Enten und Pelikane den Weg der Gondolettas. Es gibt also für Groß und Klein auf der rund 40-minütigen, entspannenden Rundfahrt stets neue Ausblicke und jedes Mal etwas Neues zu entdecken.