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Das Team des Tatorts aus Dortmund: Die Schauspieler Jörg Hartmann (l-r, Peter Faber), Aylin Tezel (Nora Dalay), Anna Schudt (Martina Bönisch) und Rick Okon (Jan Pawlak).
Das Team des Tatorts aus Dortmund: Die Schauspieler Jörg Hartmann (l-r, Peter Faber), Aylin Tezel (Nora Dalay), Anna Schudt (Martina Bönisch) und Rick Okon (Jan Pawlak). © Dpa
20.01.2019

Tatort Dortmund: Toter Bergmann und Tristesse im Ruhrpott

Dortmund. Die Dortmunder «Tatort»-Kommissare um Peter Faber und Martina Bönisch haben den Mord an einem Ex-Bergmann aufzuklären. Der Film «Zorn» führt zu geschlossenen Zechen im Ruhrgebiet und Verlierern des Strukturwandels. Trist und trostlos, ein bisschen dick aufgetragen.

Es wird viel gequalmt und Pils gekippt aus Frust und Langeweile, keine Jobs nach Zechenschließungen in Sicht, man fühlt sich verraten nach vielen Jahren Plackerei unter Tage. Der Dortmunder «Tatort» spielt - kurz nach dem realen historischen Schlussstrich unter den deutschen Steinkohlenbergbau - an tristen Schauplätzen des Ruhrgebiets, die ein bisschen in depressive Stimmung verfallen lassen. Graue Industrie-Kulissen, ziemlich heruntergekommene Bergbausiedlungen, «Schicht-im-Schacht»-Plakate - und mittendrin am Emscher-Ufer die Leiche eines früheren Bergmanns, erschossen aus nächster Nähe auf einer Abraumhalde.

Das Team um Peter Faber (Jörg Hartmann) und Martina Bönisch (Anna Schudt) ermittelt in «Zorn» (20.15 Uhr) zwischen Zechen-Kneipe, stillgelegtem Stahlwerk und unter zerstrittenen Ex-Bergleuten. Der Tote hatte bis zuletzt für die Bewohner der Siedlung gekämpft, wollte die Zeche auf Bergschäden verklagen.

Sein Widersacher - selbst früher Steiger - gerät in Verdacht. Er will die Ex-Kumpel bewegen, ein Angebot des Zechenbetreibers anzunehmen. «20 000 Euro für jeden, der hier ein Haus hat, egal, ob Bergschäden oder nicht.» Auf dem alten Zechengelände soll ein Freizeitpark entstehen. Die Arbeitsperspektive für die einstigen Kumpel ist gleich null. Es sei denn, sie heuern im Vergnügungspark an. Was sie unter ihrer Würde empfinden. Ein weiterer ehemaliger  Bergmann wird verdächtigt. Eine höchst eklige Rolle übernimmt Bibiana Beglau als Verfassungsschutzbeamtin Klarissa Gallwitz - eine Unsympathin, die ihr eigenes Spiel spielt. Etwas überzeichnet kommt der durchgeknallte «Reichsbürger» Friedemann Keller (Götz Schubert) daher, der offenbar mit Sprengstoff handelt, V-Mann ist und eine dubiose Verbindung zu einigen Bergleuten pflegt. Auch er gerät immer enger ins Visier der Ermittler.

In einer Industriehalle am Rande Dortmunds hat Keller seinen eigenen Staat ausgerufen, sich zum Reichskanzler ernannt. Die Lage droht zu eskalieren, als Faber im Gebäude versucht, den Extremisten zum Aufgeben zu bringen, während draußen der Verfassungsschutz mit Gallwitz zeitgleich einen Zugriff vorbereitet. 

Der echte Showdown findet aber in einem alten Stahlwerk statt. Das SEK räumt das Gelände, wo gerade eine Werbeveranstaltung für die geplante neue «Erlebniswelt» steigen sollte. Eine Bombe wird  hochgehen, den Zünder hält ein Bergmann in der Hand.

Zugleich haben die Ermittler auch wieder mal gut mit sich selbst zu tun. Nora Dalay (Aylin Tezel) und der neue Hauptkommissar Jan Pawlak (Rick Okon) trauen sich nicht über den Weg, können sich nicht ansatzweise ausstehen. «Wenn man so ein Team hat, braucht man keine Feinde», stellt Bönisch ernüchtert fest. Wenigstens ihre sonst nervenaufreibende Beziehung zum unberechenbaren Faber verläuft diesmal stressfrei. Auch wenn der weiter seine Alleingänge durchzieht. 

Einige Pointen am Rande lassen schmunzeln. Sonst ist es eine eher trostlose Szenerie. Faber wird konfrontiert mit dem Mord an seiner Frau und Tochter, die ihn zum verbitterten Zyniker haben werden lassen. Der Täter ist wieder auf freiem Fuß. Nora Dalay und Jan Pawlak machen beide schwere Fehler - mit fatalen Folgen. Und am Schluss steht ein unausgesprochener Deal.