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Für Technikjournalisten ist eine objektive Berichterstattung extrem wichtig.
Für Technikjournalisten ist eine objektive Berichterstattung extrem wichtig. © Symbolbild dpa
27.02.2017

Technikjournalismus - Das sollten Sie wissen, wenn Sie Journalist werden wollen

Technik ist in dem großen Bereich Journalismus das Teilgebiet, das am wenigsten bekannt ist. In vielen Medien werden Beiträge aus dem Technikbereich publiziert, auch wenn hierfür meistens kein eigenes Ressort zur Verfügung steht. Eine große Rolle spielt der Technik Journalismus in den Bereichen IT- und Kommunikation, Bauen und Wohnen, Verkehr und Transport, Energie und Umwelt sowie „Industrielle Produktion“.

In der Vergangenheit wurde dieses Berufsbild ausschließlich den Fachmedien zugeordnet. Seit dem die Digitalisierung nahezu alle menschlichen Lebensbereiche bestimmt und das Smartphone zum ständigen Begleiter geworden ist, ist eine kompetente technische Berichterstattung, die uns bei der Lösung vieler Probleme hilft, unverzichtbar.

Umso wichtiger ist eine objektive Berichterstattung durch Fachjournalisten, die den Lesern die Welt der Technik leicht verständlich näher bringt und Berührungsängste abbaut. Junge Menschen, die sich für eine Journalistenlaufbahn entscheiden und dabei den Schwerpunkt auf das Thema Technik setzen, haben nach der Ausbildung gute Chancen, für auflagenstarke Fachzeitschriften und zahlreiche Internetplattformen zu arbeiten, die regelmäßig Fach- und Blogbeiträge sowie Ratgeber publizieren. Internetaffine junge Menschen müssen sich jedoch darüber bewusst sein, dass diese Domäne vor allem von Freelancern besetzt ist. Planstellen für festangestellte Journalisten sind dagegen nur selten vorgesehen, da sich eine hauseigene Technikredaktion meistens nicht lohnt. Die Beauftragung von ausgewiesenen Freelancern ist unkompliziert und inhaltlich bis zu einem gewissen Grad leicht zu überprüfen. Stellen etablierte und finanzstarke Medien Journalisten in diesem Fachbereich fest an, sind diese weniger für die Berichterstattung als vielmehr für die Koordination und Produktion der Beiträge und des jeweiligen Technikressorts zuständig. Hier bestehen starke Berührungspunkte mit der Arbeit eines Technikredakteurs. Journalisten mit einem guten Technikverständnis sind auch außerhalb ihres Tätigkeitsbereichs gefragt, zum Beispiel als Autor von Fachbüchern oder Moderator auf Fachmessen.

Wer sich für dieses Berufsbild entscheidet, muss daher genau wissen, wo seine Interessen und Fähigkeiten liegen und ob für diese auch die entsprechende Zielgruppe vorhanden ist. Allerdings interessieren sich die Leser in den wenigsten Fällen für die gesamte Bandbreite, sondern lediglich für bestimmte Teilaspekte. Wer seine Immobilie auf den neuesten Stand der Technik bringen möchte, informiert sich nicht nur bei dem entsprechenden Dienstleister, sondern auch in den Technikmedien. Interessant sind alle Beiträge aus dem Bereich energetische Sanierung und Heizanlagen. Ist die Planungs- und Sanierungsphase, sind diese Themen nicht mehr relevant. Gleiches gilt auch für andere technische Bereiche, die unser tägliches begleiten. Das Interesse besteht also immer nur für eine gewisse Zeit. Die Bereiche IT und Kommunikation bieten dagegen eine große Zielgruppe, weil sich die meisten Konsumenten als Besitzer von Smartphones, Computern und Internetanschlüssen stets über die technischen Neuerungen auf dem Laufenden halten, um beruflich und privat nicht den Anschluss zu verpassen.

Wichtig sind auch die Qualitätskriterien. Dieser Fachbereich ist eine komplexe Materie, die abseits der Fachmedien in eine einfache Sprache umzusetzen ist, so dass auch Medienkonsumenten ohne Fachkenntnis die Berichterstattung verstehen können. Viele Ressorts beschäftigen Experten aus den Bereichen Naturwissenschaften, die jedoch keine journalistische Ausbildung durchlaufen und sich die entsprechenden Anforderungen eher nebenbei angeeignet haben. Diese Fachleute schreiben häufig qualitativ hochwertige Texte, die jedoch zu viel Fachterminologie und eine komplizierte Satzstruktur enthalten. Diese Faktoren erschweren den Lesefluss und nehmen die Leser nicht mit. Das Ergebnis sind hochwertige, aber ungelesene Texte, von denen niemand etwas hat, weder der Journalist, noch der Leser. Gerade im IT- und Kommunikationsbereich sind Journalisten häufig Quereinsteiger, die ihren Lesern die Technik zwar leicht verständlich näherbringen können, jedoch mit den journalistischen Grundregeln nicht vertraut sind. Hier gilt es, Expertenwissen mit einer leicht verständlichen Informationsvermittlung zu verbinden. Meistens ergibt sich die Themenstellung durch die Auftragsausschreibung der Redaktionen, Medien und privaten Auftraggeber. Geht es um Neuerungen, können die Journalisten auf die Präsentationstermine der Hersteller reagieren oder Fachmessen besuchen.

Technikjournalismus muss auch immer kritisch sein und darf nicht zu sehr in den PR-Bereich abgleiten. Vor allem Journalisten ohne technische Ausbildung sind häufig auf die Informationen der Hersteller angewiesen, die natürlich in erster Linie im eigenen Interesse handeln. Eine informative und sachliche Berichterstattung, die nicht nur das Interesse der Hersteller berücksichtigt, erfordert eine Gegenrecherche bei unabhängigen Stellen. Diese können Prüfinstitutionen, Verbraucherinstitutionen und herstellerunabhängige Medien sein. Wer das Berufsbild des Technik Journalisten erlernen möchte, muss viele Punkte berücksichtigen und sich umfangreiche Informationen einholen, um festzustellen, ob diese Tätigkeit tatsächlich zu den individuellen Voraussetzungen passt.

Der deutsche Journalistenverband stellt unter dem Fachressort Technik das Berufsbild des Technikjournalisten ausführlich vor. Das deutsche Journalistenkolleg bietet die Kurseinheit F110 Technik Journalismus an. Eine Leseprobe steht zum Download bereit. Alle Inhalte werden jedoch auch unter dem Link www.journalistenkolleg.de/lehrgang/aufbau/f110-technikjournalismus ausführlich erklärt.

Auf der Seite www.presseausweis.de finden Sie alle Informationen rund um das Thema Akkreditierung von Journalisten und die Voraussetzungen, wie man einen Presseausweis für Recherchen bei Technikunternehmen erhält.