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04.06.2008

US-Touristen müssen sich online registrieren

LAS VEGAS. Deutsche USA-Urlauber müssen sich erneut auf Veränderungen bei den Ein- und Ausreiseverfahren einstellen. So müssen sie sich vom Januar 2009 an spätestens drei Tage vor ihrer Ankunft online registrieren.

Wie auf der US-Reisemesse Pow Wow in Las Vegas deutlich wurde, sind einige Detailfragen rund um diese Anmeldung allerdings noch unklar. Sicher ist, dass in den kommenden Monaten sämtliche US-Grenzübergänge mit neuen Lesegeräten für Fingerabdrücke ausgestattet werden, die alle zehn Finger scannen – bisher ist dies erst an zehn Flughäfen der Fall. Und auch bei der Ausreise sollen vom Juni 2009 an die Fingerabdrücke abgegeben werden.

Dem neuen Programm für die Online-Registrierung von Reisenden hat das US-Heimatschutzministerium den Namen „Electronic System for Travel Authorization“ (ESTA) gegeben. Im August soll ein Probebetrieb starten, verbindlich werden soll das Verfahren am 12. Januar 2009. Im Internet sollen den Reisenden dabei Fragen gestellt werden, die bislang auf den Einreiseformularen beantwortet werden müssen, die es im Flieger gibt. Dies betrifft Touristen aus Ländern, die am „Visa Waiver Program“ teilnehmen und von der Visumspflicht befreit sind. Wie für 26 andere Länder, gilt dies seit 1983 auch für Deutschland.

Wer sich einmal online registriert hat, kann zwei Jahre lang immer wieder in die USA einreisen, ohne erneut eine Anmeldung vorzunehmen, erklärte Laurel Smith von der US-Zoll- und Grenzschutzbehörde. Ob es Ausnahmen von der dreitägigen Frist für eine Reiseanmeldung geben wird, konnte sie jedoch nicht beantworten. Probleme mit der Drei-Tage-Frist dürften vor allem Geschäftsreisende bekommen, die spontan in die USA reisen möchten, aber noch nicht bei den Behörden registriert sind. Ähnliches gilt für Privatreisende, die ohne eine lange Vorausplanung über den Atlantik fliegen wollen, etwa bei schweren Erkrankungen von nahen Angehörigen.Bei der US-Reisebranche stößt die Neuregelung auf positive Resonanz. An das Online-Verfahren „werden sich die Reisenden gewöhnen“, sagte Roger Dow, der Präsident des Branchenverbandes TIA, in Las Vegas. Es sei „ein Versuch, die schriftlichen Dokumente aus dem Weg zu räumen und die Einreise insgesamt effizienter zu machen“.

Rita Hille, Präsidentin des Visit USA Committee Germany, sieht eher Vorteile: „Der Papierkram fällt künftig weg.“ Das ganze Verfahren ähnele dem Vorgehen Australiens, das viele Urlauber als unproblematisch empfänden. Und in den wenigen Fällen, in denen die USA eine Einreise verweigern, werde das dem Betroffenen künftig schon in Deutschland mitgeteilt – statt von einem Einwanderungsbeamten auf einem weit entfernten Flughafen mit einer sofortigen Rückreise als Folge. Ohne eine Anmeldung werde von 2009 an keine Fluggesellschaft mehr USA-Reisende an Bord nehmen, erwartet Hille. Einige Fragen seien aber noch zu klären – etwa ob Reisebüros die Anmeldung für Touristen ohne Internetzugang übernehmen dürfen.

Neuigkeiten gibt es auch beim Einreisevorgang selbst, an dem sich durch die Online-Registrierung nichts ändern wird. Seit 2004 sammelt das Programm US Visit biometrische Daten von Besuchern. Bisher werden dabei an vielen Grenzübergängen Lesegeräte eingesetzt, die für die beiden Zeigefinger ausgelegt sind. Ein neues System mit dem Scannen aller zehn Fingerabdrücke gibt es in New York, Washington, Atlanta, Boston, Chicago, Houston, San Francisco, Miami, Detroit und Orlando.

Bis zum Jahresende soll dieses Verfahren von allen Einreisestellen übernommen werden, sagte US-Visit-Direktor Robert Mocny in Las Vegas.Von US Visit seien bisher Daten zu 90 Millionen Menschen erfasst worden, so Mocny. Mit ihrer Hilfe seien bei der Einreise immerhin 2400 Menschen gefasst worden, die zum Beispiel gestohlene Pässe benutzten oder in den USA wegen eines Verbrechens gesucht wurden.

Auch bei der Ausreise aus den Vereinigten Staaten werde es vom Juni 2009 an eine Kontrolle der Fingerabdrücke geben, kündigte Mocny an. Dadurch soll etwa verhindert werden, dass Urlauber oder Inhaber eines Visums ihre erlaubte Aufenthaltsdauer im Lande überziehen. Umstritten sei derzeit nur noch die Frage, wer diese Arbeit erledigt. Die US-Regierung habe dafür die Fluggesellschaften vorgeschlagen.