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18.05.2015

Unfall und jetzt? Verkauf von Unfallwagen und Abwicklung der Versicherungsfälle

Die Zahl der Verkehrsunfälle in Baden-Württemberg beträgt seit einigen Jahren rund 250.00 bis 290.000 Vorfälle. Allerdings nimmt die Zahl der verunglückten Personen dabei stetig ab, so waren es 2013 nur 421 Personen, während in den 70ern über 2700 Menschen ihr Leben auf den Straßen ließen.

Die Statistik zeigt jedoch auch, dass der Sachschaden auf einem hohen Niveau von durchschnittlich 3400 Euro Haftpflicht und 1500 Euro Vollkasko in ganz Deutschland bleibt. Auf der vielbefahrenen A8 ist aufgrund zahlreicher Unfälle regelmäßig mit Staus und Sperrungen zu rechnen und zu den Unfallursachen gehören überhöhte Geschwindigkeit, Missachtung von Vorfahrten und ein zu geringer Abstand. Wer in einen Unfall verwickelt wurde, ob als Verursacher oder als Leidtragender, hat danach viele Formalitäten zu erledigen und besonders beim Verkauf des Wagens und der Abwicklung der Versicherungsfälle, sind einige grundlegende Dinge zu beachten.

Quelle: http://statistik-bw.de/UmweltVerkehr/Landesdaten/MUnfaelle.asp

Reparatur und Verkauf – Unfallwagen zu guten Konditionen verkaufen

Ist es zu einem Unfall gekommen, wird je nach Sachlage zunächst ein Kfz-Gutachter den Schaden überprüfen oder die jeweilige Werkstatt einen Kostenvoranschlag abgeben. Allerdings kommt es auf den Schaden an, denn bei Totalschäden oder gravierenden Problemen lohnt sich in den meisten Fällen keine Reparatur mehr. Der Restwert bestimmt die nachfolgenden Schritte, denn auch wenn einige Unfälle, Schäden und Wagen bei erster Betrachtung nicht besonders gravierend erscheinen, so können sie trotzdem zum Teil für eine sehr hohe Reparaturkosten veranschlagen. Eine der häufigsten Unfallursachen ist das direkte Auffahren und so finden sich zahlreiche Schäden an Heck und Front der Fahrzeuge, die neben Lack- und Blechschäden oftmals ein Verziehen des gesamten Rahmens oder des Fahrwerks nach sich ziehen können. Eine Überprüfung ist deshalb in den meisten Fällen anzuraten.

Auch kleinere Schäden lassen den Wagen zu einem Unfallwagen werden. Allerdings gibt es für den späteren Verkauf und die wichtigen Angaben zu der Geschichte des Wagens bestimmte Regelungen und Definitionen. Bagatellschäden müssen bei einem Weiterverkauf nicht angegeben werden, Unfallschäden hingegen schon. Der Bundesgerichtshof hat festgestellt, dass geringfügige äußere Lackschäden nicht als Unfallschäden zu kennzeichnen sind, allerdings Blechschäden immer, selbst wenn der Aufwand für die Reparatur sehr gering ist. Allerdings gibt es viele Abstufungen wie die Berücksichtigung von Alter und Laufleistung des Wagens, Art des Schadens, die Reparaturkosten und den Verkaufspreis. So können auch Kleinstkollisionen und daraus resultierende Blechschäden unter die Bagatellschäden fallen. Im Zweifel wenden sich die Autobesitzer an ihre Versicherung oder an Kfz-Gutachter.

Eine zweite Meinung sollte im Zweifel immer herangezogen werden; Pixabay.com © avtoritetkhv (CC0 1.0)

Selbst wenn der Schaden des Autos sehr hoch ist und der Wert des Fahrzeugs sich durch den Unfall stark gemindert hat, lässt sich der Wagen trotzdem noch zu guten Preisen verkaufen. Viele Autohändler nehmen beispielsweise auch Unfallwagen gerne an, übernehmen anschließend selbst einige Reparaturkosten oder Ausbesserungen und verkaufen die Wagen anschließend weiter. Easyautosale.com liefert umfassende Tipps für den Weiterverkauf des Autos an einen Händler und erläutert dabei die unterschiedlichen Händler von Visitenkartenhändlern bis zu Vertragshändlern. Der Vorteil liegt zum einen daran, dass kurzfristige Verkäufe möglich sind und die Händler oft deutlich weniger kritisch an den Einkauf herangehen. Darüber hinaus gibt es viele Händler, die sich auf den Export von bestimmten Fahrzeugtypen spezialisiert haben und Schrott- und Altautos zu ihren Einnahmequellen zählen. Oftmals werden diese in anderen Ländern mit günstigeren Reparaturkosten wieder hergestellt und so nehmen sie auch Wagen mit Motor- oder Getriebeschaden an. Laut diesem Bericht des Umweltbundesamtes kamen 2012 über 390.000 Autos in Nicht-EU-Länder, vor allem nach Westafrika und in viele osteuropäische Länder.


Ein Nachteil könnte ein niedrigerer Verkaufspreis sein, da die professionellen Händler sich sehr gut auskennen und vor allem bei Unfallwagen den Preis deutlich drücken können, da sich die Reparatur für den Besitzer meist nicht mehr lohnt und private Käufer oft ungern Unfallwagen kaufen wollen.

Empfohlen ist außerdem den Unfallwagen zu verkaufen und den Schaden mit der Versicherung fiktiv abzurechnen, um einen Ersatzwagen kaufen zu können. Das ist möglich, wenn die Reparaturkosten den Wiederbeschaffungswert nicht übersteigen und der Besitzer das Auto mindestens sechs Monate lang weiternutzt. Der Wagen muss allerdings Verkehrssicherheit besitzen. An den Geschädigten werden nur die Nettoreparaturkosten ausgezahlt und viele Versicherungen versuchen die Summe über den Vergleich günstigerer Verrechnungssätze bei den Vertragswerkstätten oder Abschlägen auf Ersatzteile zu drücken. Weitere Hinweise zu der Unfallschadenregulierung und der Abrechnung der Kosten liefert iww.de, das Institut für Wissen in der Wirtschaft.

Privatkäufer überzeugen und Vertrauen gewinnen

Wer seinen Wagen nicht an Händler abgeben möchte, kann mit einem Privatverkauf eine gute Summe erzielen, denn über das Feilschen und Handeln, besonders bei beliebten Fahrzeugtypen, lässt sich einiges aus dem Wagen herausholen. Wichtig ist hier zunächst eine ordentliche und professionelle Reparatur des Wagens, denn selbst Laien können schlecht verarbeitete Schäden auf den ersten oder zweiten Blick erkennen, da sie sich intensiv mit dem Wagen auseinander setzen.

Sonderausstattungen können den Preis nach oben treiben; Pixabay.com © manfredkrammer0 (CC0 1.0)

Einige Bastler und Tüftler kaufen Unfallwagen, die nicht repariert worden sind, wenn sie die Ersatzteile benötigen oder selbst Hand anlegen wollen. Die meisten wollen jedoch einen fahrbaren Untersatz für einen vernünftigen Preis erhalten. Deshalb sollte die Reparatur fachmännisch durchgeführt worden sein und eine genaue Dokumentation von Schaden und Reparatur erfolgen. Für die Versicherung und die Werkstatt ist die Fotografie der Schadenbilder wichtig und sollte auch vom Autobesitzer selbst vorgenommen werden. So sind spätere Missverständnisse oder Ungereimtheiten nach Abholung des Wagens aus der Werkstatt vorgebeugt und der Fahrzeughalter hat eine gute Grundlage für die Argumentation. Darüber hinaus hilft es Versicherern und Werkstätten die Geschichte des Autos zu kennen und Privatkäufer können sich gründlich über die Schäden und die erfolgten Reparaturen informieren. Zu den Tricks, die viele Privatverkäufer anwenden, gehört das Verschweigen der Unfälle und Angaben als „Bastlerauto“ bei Totalschäden. Trotzdem sollten seriöse Privatverkäufer die Schäden wahrheitsgetreu angeben, denn auch als Bastlerauto bleiben die Ansprüche bei Mängeln bestehen. Vor allem bei älteren Modellen wie Oldtimern sollten diese Tipps der Initiative Kulturgut Mobilität berücksichtigt werden.

Die Mängelprotokolle sollten ausführlich sein und keine schwammigen Begriffe wie „schlechter Zustand“ beinhalten. Dabei kann es helfen, eine neutrale Stelle den Fahrzeugzustand überprüfen zu lassen, beispielsweise durch TÜV oder DEKRA. Das Fahrzeug sollte außerdem gereinigt und gepflegt sein, um einen ersten guten Eindruck hinterlassen zu können. Die Optik ist besonders bei Privatkäufen für den Preis entscheidend, denn nur wenige Käufer sind technisch so versiert, dass sie jedes Detail kennen und überprüfen können, doch ein gut gepflegtes Auto bleibt sofort positiv in Erinnerung.

Um das weitere Vertrauen des Käufers zu gewinnen, ist eine Probefahrt unerlässlich. Gerade deshalb ist eine Anmeldung des Fahrzeugs unerlässlich, die jedoch auch über das Kurzzeitkennzeichen über eine Dauer von fünf Tagen erfolgen kann. Die Verwendung beschränkt sich dabei jedoch nur auf Überführungsfahrten, Prüfungsfahrten oder Probefahrten, denn der Wagen darf mit diesem Kennzeichen nicht für private Anlässe wie Einkäufe oder Urlaubsreisen genutzt werden.

Bei der Probefahrt sollten die Verkäufer auf einen guten Zeitpunkt achten, denn zu Stoß- und Hauptverkehrszeiten kann die Fahrt schnell einige Nerven und viel Zeit kosten. Vor der Fahrt sollte der Führerschein des potentiellen Käufers begutachtet werden und eine interessante Route ausgewählt sein. Außerdem sollte der Interessent niemals alleine mit dem Wagen fahren oder die Zulassungsbescheinigung II (Fahrzeug-Brief) mit im Wagen führen. Ist in der Versicherung nur ein Fahrer eingetragen, können entstandene Schäden trotzdem von dem Unfallverursacher zurückgefordert werden, wenn keine Vollkaskoversicherung besteht. Hilfreich ist es vor Ablauf der Probefahrt über den Versicherungsstand des Fahrzeugs zu sprechen und auf eventuelle Folgen hinzuweisen.

Den Preis richtig einschätzen

Meist geht es nicht ohne die Schwacke-Liste, die seit 1957 für die Wertermittlung der Gebrauchtwagen steht. Mittlerweile sind über 30.000 Fahrzeuge inklusive Sonderausstattungen und Serieninhalten verfügbar, so dass sich sowohl Händler als auch Käufer von dem aktuellen Preis und Wert der Wagen überzeugen können. Als Privatverkäufer ist so die Gefahr verringert, den Wagen unter Wert zu verkaufen oder zu unrealistische Vorstellungen zu besitzen. Dabei verwendet Schwacke vier Kriterien:

  • Verhältnis von Menge der Angebote und durchschnittlicher Preis

  • Durchschnittspreise der Händler und Verkaufszahlen

  • Schriftliche Nachlässe und Finanzierungsbedingungen

  • Neuzulassung, Besitzwechsel, Standzeit und Fahrzeugbestand