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«Besorgt, aber nicht beunruhigt»: Die britische Königin Elizabeth II. sagte Kirchgang ab. Foto: Stringer
«Besorgt, aber nicht beunruhigt»: Die britische Königin Elizabeth II. sagte Kirchgang ab. Foto: Stringer
02.01.2017

Die Briten und die erkältete Queen

London (dpa) - Die Nachricht kam per Eilmeldung: Elizabeth II. kommt aus gesundheitlichen Gründen nicht zum Neujahrsgottesdienst. Die Queen habe eine schwere Erkältung und sei «noch dabei, sich zu erholen», teilte der Buckingham Palast mit.Es war der zweite wichtige Kirchgang, den die Königin um den Jahreswechsel absagte. Bereits am ersten Weihnachtsfeiertag hatten die Royals den Gottesdienst in der St. Mary Magdalene-Kirche auf dem Landsitz Sandringham ohne die Queen besucht.

Neben dem Terroranschlag in Istanbul bestimmte die Erkältung der Queen die Schlagzeilen in Großbritannien in den ersten Tagen des neuen Jahres. Kein Wunder, schließlich ist die britische Königin inzwischen 90 Jahre alt und hat seit fast 30 Jahren keinen Gottesdienst zu Weihnachten oder Neujahr mehr verpasst. Ohne triftigen Grund wäre sie nicht zu Hause geblieben, glauben Experten. Die Queen ist Oberhaupt der anglikanischen Kirche in England und gilt als sehr gläubig.

Doch bei aller Aufregung scheinen sich die Briten gleichzeitig nicht allzu viele Sorgen zu machen. Denn die Queen gilt auch als zäh und allein der Gedanke, sie könne ernsthaft krank sein, gleicht einem Sakrileg. Hört man sich in der britischen Hauptstadt um, ist vor allem Optimismus zu spüren. «Es sieht so aus, als würde sie das wegstecken», sagt etwa der 81-jährige Earnest Kirk, der zum Vögel füttern in den St. James's Park nahe des Buckingham Palasts gekommen ist. Der bekennende Royalist ist «besorgt, aber nicht beunruhigt», wie er sagt. «Wir haben doch alle mal eine Erkältung, und die Queen hat die besten Ärzte um sich.»

Auch die 68-jährige Joy Puritz, die mit Freundinnen nahe der königlichen Residenz spazieren geht, glaubt, dass die Queen bald schon wieder gesund sein wird. «Das ist ein hartnäckiger Virus, der gerade die Runde macht», sagt sie. Aber die Königin sei doch schon wieder auf den Beinen. «Ich glaube, sie war nur nicht in der Kirche, weil es nicht besonders majestätisch wirkt, wenn man dort die ganze Zeit husten muss». Natürlich wolle man den Gedanken, die Queen könne ernsthaft krank sein, nicht gerne an sich heranlassen, schaltet sich eine Freundin ein. Gerade in unsicheren Zeiten des Brexit sehne man sich nach dem Gefühl von Stabilität. «Ich will, dass sie so lange bei uns bleibt, wie möglich», sagt sie.

Auch der Palast bemühte sich, die Sorgen um den Gesundheitszustand der Queen zu zerstreuen. Die Königin lese schon wieder Regierungsdokumente, sagte eine Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur. «Es geht ihr gut». Die Tochter der Queen, Prinzessin Anne, ließ wissen, ihre Mutter sei auf dem Weg der Besserung. Und der 95-jährige Prinz Philip strahlte demonstrativ in die Kameras als er im strömenden Regen zum Kirchgang unterwegs war.

Den rüstigen Prinzgemahl hatte es auch kurzfristig erwischt, er hatte sich aber schnell wieder erholt. Das Paar hatte deshalb seinen Aufenthalt auf dem Landsitz Sandringham erst mit einem Tag Verspätung angetreten und reiste statt mit dem Zug im Hubschrauber in die knapp 200 Kilometer von London entfernte Grafschaft Norfolk.

Insgesamt war die Queen der BBC zufolge seit knapp zwei Wochen nicht mehr in der Öffentlichkeit zu sehen. Die Spekulationen werden wohl erst ein Ende haben, wenn sie sich wieder zeigt. Gelegenheit dazu gibt es genug: Obwohl der Palast vor kurzem ankündigte, die Queen wolle etwas kürzer treten, ist sie weiterhin Schirmherrin von rund 600 Organisationen.