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Die Auszeichnung im Blick: Jan Böhmermann (l) und Max Bierhals (Headautor). Foto: Guido Kirchner
Die Auszeichnung im Blick: Jan Böhmermann (l) und Max Bierhals (Headautor). Foto: Guido Kirchner
06.04.2019

Grimme-Preise: Ein Hauch von Hollywood in Marl

Marl (dpa) - Comedian Luke Mockridge (30) bekam gar nicht genug vom roten Teppich in Marl. Kaum war er am Ende angekommen, schob er sich durch das Gedrängel zum Anfang und ließ sich wieder und wieder fotografieren.Er scherzte mit den Fotografen und beantwortete geduldig die Fragen von Fans. «Es ist eine große Ehre, dabei zu sein, wenn die intellektuelle Elite ausgezeichnet wird», plauderte Mockridge locker am Freitagabend im westfälischen Marl. «Bildung ist wichtig. Ohne geht es nicht», mahnte er und verschwand endgültig zur Preisverleihung.

Schlag auf Schlag ging es im kleinen Stadttheater weiter. 16 Produktionen und herausragende Leistungen im Fernsehen wurden vom Grimme-Institut ausgezeichnet und ein Ehrenpreis verliehen. Zu den bekanntesten Gewinnern des Abends zählten Moderator Jan Böhmermann (38), Schauspielerin Maren Kroymann (69) und «Weltspiegel»-Moderatorin Isabel Schayani (52).

Schayani, die für ihre «Besondere Journalistische Leistung» ausgezeichnet wurde, erhielt vom Publikum im Saal den längsten und lautesten Applaus. Traditionell zeigt bei der Grimme-Gala ein kurzer Trailer die Arbeit jedes Preisträgers, bevor die Akteure auf die Bühne gebeten werden.

Die Jury lobte unter anderem ihren Besuch für den «Weltspiegel» im Ersten bei einem der größten Flüchtlingslager der Welt im Norden Kenias. Sie begleitet in dem Bericht eine 23 Jahre alte Mutter von vier kleinen Kindern, die versucht, ihre Familie durchzubringen. So würden aus anonymen Zahlen - 200.000 Menschen leben in dem Lager Kakuma - Gesichter und Geschichten.

Jan Böhmermann, der sich über seinen fünften Grimme-Preis freuen durfte, mied im Gegensatz zu Mockridge den roten Teppich. Der Moderator und sein Team erhielten die begehrte Auszeichnung in diesem Jahr für «Lass dich überwachen! - Die Prism Is A Dancer Show» (ZDF/ZDFneo). Darin wird der arglose Umgang mit persönlichen Daten im Internet thematisiert. Die Internet-Nutzer würden jedoch immer noch leichtsinnig Privates veröffentlichen, hieß es aus Böhmermanns Team, das für die Sendung «einfach schaut, was die Leute posten».

Neben den ernsten Themen stand aber auch die Unterhaltung im Mittelpunkt. Das Grimme-Institut belohnte wieder einmal die Serien: In der Kategorie Fiktion wurden «Hackerville» (HBO Europe/TNT Serie), «Bad Banks» (ZDF/Arte) und «Beat» (Amazon Prime Video) ausgezeichnet.

Bereits im vergangenen Jahr durfte Maren Kroymann (69) einen Grimme-Preis mit nach Hause nehmen. In diesem Jahr zeichnete die Jury sie erneut aus. Geehrt wurde sie für die Sketch-Comedysendung «Kroymann» (RB/SWR/NDR) Kroymann parodiert darin immer wieder sich selbst und ihren Beruf. Die Sendung sei wohltuend und setzte auf die leisen Töne, lobte die Jury.

Die Besondere Ehrung des Deutschen Volkshochschul-Verbands ging in diesem Jahr an den Fernsehsender Arte. «Bildungsfernsehen kann Spaß machen», lobte die Verbandspräsidentin und CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer. Die Ehrung wird Persönlichkeiten oder Institutionen zugesprochen, die sich in herausragender Weise um das Fernsehen verdient gemacht haben.

Der undotierte Grimme-Preis zählt zu den renommiertesten Auszeichnungen für deutsche Fernsehsendungen. Die Preise werden seit 1964 jährlich vom Grimme-Institut verliehen.