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Der tätowierte Nacken des Fußballspielers David Beckham. Foto: Filippo Monteforte
Der tätowierte Nacken des Fußballspielers David Beckham. Foto: Filippo Monteforte
23.06.2014

Haut als Leinwand: Mode oder Kunst?

Paris (dpa) Auf Fußballstar David Beckham zählte man mehr als 30 Tattoos, Prinzessin Stéphanie von Monaco zeigte sich mit einer Tätowierung auf dem Rücken - immer mehr Menschen lassen sich Tattoos stechen, unabhängig von sozialer Herkunft und Kulturraum.

Unter dem Titel «Tätowierer, Tätowierte» (Tatoueurs, tatoués) widmet sich das Pariser Museum Quai Branly dem zeitgenössischen Aspekt des Phänomens. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt: nur Mode oder Kunst? 

«Die Grenzen sind heute völlig aufgehoben. Früher hat man sich aus rituellen und sakralen Gründen tätowieren lassen oder als Zeichen dafür, dass man der Unterwelt angehört», sagt Luke Atkinson. Der gebürtige Engländer, der seit mehr als 20 Jahren in Stuttgart lebt und arbeitet, gehört neben Tin-tin, Jack Rudy, Xed LeHead und Horiyoshi III. zu den zeitgenössischen Star-Tätowierern.

Ihrer Kunst wird in der bis zum 18. Oktober laufenden Ausstellung viel Platz eingeräumt. Auf Silikonkörpern werden ihre Kreationen präsentiert. Von dem Schweizer Filip Leu, der in die Fußstapfen seines Vaters Felix getreten ist, werden wolkenähnliche Kompositionen gezeigt. Der Franzose Tin-tin spielt mit westlichen und asiatischen Motiven und bedeckt die weiblichen Formen der Silikonmodelle mit kunstvollen Rosen und Drachen.

Insgesamt werden 300 Exponate präsentiert, darunter Fotografien, Zeichnungen, Filme und Kunsthäute. Auch wenn der Schwerpunkt auf dem zeitgenössischen Aspekt liegt, geht der Parcours zunächst auf die Geschichte der Körperverzierung ein, die bis in die Prähistorie zurückreicht. Eine der frühesten Tattoos habe man auf der Gletscher-Mumie Ötzi gefunden. Tätowierungen wurden bei fast allen Völkern der Erde vorgenommen. Man tätowierte um zu heilen, zur Verehrung und Verherrlichung einer Gottheit wie in Asien und Lateinamerika oder zur sozialen Abgrenzung und Stigmatisierung von Sklaven im antiken Rom, Kriminellen und Prostituierten in der Neuzeit.

Dadurch werden Traditionen und Entwicklungen aufgezeigt. Eindeutige Stilrichtungen sind zu erkennen wie der Irezumi aus Japan, auch Horimono genannt, und der traditionelle Oldschool-Stil, Motive ehemaliger Seefahrer. Heute werden diese neu interpretiert. «Eine neue Tattoo-Ästhetik hat sich herausgebildet», sagte Anne, die Kuratorin und Mitbegründerin der Kunstzeitschrift «Hey».

Atkinson hat sich auf japanische Motive spezialisiert. Wie er heute seine Arbeit sieht? «Die Leute haben keine eigenen Ideen mehr. Sie lassen sich die Motive bekannter Persönlichkeiten nachmachen», bedauerte er. Das habe nicht mehr viel mit Kreativität zu tun. 

Er sieht sich deshalb eher als Kunsthandwerker. «Kunst bedeutet Kreativität und die Freiheit, das zu malen, was man will.» Anders sah das der 2002 verstorbene Félix Leu. Bereits in den 80er Jahren hatte er für sich und seine Zunft den Begriff des Künstlers beansprucht.   

 

 

Homepage von Atkinsons Tattoo-Studio