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12.09.2013

Neues Guinness-Buch: Stratosphärensprung und Ketchupschlürfen

Hamburg. Hände groß wie Bratpfannen, Fingernägel länger als ein Kleinbus oder die fröhliche Sechs-Zentner-Frau aus Kalifornien: Skurrile Rekorde, irre Leistungen, unglaubliche anatomische Werte. «Guinness World Records 2014» präsentiert und illustriert auf 275 Seiten Tausende Rekorde, darunter mehr als 90 aus Deutschland. Seit Donnerstag liegt das Kompendium der Superlative in den Buchläden.

Für Sultan Kösen wird die Luft da oben schon recht dünn - mit 2,51 Metern ist der Türke der längste lebende Mann der Welt. Damit ist der 30-Jährige fast fünfmal größer als der Kleinste: Chandra Bahadur Dangi aus Nepal haben 54,6 Zentimeter Körper-«Größe» allerdings nicht davon abgehalten, auf «Zwergentour» durch die weite Welt zu jetten. Der türkische Sultan hat auch die größten Hände: 28,5 Zentimeter vom Gelenk bis zu den Fingerspitzen. Handspanne 30,48 Zentimeter!

Stolz auf den längsten Bart eines lebenden Mannes darf der Kanadier Sarwan Singh sein: Wie lange die Pflege des über 2,495 Meter wallenden Gesichtshaares dauert, verrät das Guinness-Buch indes nicht. Bei Chris Walton dauert die Maniküre schon mal einen Tick länger: 6,019 Meter lang sind die Fingernägel der US-Amerikanerin. Die Kalifornierin Pauline Potter bringt 293,6 Kilo auf die Waage. Sie ist damit die schwerste lebende Frau, die ihr Gewicht von Ärzten bestätigen ließ.

Der aufsehenerregendste Weltrekord des vergangenen Jahres war zweifellos der Stratosphärensprung von Felix Baumgartner. Aus 39 Kilometern Höhe war der Österreicher am 14. Oktober mit teils mehr als 1340 Kilometern pro Stunde in die Tiefe gerauscht. Gleich zwei Seiten widmet die neue Ausgabe dem Extremsportler.

Längst nicht nur derart spektakuläre Rekorde haben es in diesem Jahr ins Buch geschafft. Benedikt Weber etwa stellte einen Rekord im Ketchupschlürfen auf. In 32,37 Sekunden leerte er mit Hilfe eines Strohhalms eine mit fast 400 Gramm gefüllte Flasche.

Julia Plecher schaffte einen Rekord auf High-Heels. Sie lief in Rust in Baden-Württemberg mit Stilettos 100 Meter in 14,5 Sekunden. Eine unglaubliche Leistung. Die schnellste Frau der Welt, die 1998 gestorbene US-Amerikanerin Florence Griffith-Joyner, legte die Distanz bei ihrem Weltrekord in 10,49 Sekunden zurück - aber in leichten und flachen Spikes.

Ausgerechnet der schnellste Mann der Welt hat es - zumindest mit einem «Weltrekord» - nicht mehr in die neue Ausgabe geschafft: Mit Jamaikas Sprintstaffel feierte Usain Bolt am 18. August in Moskau seinen achten Titel bei den Leichtathleten-Weltmeisterschaften. Und überholte in der ewigen WM-Wertung sogar «King» Carl Lewis (USA): Bolt hat nun wie Lewis zehn WM-Medaillen, auch acht goldene - aber eine Silberplakette mehr als der große Amerikaner.

Mit einem waghalsigen Auftritt hielt der Australier Chayne Hultgren die Zuschauer seines geglückten Rekordversuchs in Atem. Er fing beim Jonglieren auf einem Einrad in Peking achtmal eine Kettensäge auf - ohne sich dabei zu verletzen.

Und wie nur passen 20 Menschen in einen Smart? Cheerleader in den USA haben bewiesen, dass es geht. In Los Angeles quetschten sich 20 sehr gelenkige Mitglieder eines Cheerleading-Teams in den Kleinwagen.

Aber auch Tieren glückten Rekordversuche: So legte die Zwergziege Happie in Florida auf einem Skateboard 36 Meter in 25 Sekunden zurück. Die Warnung im Kleingedruckten ganz am Ende des Buches ist aber an die menschliche Spezies gerichtet: «Wir raten dringend von Rekordversuchen ab, die in irgendeiner Art und Weise die Gesundheit des Rekordlers oder anderer Beteiligter gefährden könnten.»

Dennoch bleiben Rekordjagden offenbar ein Volkssport: Rund 50 000 Rekordversuche wurden in der vergangenen Saison angemeldet, gut 4000 schafften es letztlich ins Buch. Das erste Guinness-Buch der Rekorde wurde 1955 veröffentlicht. Heute erscheint es in mehr als 100 Ländern und wird in 20 Sprachen übersetzt. In Deutschland wurden 2012 rund 283 000 Exemplare von der damals aktuellen Ausgabe verkauft, weltweit sind es jährlich über 2,7 Millionen Stück.