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Paula Modersohn-Becker, Mädchen in rotem Kleid vor Sonnenblume, 1907. Foto: Daniel Reinhardt
Paula Modersohn-Becker, Mädchen in rotem Kleid vor Sonnenblume, 1907. Foto: Daniel Reinhardt
02.02.2017

Paula Modersohn-Becker und der Weg in die Moderne

Hamburg (dpa) - Einen neuen Blick auf das Werk der Malerin Paula Modersohn-Becker (1876-1907) will das Bucerius Kunstforum in Hamburg bieten. Unter dem Titel «Paula Modersohn-Becker. Der Weg in die Moderne» zeigt die Schau rund 80 Werke, darunter auch weniger bekannte Gemälde und Zeichnungen der Künstlerin.«Eine Retrospektive war nicht beabsichtigt», erklären die Macher der Schau. Es gehe um eine konzentrierte Neubetrachtung der Arbeiten dieser Ausnahmekünstlerin, die ihr Werk in einer Zeit «zwischen zwei grundverschiedenen Künstlergenerationen: den Spätimpressionisten und den Expressionisten» schuf.

«Es galt, Paula Modersohn-Beckers exemplarischen Weg in die Moderne durch die Fokussierung auf ihre Bildmittel und Bildmethoden erlebbar zu machen», erklärt Kurator Uwe M. Schneede im Katalog zur Schau. Die Ausstellung konzentriere sich auf bestimmte Motive, die von der Künstlerin wieder aufgegriffen und neu formuliert wurden. Kinderbildnisse etwa spielten eine «ganz einzigartige Rolle». Vor allem an diesen Motiven entwickelte Modersohn-Becker in längeren Werkreihen eigene bildnerische Mittel.

Die Ausstellung mache deutlich, wie die Künstlerin alltägliche Motive aus ihrer Umgebung in Worpswede nutzte, um diese von Klischees befreit ihrem eigenen Modernitätsbegriff unterzuordnen, erläuterten die Veranstalter. «Ihren oftmals wiederkehrenden Motiven, darunter Kinder und Frauen, Selbstbildnisse, Stillleben und Landschaften, entzog sie alles Heimatliche, alle schmückenden Details und alles Genrehafte, um eine vereinfachte, allgemeingültige Formensprache zu finden.»

So widmet sich das Kunstforum neben den Kindermotiven auch den Landschaften, Stillleben und Worpswede. Auch ihr eigenes Konterfei diente der Künstlerin oft als Studien- und Testobjekt: Gesichtszüge bis ins Maskenhafte - durch Abdrucke und Übermalungen, etwa beim «Selbstbildnis in blauem, weiß gestreiften Kleid» (1906). Neben 60 Gemälden sind 20 Zeichnungen zu sehen, darunter Momentaufnahmen aus ihrer Zeit in Paris.

«Während Modersohn-Beckers eigenwilliger und avantgardistischer Stil zu ihren Lebzeiten als irritierend oder befremdlich empfunden wurde, gilt er heute als revolutionär und zukunftsweisend», betonten die Veranstalter, die mit der Schau eine Trilogie der Moderne im Bucerius Kunstforum 2017/2018 starteten. Für das Publikum geöffnet ist die Ausstellung vom 4. Februar bis zum 1. Mai.

Erst im Dezember war ein sensibles Künstlerporträt über Modersohn-Becker in die Kinos gekommen. Der Film «Paula - Mein Leben soll ein Fest sein» mit Carla Juri in der Titelrolle beleuchtet entscheidende Stationen aus dem Leben Malerin in Worpswede und Paris.