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Manfred Krug im März 2016 bei einem Auftritt in Wernigerode. Foto: Matthias Bein
Manfred Krug im März 2016 bei einem Auftritt in Wernigerode. Foto: Matthias Bein
27.10.2016

Schauspieler Manfred Krug mit 79 Jahren gestorben – bekannt durch Prozess in Region

Berlin/Bad Herrenalb. Der Schauspieler Manfred Krug ist tot. Er starb bereits am vergangenen Freitag im Alter von 79 Jahren im Kreis seiner Familie zuhause in Berlin. In der Region war der Mime zumindest umstritten. Nach angeblichen Schlägen gegen einen Autofahrer aus Bad Herrenalb stand er in den 90er Jahren in Calw vor Gericht. Die PZ bietet alle Artikel aus dem Archiv zum Download an.

Daran werden manche in der Region noch denken: Unschön war die Begegnung zwischen dem Schauspieler und einem ansäßigen Autofahrer in Bad Herrenalb. Beide waren mit dem Auto unterwegs und gerieten ob einer Meinungsverschiedenheit auf der Straße aneinander. In der Folge sollen auch die Fäuste geflogen sein. So zumindest die Anschuldigungen des Autofahrers. Vor Gericht gab Krug schließlich zu, den Mann beleidigt und bedroht zu haben. 25.000 Mark Strafe wegen Nötigung musste der aufbrausende Krug seinerzeit bezahlen. 

Der ganze Prozess um Krug im Überblick - alle Artikel aus dem PZ-Archiv:

PZ vom 20.02.1991

 
 
 
 
 
 
 
 
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Gefeiert wurde er dagegen für die Rolle des pfiffigen Dorfrichters Adam, die Krug in Heinrich Kleists Stück "Der zerbrochene Krug" im Remchinger Kurhaus darstellte.

Zu Krugs bekanntesten Rollen gehörten der unangepasste Zimmermann Hannes Balla im DDR-Film «Spur der Steine», der «Tatort»-Kommissar Paul Stoever für den NDR, der Anwalt in der Serie «Liebling Kreuzberg» und nicht zuletzt ein Truckerfahrer in «Auf Achse». Zuerst hatte die «Bild»-Zeitung online über Krugs Tod berichtet.

Bundespräsident Joachim Gauck würdigte Krug als einen der glaubwürdigsten und populärsten Schauspieler unserer Zeit. In einem Kondolenzschreiben an Krugs Frau Ottilie schrieb Gauck: «In vielen Rollen im Fernsehen, im Kino und auf der Bühne hat er uns in seiner wundervollen Art Schwächen und Stärken der Menschen vor Augen geführt.»

Krug sei zu Recht mit vielen Auszeichnungen geehrt worden - auch wenn er stets wenig Aufhebens darum gemacht habe. «Ihr Mann hat die Herzen der Menschen mit seiner Kunst auf einzigartige Weise erreicht», schrieb Gauck an Ottilie Krug.

Der Schauspieler, Autor und Musiker wurde 1937 in Duisburg geboren und kam als Kind 1949 in die DDR. 1977 ging er nach seinem Protest gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann wieder in den Westen. Im April 2013 erhielt der in Ost wie West erfolgreiche Künstler das Bundesverdienstkreuz.

Krug war einer der populärsten Film- und Fernsehschauspieler in der DDR und hatte 1976 die Protestresolution zahlreicher DDR-Künstler gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns unterzeichnet. Eine seiner Paraderollen hatte er als aufmüpfig-anarchistischer Baubrigadier in «Spur der Steine». Der 1965 gedrehte Film von Frank Beyer war in der DDR nicht lange in den Kinos und lag dann mehr als 20 Jahre im Giftschrank.

Zuletzt war es stiller geworden um den erfolgreichen Schauspieler. Krug hatte sich anders als viele Kollegen mit dem Rentenalter aus dem Schauspielgeschäft zurückgezogen, war aber weiter als Musiker aktiv. Er war ein Multitalent, nicht nur ein knorriger Schauspieler, sondern auch Buchautor und Sänger.

Krug hatte eine Ausbildung als Stahlschmelzer gemacht. Aber er sagte einmal über sich, er sei «als Schauspieler auf die Welt gekommen». In frühen Jahren verehrte er besonders Hollywoods Star-Cowboy Gary Cooper.

Krug, der vier Kinder hinterlässt, hatte viel zu erzählen. In der DDR war er der «Tausendsassa der DEFA-Filme», wo er in den Babelsberger Studios seit 1961 unter Vertrag stand. Später war er im Westen das liebenswerte und auch manchmal ruppige «Raubein, das von drüben kam», wie ihn Zeitungen nannten.

Von 1969 bis 1973 wurde er in der DDR mehrmals zum Publikumsliebling gewählt. Später fand er auch in der Bundesrepublik - nach einigen Anlaufschwierigkeiten und Ängsten - den beruflichen Anschluss: Hier ermittelte er von 1984 bis 2001 als brummiger wie musikalischer und regelmäßig singender «Tatort»-Kommissar Stoever im Duo mit Charles Brauer in Hamburg.

Als «Liebling Kreuzberg» spielte er den populären Anwalt, der ein Herz für die kleinen Leute hat. Im ARD-Vorabendprogramm war Krug jahrelang der abenteuerlustige Truckerfahrer, der weltweit «Auf Achse» war.

Gesundheitliche Warnhinweise wie ein Schlaganfall 1997 in seiner Berliner Wohnung, von dem er sich ironischerweise in einer Rehaklinik auf dem Gelände der einstigen «SED-Bonzensiedlung» Wandlitz erholte, hatte Krug denn doch nicht ganz ignorieren wollen. Es wurde in den vergangenen Jahren stiller um ihn - bis auf seine musikalische Ausflüge als Jazzinterpret und Chansonsänger («Es steht ein Haus in New Orleans») an der Seite von Sängerin Uschi Brüning.

Roswitha Schreiner, die Krugs TV-Tochter Sarah in «Liebling Kreuzberg» spielte, reagierte tief betroffen. «Ich muss mich erstmal sortieren, es geht mir unheimlich nah. Er war mein Fernsehpap», sagte sie Focus Online. «Er hatte Rückgrat. Er stand ein für seine Überzeugungen. Er war unkorrumpierbar und geradlinig. Das haben die Zuschauer bewusst oder unbewusst gespürt. Deshalb war er so beliebt.»

Schauspieler Michael Kausch, der in «Liebling Kreuzberg» den Rechtsanwalt Giselmund Arnold spielte, sagte dem Sender SWRinfo zum Tod von Krug: «Es berührt mich schon mehr, als ich es im Augenblick ausdrücken kann.» Geschätzt habe er die Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit von Krug - auch wenn der Schauspieler ein schwieriger Mensch gewesen sei. «Er war ziemlich impulsiv und aufbrausend und auch sehr ungerecht gegenüber Mitarbeitern. Was er gedacht hat, das hat er einfach losgepoltert. Aber was ich immer geschätzt habe, war, dass er überhaupt keine Taktik gefahren ist.»

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) reagierte mit Betroffenheit auf die Nachricht von Krugs Tod. «Wir verdanken diesem großartigen Schauspieler viele unterhaltsame und anregende Stunden», erklärte Müller. «In jeder Rolle war Krug unverkennbar, er war ein Typ, den man nicht vergessen konnte. Seine große Leistung liegt darin, dass er erst in Ost, dann in West und schließlich in ganz Deutschland ein Star geworden ist.»

Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel sagte in SWRinfo, Krug sei einer der wenigen Künstler gewesen, der nach einer Karriere in der DDR auch im damaligen Westdeutschland den Durchbruch geschafft habe. «Dass er im Osten schon eine Kultfigur war, ist die eine Seite. Die andere Seite ist die, dass er dann eben im Westen als einer der ganz wenigen es geschafft hat, seine Qualität durchzusetzen und weiterhin oben zu bleiben.»  

Manfred Krug: Sein Leben in Stichpunkten