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Abgehoben: Svetlana Zacharova. Foto: Jens Kalaene
Abgehoben: Svetlana Zacharova. Foto: Jens Kalaene
02.02.2019

Semperopernball: Walzerklänge und Alpenrock

Dresden (dpa) - Eines wird schon beim Gang über den roten Teppich klar: Die Farbe des Abends ist blau. Viele weibliche Gäste des Semperopernballs in Dresden defilieren am Freitagabend in blauen Roben über den Laufsteg.Tausende Schaulustige lassen sich auch von Kälte und später von Nieselregen nicht abhalten und wollen einen Hauch vom Glanz mitbekommen. Auch wenn sie mit Bommelmütze und dickem Anorak eher nicht wie Ballgäste aussehen. Der Semperopernball in Dresden hat ein Stammpublikum auch außerhalb der Oper. Tausende strömen jedes Jahr auf den Theaterplatz um mitzufeiern, wenn sich drinnen die Gäste im warmen Scheinwerferlicht sonnen.

«Faszination Dresden - Träume werden wahr»: So hatte Ball-Impresario Hans-Joachim Frey das Motto für den 14. Semperopernball formuliert. Draußen vor dem Prachtbau versuchten gleich mehrere Moderatoren, das Publikum beim «Open-Air-Aall» bei Laune zu halten. Moderatorin Mareile Höppner wurde direkt am roten Teppich platziert, um Prominente auf dem Weg in die Oper abzufangen.

Spätestens im Gespräch mit Alpenrocker Andreas Gabalier wurde Höppner schwach. Der trug zum Smoking-Oberteil sein Markenzeichen - eine Lederhose. «Das sind die Waden des Abends. Ich dreh durch», bekannte die Moderatorin offenherzig.

Wenig später ging es dann spektakulär los. Eine Debütantin des Balles schwebte aus luftiger Höhe auf einer Mondsichel sitzend auf dem Theaterplatz ein, während ein Feuerwerk den Himmel über der Semperoper erleuchtete. Im Inneren des Opernhauses begrüßten derweil die Moderatoren Sylvie Meis und Roland Kaiser die Ballgäste.

Traditionell werden zu Beginn des Abends die Ballorden verliehen. Der undotierte St. Georgs Orden ist die Nachbildung eines Schmuckstückes aus dem Grünen Gewölbe. Er zeigt neben dem lateinischen Spruch Adverso Flumine («Gegen den Strom») das Bildnis des Heiligen Georg zu Pferde und soll damit den Kampf für das Gute symbolisieren.

Aus diesem Grund werden jedes Jahr Menschen ausgezeichnet, die sich in vielfältiger Weise in der Gesellschaft engagieren. Besonders die Würdigung von Fürst Albert II. von Monaco dürfte in Erinnerung bleiben. Der Fürst hatte mit Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und dem früheren Bob-Olympiasieger Harald Czudaj gleich zwei Laudatoren. Während von der Leyen das Umweltengagement des Fürsten lobte - des ersten Staatsoberhauptes, das am Nordpol und Südpol weilte -, übernahm Czudaj die sportliche Würdigung. Fürst Albert II. hatte als Bobfahrer an fünf olympischen Winterspielen teilgenommen. Czudaj, der oft sein Kontrahent war, duzte Seine Durchlaucht wie früher an der Bobbahn üblich und verriet auch, wie man im Fahrerlager Stürze des Fürsten nannte: «Prinzenrolle.»

Vor allem im künstlerischen Teil konnte das Programm glänzen. Mit dem Tenor José Carreras, der georgischen Opernsängerin Nino Machaize im Duett mit dem Brasilianer Attala Ayan und der russischen Primaballerina Svetlana Zacharova bot der Semperopernball Stars auf. Vor allem Zacharova zog die Zuschauer als sterbender Schwan aus dem «Karneval der Tiere» von Camille Saint-Saëns in ihren Bann. Die Staatskapelle Dresden sorgte unter Leitung des Italieners Massimo Zanetti für den richtigen Sound. Der Dresdner Kreuzchor sang als Dank für José Carreras den Abba-Hit «Thank you for the music».

Das Publikum musste allerdings lange warten, ehe es selbst auf das Parkett durfte. Die Debütanten hatten erst nach dreieinhalb Stunden - eine halbe Stunde vor Mitternacht - ihren Auftritt. Wenig später eröffnete der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) mit seiner Lebensgefährtin den Ball. Er soll in diesem Jahr noch eine weitere Auflage erleben: Am 31. August gastiert der Semperopernball erstmals in Dresdens Partnerstadt St. Petersburg. Dafür wurde am Freitag schon fleißig die Werbetrommel gerührt.