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Besucher fahren nach der Eröffnung des weltweit größten Zentrums für darstellende Künste unter einem Dach in der südtaiw
Besucher fahren nach der Eröffnung des weltweit größten Zentrums für darstellende Künste unter einem Dach in der südtaiwanesischen Hafenstadt Kaohsiung auf einer Rolltreppe nach oben. Der Komplex hat
13.10.2018

Taiwan eröffnet größtes Kulturzentrum unter einem Dach

Kaohsiung (dpa) - Das weltweit größte Zentrum für darstellende Künste unter einem Dach ist in der südtaiwanesischen Hafenstadt Kaohsiung eröffnet worden. Der Komplex hat eine überdachte Fläche von 141.000 Quadratmetern - soviel wie 20 Fußballfelder.Zehntausende Menschen strömten am Samstag zur feierlichen Eröffnung, an der auch Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen teilnahm. Das umgerechnet 300 Millionen Euro teure Zentrum wurde vom niederländischen Architektenbüro Mecanoo entworfen. Es liegt in einem Park der Drei-Millionen-Metropole, der auf einem ehemaligen Militärstützpunkt entstanden war.

Das nach dem früheren Trainingscamp «Weiwuying» benannte Zentrum beherbergt ein Opernhaus, ein Schauspielhaus, eine Kammermusikhalle, ein Amphitheater und eine Konzerthalle mit der größten Orgel Asiens. Die Doppelanlage mit einer symphonischen und einer klassischen Orgel stammt aus dem Hause des traditionsreichen deutschen Orgelbauers Klais in Bonn. Während die geschwungene Dachkonstruktion des Zentrums den Baumkronen der Wälder der im tropischen Südtaiwan weit verbreiteten Banyan-Feigen nachempfunden sind, sieht der Orgelprospekt mit seinen 9085 Pfeifen wie Bambusgehölz aus.

«Heute ist Kaohsiung für seine industrielle Entwicklung bekannt», sagte Präsidentin Tsai bei der Eröffnung. «In Zukunft wird es auch eine berühmte Kulturstadt werden.» Francine Houben vom Architekturbüro Mecanoo beschrieb das Zentrum als ein Symbol für den Wandel der industriell geprägten, drittgrößten Stadt der demokratischen Inselrepublik zu einer modernen, kulturellen Metropole in Asien. Es sei «eines unserer ehrgeizigsten Gebäude».

Kunstdirektor ist der bekannte taiwanesische Dirigent Chien Wen-Ping, der seit 1996 als Kapellmeister an der Deutschen Oper am Rhein tätig ist. «Weiwuying mit seinen außergewöhnlichen Einrichtungen gibt uns die Gelegenheit, zu experimentieren - mutig und innovativ zu sein und verschiedene Dinge auszuprobieren», sagte Chien, der schon 2006 in Taiwan erstmals im chinesischen Sprachraum den kompletten «Ring der Nibelungen»-Zyklus von Richard Wagner aufgeführt hatte - mit mehrheitlich taiwanesischen Sängern.

«Was ausländische Besucher in Weiwuying erleben können, ist die Leidenschaft für Theater, Tanz, Spektakel und Musik, die in Taiwan überall zu finden ist», sagte der 50-Jährige Chien, der einst auch Musikdirektor der Philharmoniker Taiwans war. «Ich habe in meinem Land und der weiteren Region enormes Talent beobachtet und freue mich, ein Sprungbrett zu bieten, von dem Talente abheben können.»

Taiwan, das auf Platz 22 der größten Wirtschaftsnationen weltweit steht, hat ein reiches Kulturleben. Das Cloud Gate Tanztheater ist international berühmt und hat mit der Balletttruppe von Pina Bausch in Wuppertal und anderen in der Welt zusammengearbeitet. Schon früh fängt die musikalische Ausbildung an. Viele taiwanesische Kinder lernen ein klassisches Instrument. Die Insel hat ein lebendiges Theater. International bekannte Regisseure wie der Oscar-Gewinner Ang Lee oder Hou Hsiao-Hsien und Tsai Ming-liang stammen aus Taiwan.

Bei der Eröffnungszeremonie dirigierte Kunstdirektor Chien einen gemeinsamen Auftritt von Musikern des Nationalen Symphonieorchesters und des Khaosiung Symphonieorchesters mit Werken taiwanesischer Komponisten, wobei auch schon die deutsche Orgel mit ihren 127 Registern voll zum Einsatz kam. Das Publikum jubelte, und Experten waren begeistert von der Akustik. Der Dirigent des Chinesischen Orchesters von Kaohsiung, Kuo Che-Chen, sagte, die Konzerthalle lasse sich mit anderen Stätten von Weltklasse vergleichen.

Zu den ersten ausländischen Orchestern, die in Kaohsiung auftreten werden, gehören im November die Berliner Philharmoniker unter Gustavo Dudamel mit Werken von Leonard Bernstein und Gustav Mahler.