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Die US-Schauspielerin Meryl Streep mit einem ihrer Golden Globes. Foto: Paul Buck
Die US-Schauspielerin Meryl Streep mit einem ihrer Golden Globes. Foto: Paul Buck
06.12.2016

Trophäen-«Buzz» in Hollywood

Los Angeles (dpa) - Eine Preisträgerin steht schon fest: Hollywood-Liebling Meryl Streep (67, «Die Eiserne Lady») wird in dieser Saison ihre Sammlung um mindestens eine Trophäe vergrößern.Bei der Golden-Globe-Gala Anfang Januar erhält sie den Cecil B. DeMille-Ehrenpreis, das gab der Verband der Auslandspresse schon vorab bekannt. Doch heimst die Verwandlungskünstlerin kommende Woche noch dazu ihre 30. Globe-Nominierung ein?

Die dreifache Oscar- und achtfache Golden-Globe-Gewinnerin könnte in dieser Saison mit der biografischen Komödie «Florence Foster Jenkins» in der Rolle einer untalentierten Opernsängerin weitere Preise anhäufen.

Die Golden Globe Awards sind die wichtigsten Filmpreise nach den Oscars. Die Nominierungen für die Globes werden am 12. Dezember verkündet, die Preisverleihung geht am 8. Januar zum 74. Mal über die Bühne.

Nichts ist richtig sicher in dieser Preissaison, in der zig Filme und Darsteller mit reichlich Kritikerlob ins Rennen gehen. Anders als vor einem Jahr, als Leonardo DiCaprio mit «The Revenant» schon früh als sicherer Gewinner galt. Oder 2010, als «Blind Side»-Star Sandra Bullock als klare Favoritin gehandelt wurde und am


Ende Oscar-und Globe-Gold nach Hause holte.

Diesmal ist der «Trophäen-Buzz» - das Getuschel und Rätselraten über die Favoriten - umso spannender. Unter den «Frontrunnern» ist die nostalgische Musical-Romanze «La La Land» mit Ryan Gosling und Emma Stone als verliebtes Paar in Los Angeles, von den New Yorker Filmkritikern kürzlich zum besten Film des Jahres gekürt.

Natalie Portman hatte schon im September beim Filmfest in Venedig als «Jackie» viel Applaus bekommen. Der Film des Chilenen Pablo Larraín über die Präsidenten-Witwe Jackie Kennedy nach dem Attentat auf John F. Kennedy könnte der «Black Swan»-Darstellerin den zweiten Oscar einbringen. Auch Isabelle Huppert («Elle»), Amy Adams («Arrival») und Annette Bening («20th Century Women») werden hoch gehandelt.

In der Männer-Riege sticht Casey Affleck (41), der jüngere Bruder von Oscar-Preisträger Ben Affleck, heraus. Sein bewegender Auftritt in dem Familiendrama «Manchester by the Sea» brachte ihm schon Kritiker-Preise ein. Als Oscar-würdige Mitstreiter werden der tanzende Ryan Gosling («La La Land») und Tom Hanks als traumatisierter Pilot «Sully» gehandelt. 

Mit «Loving», «Moonlight» und «Fences» machen in dieser Saison drei Independent-Filme Furore, die das Schicksal schwarzer Menschen beleuchten. Der zweifache Oscar-Preisträger Denzel Washington tritt bei dem 50er-Jahre-Drama «Fences» über einen schwarzen Arbeiter als Regisseur und als Hauptdarsteller in Aktion.

Bei der letzen Oscar-Show war die Entrüstung groß, nachdem die Filmakademie zum zweiten Mal hintereinander keine Schwarzen in den vier begehrten Schauspielerkategorien der weltweit wichtigsten Filmpreisverleihung nominiert hatte. Die Academy reagierte auf die massive Kritik und kündigte «historische Maßnahmen» an, die Vielfalt in den eigenen Reihen zu verstärken.

Spannend wird die Preis-Saison auch für die deutsche Regisseurin Maren Ade. Ihre Vater-Tochter-Geschichte «Toni Erdmann» geht für Deutschland in das Rennen um den Globe und den Oscar. Der letzte deutsche Film, der offiziell für den Auslands-Oscar nominiert wurde, war 2010 «Das weiße Band» von Michael Haneke. 2007 holte der Stasi-Film «Das Leben der Anderen» von Florian Henckel von Donnersmarck Gold nach Deutschland.

«Ich freue mich sehr, dass die Jury "Toni Erdmann" ins Oscar-Rennen schickt und bin gespannt, wie Toni sich in Los Angeles so benimmt», sagte Regisseurin Ade im August, als die Wahl in Deutschland auf ihren Film fiel. Seither hat sich Toni in den USA recht gut benommen. Die Filmkritiker in New York kürten ihn Anfang Dezember zum besten Auslands-Film des Jahres.

Zugleich schaffte es «Toni Erdmann» bei den Critics' Choice Awards in die Sparte «Bester nicht-englischsprachiger Film», neben «Elle» (Frankreich), «Die Taschendiebin» (Korea), «Julieta» (Spanien), «Neruda» (Chile) und «The Salesman» (Iran). Diese Kritiker-Preise werden am 11. Dezember im kalifornischen Santa Monica vergeben - einen Tag vor den Golden-Globe-Nominierungen.