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Solisten und der Chor in einer Szene der Oper «The Circle». Foto: Candy Welz
Solisten und der Chor in einer Szene der Oper «The Circle». Foto: Candy Welz
05.05.2019

Viel Applaus für Dave Eggers' «The Circle» in Weimar

Weimar (dpa) - Die erste Opern-Version des Bestseller-Romans «The Circle» hat bei der Uraufführung im Deutschen Nationaltheater Weimar viel Applaus geerntet. Die Oper von Komponist Ludger Vollmer, der Tiina Hartmann auch beim Libretto unterstützte, bleibt eng am 2013 erschienenen Buch von Dave Eggers.Der US-Erfolgsautor kam eigens für die Inszenierung aus San Francisco und wurde nach dem Vorstellungsende am Samstagabend auf die Bühne geholt. Zuvor hatte er bei einem öffentlichen Gespräch erklärt, wie geehrt er sei, dass sein Buch als wichtig genug erachtet wurde, um es zur Oper zu machen. Das sei ein Novum für ihn. Hollywood verfilmte den Stoff um die Macht einer Internetfirma, Überwachung und soziale Kontrolle mit Emma Watson.

Erzählt wird die Geschichte einer jungen Frau (Sayaka Shigeshima), die bei einem allmächtig erscheinenden Internetkonzern Karriere macht. Die Oper spitzt - wie auch das Buch - gesellschaftliche Entwicklungen im digitalen Zeitalter wie etwa totale Überwachung und Optimierungsdrang zu, bis sie in Katastrophen enden.

Die Oper ist ein Auftragswerk des Deutschen Nationaltheaters Weimar (DNT). Es habe eine Weile gedauert, um die Rechte dafür zu erhalten, sagte Vollmer. Bei einem Treffen gab Eggers schließlich grünes Licht. «Ich schreibe immer Opern zu brennenden Themen», erklärte Vollmer. Auch Fatih Akins Filmdrama «Gegen die Wand» über eine Scheinehe machte er zur Oper. «Meine Opern sind für Regisseure durch schnelle Dramaturgie und viele Szene immer anstrengend», sagte Vollmer. Filmschnitttechnik inspiriere ihn.

«The Circle» unter der Regie von Andrea Moses und musikalischer Leitung von Kirill Karabits nutzt viele Video- und Projektionselemente. Beispielsweise werden persönliche Daten der Figuren wie Alter, Nationalität oder Beziehungsstatus eingeblendet oder Live-Videos vom Geschehen aus Kameras der Darsteller übertragen. «Auch die Oper muss sich weiterentwickeln. Man kann ja nicht immer auf Wagner hängen bleiben», sagte ein Zuschauer am Samstagabend.

Eggers sieht seine Dystopie derweil längst von der Realität überholt: «Es ist deutlich schlimmer, als ich mir das vor fünf Jahren gedacht habe», sagte er. Er verwies etwa auf ein geplantes System, mit dem China seine Bürger und deren Verhalten bewerten will und von dessen Punktestand etwa ein Job abhängig sein soll. Auch Datenschutzskandale von Facebook nannte er und erinnerte daran, dass es zu den meisten Plattformen Alternativen gebe.

In der Oper sieht sich der «Circle» genannte Großkonzern irgendwann als gottgleiche Instanz. Mitarbeiter und Nutzer huldigen sektenhaft den Köpfen des Konzerns, das wird auch in den Kostümen und der Musik aufgegriffen. Gefolgt wird Regeln wie «Teilen ist Heilen» oder «Alles Private ist Diebstahl».

Bei aller Gesellschaftskritik hat die Oper durchaus komische Momente. Auch Eggers erzählte beim Gespräch eine Pointe: «Ich mache mich genau der schrecklichen Sachen schuldig, vor denen ich andere zu warnen versuche.» Er habe sich nämlich bei der Autofahrt vom Flughafen nach Weimar blind auf das Navigationsgerät verlassen, das habe ihm prompt einen zweistündigen Umweg beschert.