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Angelique Kerber muss nach ihrer Erstrundenniederlage schon früh die Koffer packen.
Kerber © dpa
19.01.2015

Australian Open: Kerber und Lisicki scheitern früh

Angelique Kerber wirkte ratlos, Sabine Lisicki trotzig. Eine richtige Erklärung für ihre desaströsen Auftritte zum Auftakt der Australian Open hatten die beiden großen deutschen Tennis-Hoffnungsträgerinnen aber nicht.

Lisicki ließ sich nach der 6:4, 4:6, 2:6-Niederlage gegen die Französin Kristina Mladenovic fast zwei Stunden Zeit, ehe sie Rede und Antwort stand, Kerber wollte das unangenehme Prozedere am Montag sofort nach ihrem kuriosen 4:6, 6:0, 1:6 gegen die Rumänin Irina-Camelia Begu hinter sich bringen.

Weil auch noch das vielversprechende Talent Annika Beck (Bonn), Qualifikantin Tatjana Maria (Bad Saulgau) und Anna-Lena Friedsam (Andernach) frühzeitig scheiterten, endete Tag eins beim ersten Grand-Slam-Spektakel der neuen Saison für die deutschen Damen mit Ernüchterung statt Euphorie. Einzig die Siege der beiden Norddeutschen Julia Görges (Bad Oldesloe) und Carina Witthöft (Hamburg) dienten Bundestrainerin Barbara Rittner als Seelenbalsam.

Auch bei den Herren lief es Down Under nicht besser. Nur Philipp Kohlschreiber setzte sich gegen den Franzosen Paul-Henri Mathieu 6:2, 6:2, 6:1 durch und steht nun vor einer Revanche gegen den Australier Bernard Tomic. In Sydney hatte der 31 Jahre alte Augsburger zuletzt eine klare Niederlage kassiert. Tobias Kamke, Jan-Lennard Struff und Dustin Brown dagegen bestanden ihre Auftaktprüfungen nicht. Am Dienstag haben nun Andrea Petkovic, Mona Barthel, Benjamin Becker, Peter Gojowczyk, Matthias Bachinger und Tim Pütz die Chance, die Bilanz für die anfangs 17 Profis starke Delegation zu schönen.

«Es war einer meiner schlechtesten Tage», sagte die an Nummer neun gesetzte Kerber am Tag nach ihrem 27. Geburtstag und dem bizarren Auftritt in der Margaret-Court-Arena. Im ersten Satz bewegte sich die Linkshänderin schlecht, traf kaum einen Ball vernünftig und war extrem nervös. Den zweiten entschied die deutsche Nummer eins mit 6:0 für sich - und ging im finalen Durchgang regelrecht unter gegen die Nummer 42 der Welt, die sich sonst eher auf Sandplätzen wohlfühlt.

«So etwas passiert, aber es ist schade, dass es bei einem Grand Slam passiert», sagte Kerber. Sie wusste auch keine bessere Interpretation ihres unerwarteten Scheiterns und ihrer ersten Erstrunden-Pleite bei einem der vier wichtigsten Turniere seit Wimbledon 2011 als diese: «Wenn es an einem Tag gar nicht läuft, dann läuft's einfach nicht.»

Sehr wenig lief auch bei ihrer Fed-Cup-Kollegin Lisicki zusammen. Vor den Augen ihres Lebensgefährten Oliver Pocher und ihres neuen Trainers Christopher Kas unterliefen der so aufschlagstarken 25 Jahre alten Berlinerin neun Doppelfehler und insgesamt 39 einfache Fehler.

«Natürlich ist es sehr enttäuschend. Man arbeitet die ganze Offseason, und dann klappt es nicht», sagte Lisicki und kündigte schon ein wenig trotzig an: «Morgen wird wieder trainiert und an den Dingen gearbeitet.» Partout wollte die Wimbledon-Finalistin von 2013 auch keine Inhalte zur Zusammenarbeit mit Kas verraten. «Es steht eine Vereinbarung, aber über Verträge spricht man nicht», sagte Lisicki, die das Engagement ihres früheren Mixed-Partners zuvor nur in einem deutschen Sport-Magazin öffentlich verkündet hatte.

Nach einigen Irrungen und Wirrungen mit ihrer Trainerwahl soll nun also der ehemalige Doppelspezialist dafür sorgen, dass die «Lockerheit, die Freude und der Humor» zurückkehren, betonte Lisicki, die in dieser Saison auch nach dem dritten Turnierauftritt noch sieglos ist und außerhalb Wimbledons zuletzt bei fast jedem der anderen drei großen Turniere enttäuschte. «Ich brauche Matchtraining, um mehr Ruhe zu finden und nicht in Panik zu geraten», sagte Lisicki.

Bei all den negativen Schlagzeilen gingen die beiden erfreulichen deutschen Damen-Auftritte fast ein wenig unter. Görges zeigte beim 6:2, 6:1 gegen die Schweizerin Belinda Bencic jedenfalls ihre stärkste Leistung seit sehr langer Zeit, Witthöft gelang gegen die an Nummer 17 gesetzte Spanierin Carla Suárez Navarro mit dem 6:3, 6:1 sogar das beste Spiel ihrer Karriere, wie die 19-Jährige sagte.

Zum ersten Mal steht Witthöft nun bei einem Grand Slam in der zweiten Runde und formulierte selbstbewusst: «Es geht ja jetzt weiter. Das Turnier ist erst zu Ende, wenn man verloren hat.» Für acht der elf gestarteten deutschen Profis galt das schon nach dem ersten Tag.