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Brasiliens Star Neymar jubelt nach seinem Tor gegen Paraguay. Foto: Nelson Antoine
Brasiliens Star Neymar jubelt nach seinem Tor gegen Paraguay. Foto: Nelson Antoine
29.03.2017

Brasilien kann WM-Quartier buchen

São Paulo (dpa) - Brasilien hat sich als erste Nationalmannschaft neben Gastgeber Russland für die Fußball-WM 2018 qualifiziert. Erzrivale Argentinien hingegen muss ohne den gesperrten Lionel Messi immer stärker um die Teilnahme bangen.In São Paulo kam die Seleção am 14. Spieltag der Südamerika-Gruppe zu einem souveränen 3:0-Erfolg gegen Paraguay. Mit nun 33 Punkten kann das Team nicht mehr von einem sicheren Qualifikationsplatz verdrängt werden. Argentinien muss nach einer 0:2-Pleite in Bolivien als Fünfter dagegen zittern. Die ersten vier der Südamerika-Gruppe qualifizieren sich direkt für die WM, der Fünfte muss in den Playoffs gegen ein Team aus Ozeanien antreten.

Brasilien qualifizierte sich aber erst nach Ende der eigenen Partie. Nachdem in Lima wenig später Peru Uruguay mit 2:1 schlug, stand fest, dass der fünfmalige Weltmeister das Russland-Ticket vier Spieltage vor Schluss sicher hat, da unter anderem die direkten Konkurrenten Argentinien und Uruguay Ende August noch gegeneinander spielen.

Die Tore für das von dem erneut starken Kapitän Neymar angeführte Brasilien erzielten Coutinho (34. Minute), Neymar (64.) und Marcelo (86.). Neymar konnte sich sogar den Luxus erlauben, einen Elfmeter zu verschießen. In der 53. Minute scheiterte der Star des FC Barcelona an Paraguays Torwart Anthony Domingo Silva. Für Brasilien setzt sich damit der Höhenflug unter Trainer Tite fort - der Nachfolger des zuvor recht glücklosen Dunga holte acht Quali-Siege in acht Spielen. Als er im Juni 2016 übernahm, stand Brasilien noch auf Platz sechs.

«Danke, Vater im Himmel», sagte Tite nach dem entscheidenen Erfolg Perus. Er will die Zeit nun vor allem zum Testen weiterer Spieler nutzen - das Team ist in der Form eines Titelkandidat. Ganz anders ist die Lage für den zweifachen Weltmeister Argentinien. Vor 42 000 begeisterten Zuschauern im 3600 Meter hoch gelegenen La Paz schlug Bolivien die Albiceleste mit 2:0. Zunächst traf Juan Arce per Kopf (31.) nach Vorarbeit des starken Pablo Escobar. In der 52. Minute erhöhte Marcelo Moreno Martins aus kurzer Entfernung auf 2:0.

Argentinien rutschte mit 22 Zählern hinter Brasilien (33), Kolumbien (24), Uruguay (23) und Chile (23) von Platz drei auf fünf ab. Hinter Argentinien lauern zudem Ecuador (20), Peru (18) und Paraguay (18). Bolivien bleibt trotz des Sieges Vorletzter der 10er-Gruppe, die im Modus Jeder gegen Jeden spielt. Kolumbien mit einem starken James Rodríguez (Real Madrid) gewann 2:0 in Ecuador (Tore: James; Juan Cuadrado). An Argentinien zog auch Chile mit Arturo Vidal vom FC Bayern vorbei. Beim 3:1 gegen den Letzten Venezuela trafen Esteban Paredes (2) und Alexis Sánchez. Salomón Rondón traf für die Gäste.

Messi war wenige Stunden vor der Partie vom Fußball-Weltverband FIFA wegen der Beleidigung eines Linienrichters im vorangegangenen Qualifikations-Spiel gegen Chile (1:0) für vier Spiele gesperrt worden. Der Star des FC Barcelona war als moralische Unterstützung mit angereist und musste auf einem Fernseher in der Kabine mit ansehen, wie die spielerisch limitierten Bolivianer das Spiel machten und sich viele Chancen erarbeiteten. Die Mannschaft mit vielen in Europa spielenden Stars von Trainer Edgardo Bauza tat sich sichtlich schwer in der Höhenluft. Bauza muss nun um seinen Job bangen - er betonte aber: «Wir leben noch.» Man werde sich am Ende qualifizieren.

Der FC Barcelona nannte die Sperre gegen Messi «unfair und komplett unverhältnismäßig» Messi kann nur noch beim letzten Spiel gegen Ecuador dabei sein. Auch Boliviens Präsident Evo Morales, der den Sieg im Stadion miterlebte, kritisierte die lange Sperre: «Meine Solidarität gilt dem besten Fußballspieler der Welt.» Es war aber nicht Argentiniens schlimmste Pleite in La Paz. Unter Trainer Diego Maradona verlor das Team 2009 1:6 - Messi stand damals auf dem Platz.

«Messi ist niedergeschlagen und traurig, wie wir alle hier», hatte Teammanager Jorge Miadosqui vor der Partie betont. Er sprach von einer unverhältnismäßigen Sperre. «Sie haben nicht nur Messi die Beine abgeschnitten, sondern der ganzen Nationalmannschaft», sagte Miadosqui - er spielte damit auf eine ähnliche Redewendung Diego Maradonas an, der wegen Dopings bei der Fußball-WM 1994 in den USA ausgeschlossen worden war. Messi wurde bei der schmerzhaften Niederlage in La Paz durch Ángel Correa von Atlético Madrid ersetzt. Der argentinische Fußballverband will die FIFA-Sperre anfechten.