nach oben
Peter Bosz ist der neue Cheftrainer von Borussia Dortmund. Foto: Ina Fassbender
Peter Bosz ist der neue Cheftrainer von Borussia Dortmund. Foto: Ina Fassbender
07.06.2017

Coach Bosz beim BVB unter Erfolgsdruck

Dortmund (dpa) - Schwarzgelb mit ein wenig oranje - Peter Bosz will die Dortmunder Fußball-Philosophie mit niederländischer Spielkultur bereichern.Der neue BVB-Coach gilt als großer Verehrer von Johan Cruyff, der sowohl als Spieler als auch als Trainer den «Voetbal total» kultiviert hatte. Wie wird sich der BVB unter der Regie von Bosz aufstellen? Gibt es Parallelen zu seinen Vorgängern Jürgen Klopp und Thomas Tuchel? Welchen Einfluss hat er auf das Personal?

SPIELSYSTEM: Als niederländischer Fußball-Lehrer favorisiert Bosz ein 4-3-3-System. Ähnlich wie Pep Guardiola und Tuchel legt er großen Wert auf Ballbesitz. Besonders wichtig ist ihm jedoch, dass verloren gegangene Bälle möglichst schnell zurückerobert werden. In Amsterdam rief er dafür eine Fünf-Sekunden-Regel ins Leben. Das kommt dem Pressing-Fußball von Klopp nahe.

PERSONAL: Die Ideen von Bosz und der Kader von Borussia scheinen kompatibel. Schon in der Zeit unter Tuchel überzeugte die Borussia mit ansehnlichem Angriffsfußball. Schnelle und dribbelstarke Außen wie Marco Reus und Ousmane Dembélé genießen bei Bosz höchsten Stellenwert. BVB-Sportdirektor Michael Zorc sieht zumindest in sportlicher Hinsicht Parallelen zu Tuchel und nannte das Spielsystem «nicht unähnlich»: «Peter Bosz steht für frischen Offensivfußball, attackierend, aber auch mit Elementen, die wir hier kennen und die die Fans sehen wollen.»

CHARAKTER: Als pflegeleicht gilt auch Bosz nicht. Das dokumentiert sein unharmonischer Abschied von Ajax Amsterdam. Und doch sieht die BVB-Spitze in ihm einen Teamplayer. «Es wurde in den Gesprächen schnell deutlich, dass Peter bereit ist, sich komplett einzulassen auf den BVB. Neben seinen eigenen Ideen will er auf bekannte Abläufe und Strukturen zurückgreifen», sagte Zorc. Diese Aussage kann als rhetorische Spitze gegen Tuchel gewertet werden.

PERSONAL: Besonders großen Einfluss auf die Kaderplanung dürfte Bosz nicht mehr haben. Mit Ömer Toprak (Leverkusen), Mahmoud Dahoud (Mönchengladbach), Dan-Axel Zagadou (Paris St. Germain) und Maximilian Philipp (Freiburg) hat der BVB bereits vier Profis für die kommende Saison verpflichtet. Sollte Pierre-Emerick Aubameyang nach Paris wechseln, käme möglicherweise noch ein Torjäger hinzu. Bosz bestritt, dass er in diesem Fall den 19 Jahre alten Mittelstürmer Kasper Dolberg aus Amsterdam mitbringen will.

SAISONZIELE: Der Frage nach einem Saisonziel ging Bosz bei seiner Vorstellung am Dienstag bewusst aus dem Weg. «Ich will erfolgreich sein und guten Fußball spielen lassen», lautete seine wenig konkrete Antwort. Schmunzelnd fügte er an: «Die richtigen Ziele werden wir noch besprechen.»

Dennoch ist es nicht schwer zu prognostizieren, was von ihm erwartet wird. Etabliert sich der BVB in der Bundesliga nicht mindestens unter den ersten drei Clubs, könnte Tuchels Schatten lang werden. Dem Bosz-Vorgänger gelangen mit seinen Profis die direkte Qualifikation für die Champions League, der Viertelfinaleinzug in der europäischen Königsklasse und der DFB-Pokalsieg. Mit 2,12 Zählern weist er zudem den besten Punkteschnitt aller bisherigen BVB-Trainer auf. Das ist für Bosz eine schwere Hypothek.