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Noch in der Wechselzone hatte Sebastian Kienle Probleme mit seinem Rad und musste offenbar das Hinterrad wechseln. Danach hatte er über fünf Minuten Rückstand auf die Spitze.
Noch in der Wechselzone hatte Sebastian Kienle Probleme mit seinem Rad und musste offenbar das Hinterrad wechseln. Danach hatte er über fünf Minuten Rückstand auf die Spitze. © dpa
Da war für Sebastian Kienle die Welt noch in Ordnung: Beim Schwimmen lief es für ihn besser als gewohnt.
Da war für Sebastian Kienle die Welt noch in Ordnung: Beim Schwimmen lief es für ihn besser als gewohnt. © dpa
14.10.2018

Deutscher Sieg mit Streckenrekord beim Ironman Hawaii - Drama um Sebastian Kienle

Kailua-Kona. Es ist vollbracht: Zum fünften Mal in Folge hat ein Deutscher den Ironman auf Hawaii gewonnen. Für Sebastian Kienle aus Mühlacker endete das Rennen dagegen mit einer traurigen Premiere.

Patrick Lange hat erneut die Ironman-Weltmeisterschaft gewonnen. Der 32 Jahre alte Triathlet und Vorjahresgewinner aus dem hessischen Bad Wildungen blieb am Samstag nach 3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen in 7:52 Stunden als erster Athlet bei der WM auf Hawaii unter der magischen Acht-Stunden-Marke - und machte direkt nach dem Zieleinlauf seiner Freundin einen Heiratsantrag. Mit den Sieger-Kränzen auf dem Kopf und um den Hals ging er vor íhr im Zielbereich auf die Knie. Überrascht, aber ebenfalls überglücklich nickte sie zustimmend mit dem Kopf!

Lange siegte vor dem Belgier Bart Aernouts (7:56:41 Stunden) und dem Briten David McNamee (8:01:09). Bei den Frauen landete einmal mehr Daniela Ryf ganz oben - und das ebenfalls in einer Rekordzeit! Die Schweizerin benötigte als erste Frau für diese Strecke unter achteineinhalb Stunden. Nach 8:26:20 Stunden hatte sie ihren vierten Hawaii-Triumph erreicht. Auf Platz zwei landete die Britin Lucy Charles. Die Deutsche Anne Haug holte den dritten Platz mit einer Zeit von 8:41:58 Stunden.

Sebastian Kienle war vorzeitig ausgestiegen. Der 34 Jahre alte Triathlet aus Mühlacker beendete das Rennen kurz nach dem Radfahren mit einer Fußverletzung, wie auf seinem Twitter-Account erklärt wurde.

Kienle war nach einem für seine Verhältnisse guten Schwimmen über 3,86 Kilometer am Samstag in Kailua-Kona nach einem Defekt gleich zu Beginn der 180,2 Kilometer langen Radstrecke mehrere Minuten hinter die Spitze zurückgefallen und konnte den Rückstand auf dem Rad nicht wettmachen.

Auf den Zeitlisten gab es für Kienle nach den ersten 0,3 Kilometern der Laufstrecke keine Angaben mehr. Er stoppte mit Achillessehnenproblemen gut einem Kilometer der 42,2 Kilometer langen Schlussdisziplin. Ein Foto des «Triathlon Magazine» bei Twitter zeigte Kienle, wie er sich auf dem Asphalt sitzend die linke Achillessehne hielt. Er hatte vor dem Rennen bereits über entsprechende Probleme berichtet.

Nach Sebastian Kienle 2014 und Jan Frodeno 2015 und 2016, der wegen einer Verletzung nur als Experte und Zuschauer beim 40. Ironman auf Hawaii war, sorgte Lange für den fünften deutschen Sieg im Triathlon-Mekka nacheinander. Neben Lange und Frodeno konnte auch Normann Stadler (2004 und 2006) zweimal auf Hawaii gewinnen, als erstem Deutschen war Thomas Hellriegel 1997 WM-Platz eins gelungen, 2005 gewann Langes jetziger Trainer Faris Al-Sultan.

«Ich hatte nicht das beste Schwimmen, wie man gesehen hat, aber danach lief es unglaublich gut», sagte Lange. Über zwei Minuten nach dem Australier Josh Amberger und auch dem zunächst drittplatzierten Kienle-Trainingspartner Maurice Clavel war Lange in die Wechselzone nach der ersten Disziplin gekommen. «Patrick war nicht mit dabei, habe ich mich schon ein bisschen geärgert», sagte Langes Trainer, der 2005er-Weltmeister Faris Al-Sultan im ZDF. Denn Kienle, der schwächere Schwimmer, lag nur fünf Sekunden hinter Lange. Binnen kurzer Zeit und einigen weiteren Kilometern auf dem Rad änderten sich die Vorzeichen aber schlagartig. Für Kienle war der achte Auftritt auf Hawaii gelaufen, noch bevor es richtig ernst wurde. In seiner Paradedisziplin wollte der Mann aus Mühlacker attackieren, einen Vorsprung von 10 Minuten plus X Minuten auf den Super-Läufer Lange rausfahren. Ein Defekt am Hinterrad machte den Plan zunichte, die körperliche wurde auch zur sicht- und spürbaren mentalen Qual. «Eine schwere Zeit», kommentierte Trainer Lubos Bilek.

Andere Deutsche fuhren neben Lange auf den 180,2 Kilometern vorn mit, darunter auch der 30-jährige Freiburger Clavel, der sich beim Ironman im April in Südafrika als Dritter für die WM qualifiziert hatte. Und der 29 Jahre alte Lichtenfelser Lange-Teamkollege Andreas Dreitz, dessen gleichmäßig-druckvollen Tritt der alte und neue Champion auch clever nutzte, um zu Beginn des zweiten Teilabschnitts die Lücke zu den erwarteten «Überradfahrern» nicht zu groß werden zu lassen. «Patrick macht das Bombenrennen», lobte Frodeno als Experte für das ZDF. Denn Rivalen wie der Australier Cameron Wurf, der seinen Radrekord vom Vorjahr in 4:09:36 Stunden noch einmal um mehr als drei Minuten bei fast windfreien Bedingungen verbesserte, waren keine Gegner, wenn es um den Sieg nach insgesamt 226 Kilometern ging und jetzt erst Langes Part kam. Kappe falsch herum auf dem Kopf, immer wieder neue Wasserschwämme zur Kühlung unter dem Anzug - Lange rannte los und die Konkurrenz wie vor einem Jahr in Grund und Boden.

2016 hatte er in 2:39:45 Stunden bereits den bis dahin schnellsten je bei einer WM auf Hawaii gelaufenen Marathon hingelegt, als er Dritter geworden war. 2017 stellte er bei einem Sieg erstmals den Streckenrekord auf. Diesmal machte Lange auf den ersten 8,5 Kilometern neun Plätze gut, nach 16 Kilometern überholte er auch noch Wurf und übernahm erstmals im Rennen die Führung im Rennen. Wurf, einst als Ruderer bei Olympia und auch ehemaliger Radprofi, klatschte den Deutschen respektvoll ab. 26 Kilometer später war der erneute Triumph perfekt.