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Andries Jonker, der neue Trainer des VfL, bei seiner Vorstellung in Wolfsburg. Foto: Boris Baschin
Andries Jonker, der neue Trainer des VfL, bei seiner Vorstellung in Wolfsburg. Foto: Boris Baschin
27.02.2017

Ex-Assistent Andries Jonker soll Wolfsburg retten

Wolfsburg (dpa) - Nur gelegentlich huschte dem Überraschungs-Trainer Andries Jonker ein kleines Lächeln übers Gesicht. Meist schaute der vom VfL Wolfsburg als Retter geholte Niederländer skeptisch bis ernst.«Die aktuelle Situation ist, dass wir ein kleines Problem lösen müssen», sagte der 54 Jahre alte Nachfolger von Valérien Ismaël bei seiner Präsentation. Fern jeder Ironie bedeutet das: Der Fußball-Bundesligist steckt ganz tief im Abstiegskampf und versucht es nun mit dem dritten Coach der laufenden Saison.

Not macht erfinderisch - jetzt soll der frühere VfL-Assistent von Felix Magath, Lorenz-Günther Köstner und Dieter Hecking die Wolfsburger retten. Mit dieser ebenso mutigen wie unerwarteten Entscheidung vollendete der Volkswagen-Club seinen zweiten Trainerwechsel und verwunderte damit auch Jonker selbst. «Ich habe nie damit gerechnet, dass ich Wunschkandidat bin», gab der frühere Co-Trainer zu. «Als die Anfrage kam, war das sehr überraschend.»

Erst spät in der Nacht zum Montag gab es das Okay vom FC Arsenal, wo Jonker zuletzt die Nachwuchs-Akademie leitete. «Die haben mir keine Zeit gelassen», sagte der neue Coach zur VfL-Anfrage: «Es musste ganz, ganz schnell gehen.» Jonker hatte kaum Bedenkzeit: «Es war nur eine Stundensache, nicht einmal eine Tagessache.»

Seit seinem Abschied aus Wolfsburg hat er zwar mit dem ein oder anderen Kontakt gehalten, aber viel gesehen hat er zuletzt nicht vom VfL. Vielleicht besser so, womöglich hätte er es sich sonst noch anders überlegt. «Du hast wirklich keine Zeit als Nachwuchsleiter bei Arsenal dich um andere Vereine zu kümmern», erklärte Jonker: «Ich habe mir keine Spiele des VfL anschauen können.»

Das Entscheidende hat er «auf der anderen Seite der Nordsee» dennoch mitbekommen. «Ich habe mit großem Erstauen verfolgt, wie die Mannschaft immer weniger geleistet hat», sagte Jonker zur sportlichen Talfahrt der vergangenen Wochen. 

Der Niederländer kennt zwar noch einige Spieler aus seiner Zeit als Assistent, aber nun muss er sich «erstmal ein Bild von der Mannschaft machen, danach gibt es Arbeit». Wie die genau aussieht verriet er noch nicht: «Aus dem was ich sehe, werde ich meinen Plan machen.»  Nur so viel: «Die fangen heute alle bei null an.»

Auch Sportchef Olaf Rebbe verriet nicht alles. Die Frage, ob der bis 2018 laufende Vertrag auch in der 2. Liga gelte, beantwortete der Manager nicht. Zum achten Trainerwechsel in der laufenden Erstliga-Saison sagte Rebbe lieber: «Jonker war unsere Wunschlösung. Es ist eine Lösung, die uns kurz- und auch mittelfristig helfen kann.»

Jonker arbeitete von 2012 bis 2014 für den VfL als Co-Trainer und bringt nun Uwe Speidel und den früheren Arsenal-Star Fredrik Ljungberg als Assistenten mit. Fußballfans kennen Jonker auch als Co-Trainer des FC Bayern München, den er 2011 nach dem Aus von Louis van Gaal als Interimstrainer in die Champions League führte.

«Es gibt nur wenige Vereine, die die Möglichkeiten haben, wie der VfL. Es ist Riesenherausforderung, hier zu arbeiten», sagte der Niederländer, dem Arsenal-Coach Arsène Wenger per sms viel Glück für seine neue Aufgabe wünschte.

Nun soll Jonker den erschreckenden Abwärtstrend der Wölfe stoppen. Der vor zwölf Monaten noch in der Champions League spielende Erstligist kämpft gegen den Abstieg und holte zuletzt unter Ismaël in 15 Spielen nur 16 Punkte. Als 14. der Tabelle liegen die Wolfsburger  nur zwei Punkte vor dem Relegationsplatz.