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DFB-Präsident Reinhard Grindel kündigte Gespräche mit aktiven Fußball-Fans an. Foto: Guido Kirchner
DFB-Präsident Reinhard Grindel kündigte Gespräche mit aktiven Fußball-Fans an. Foto: Guido Kirchner
17.08.2017

Fans und Forscher begrüßen Grindel-Vorstoß

Berlin (dpa) - Die Interessenvertretung aktiver Fußball-Fans «Unsere Kurve» hat den Vorstoß von DFB-Präsident Reinhard Grindel begrüßt, in Zukunft auf Kollektivstrafen verzichten zu wollen.«Das ist ein deutliches und positives Signal in Richtung Gesprächsbereitschaft», sagte Jochen Grotepaß aus dem Sprecherrat des Zusammenschlusses der Deutschen Presse-Agentur.

Er sprach von einem «klugen Schachzug» Grindels, der zur Deeskalation beitragen könne. Auch die Organisation «ProFans» hatte sich überwiegend positiv zum Vorschlag des DFB-Chefs geäußert.

Tags zuvor hatte Grindel in einer Mitteilung des Deutschen Fußball-Bundes dem DFB-Kontrollausschuss empfohlen, «bis auf Weiteres darauf zu verzichten, Strafen zu beantragen, die unmittelbare Wirkung auf Fans haben, deren Beteiligung an Verstößen gegen die Stadionordnung nicht nachgewiesen ist.» Grindel hatte gesagt: «Wir wollen für diesen Zeitraum keine Sanktionen wie die Verhängung von Blocksperren, Teilausschlüssen oder "Geisterspielen".»

Grindel sei «ein cleverer Mensch», sagte Grotepaß. «Er schiebt den Ball Richtung aktive Fans.» Die Anhänger seien nun gefordert, ihrerseits positiv zu reagieren. Man müsse allerdings auch «erstmal abwarten, ob es wirklich keine Kollektivstrafen mehr gibt.» «ProFans»-Sprecher Sig Zelt hatte gesagt: «Es gibt bei uns immer noch Skepsis. Aber wenn es so ein Signal gibt, wollen wir Herrn Grindel gern beim Wort nehmen.»

Grotepaß plädiere bei Gewalttaten dafür, klar identifizierbare Täter ihrer Strafe zuzuführen. «Ich wehre mich aber dagegen, pauschal eine Gruppe zu verurteilen, nur weil man die Täter nicht identifizieren kann.»

Auch Hannover-96-Sportchef Horst Heldt unterstützt einen Verzicht. «Abzusehen von Kollektivstraßen ist, glaube ich, erstmal ein Zeichen in die richtige Richtung», sagte Heldt. Es sei aber auch schwierig, Schuldige zu identifizieren, um sie zu bestrafen. «Alle Vereine, und auch 96, haben die größten Bemühungen, Bestrebungen gehabt, Täter zu ermitteln. Das ist aber nicht so einfach, wie man sich das immer vorstellt.»

Wie Grotepaß beurteilt auch der Bielefelder Gewaltforscher Andreas Zick den Vorschlag des DFB-Chefs positiv. Er sieht eine neue Chance zu einem möglicherweise fruchtbaren Dialog mit Ultra-Fangruppen. «Das Dialogangebot ist richtig, weil es kein einfaches Gesprächsangebot ist, sondern mit einem ersten Schritt verbunden ist, dem Verzicht auf Kollektivstrafen», sagte Zick der Zeitung «Neue Westfälische».

Der Leiter des Instituts für Sozialisation und Konfliktforschung an der Universität Bielefeld schlägt vor, dass der mögliche neue Dialog mit professioneller und kompetenter Hilfe von außen moderiert werden solle. Zudem müsse eine genaue Analyse her, was hinter den Konflikten stecke und wo positive Möglichkeiten der Selbstregulation lägen.

«Ich hoffe grundsätzlich immer, dass Fußball friedlich ist. Dass auch Familien und Kinder ins Stadion können», sagte Hannes Wolf, der Trainer von Erstliga-Aufsteiger VfB Stuttgart.