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Die Spieler des Hamburger SV gaben sich volksnah. Foto: Daniel Bockwoldt
Die Spieler des Hamburger SV gaben sich volksnah. Foto: Daniel Bockwoldt
10.05.2018

HSV macht mobil mit Volksfest - Wolfsburg will «kein Trara»

Hamburg (dpa) - Volksfest am Hamburger Volkspark, betonte Ruhe in Wolfsburg. Vor dem Bundesliga-Fernduell um den Klassenverbleib mit dem VfL Wolfsburg hat der HSV am Himmelfahrtstag seine Anhängerschaft mobilisiert.Statt wie donnerstags üblich unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu trainieren, lud der Dino ausdrücklich zum Zuschauen ein. Die Fans kamen in Scharen und sorgten trotz akuter Abstiegsgefahr für Stimmung. «Das war eine richtig tolle Aktion. Sie hat gezeigt, dass die Mannschaft es geschafft hat, die Fans abzuholen», schwärmte HSV-Trainer Christian Titz.

Der große Hoffnungsträger betrat als Letzter den Trainingsplatz und wurde noch mehr beklatscht und gefeiert als seine Spieler. «Ich habe immer betont, dass es wichtig ist, den zwölften Mann zu haben. Wir werden jetzt noch stärker in das letzte Saisonspiel gehen», meinte Titz. Das zeige die große Leidenschaft in der Stadt. Davon kann Amtskollege Bruno Labbadia nur träumen. In Wolfsburg regieren Häme und Spott: Stadion-Gesänge wie «Wir steigen ab und kommen nie wieder, aber wir haben Bruno Labbadia», haben längst die Runde gemacht.

«Gänsehaut im vollen Volkspark», twitterte hingegen der HSV, denn am Donnerstag waren rund 2000 Trainings-Kiebitze erschienen. Dank Titz ist die Stimmung in Hamburg gewaltig umgeschlagen. Dessen mutige Spielidee und die Hinzunahme von Nachwuchskickern haben den früher erfolglos und pomadig agierenden HSV die letzte Chance auf den Klassenverbleib überhaupt erst ermöglicht. Das wird honoriert. Die Hoffnung auf das Happy End einer miesen Saison ist unter dem früheren U21-Erfolgscoach erwacht.

Die Ausgangslage ist eindeutig: Der HSV (28 Punkte) muss am Samstag (15.30 Uhr) zum Saisonfinale sein Heimspiel gegen die noch auf die Europa-League-Teilnahme hoffenden Gladbacher gewinnen und zugleich auf eine Heimpleite des VfL (30) gegen den bereits als Absteiger feststehenden Tabellenletzten 1. FC Köln (22) hoffen. Dann würde er zum dritten Mal innerhalb von fünf Jahren in die Relegation gehen, in der am 17. und 21. Mai der Zweitliga-Dritte Holstein Kiel wartet.

Bereits am Dienstag hatten sich die HSV-Profis eine nette Geste einfallen lassen. «Die Mannschaft gibt jedem von euch eine Kugel Eis aus», verkündete Kapitän Gotoku Sakai den knapp 200 versammelten Zuschauern. Zwei Tage später trainierten sie dann vor vollem Haus. Dicht gedrängt verfolgten die Kiebitze die Übungen der Profis, bei denen nur der erkrankte Jungstürmer Fiete Arp fehlte.

Nordrivale Wolfsburg hat dank seines Zwei-Punkte-Vorsprungs zwar die bessere Ausgangsposition, doch nach nur einem Sieg unter dem im Februar geholten Labbadia ist die Stimmung deutlich schlechter. Am Donnerstag trainierten die «Wölfe» nicht öffentlich, anders als in Hamburg erschienen nur ein paar Unentwegte am Trainingsgelände. «Wir wollen bewusst kein Trara, wir wollten einfach nicht viel ändern», verteidigte Labbadia das Festhalten am Vorbereitungsprozedere.

«Heute wollten wir uns speziell auf Köln vorbereiten. Und das ging so am besten», meinte Labbadia, der Riechedly Bazoer (Meniskus-OP) ersetzen muss. Bis Freitagmittag gab Labbadia seinen Kickern frei. «Es gibt noch mal fast einen ganzen Tag zur Erholung. Es ist auch wichtig, den Nachmittag noch mal mit den Familien zu verbringen», sagte Labbadia, der fest an die VfL-Rettung glaubt. «Ich weiß genau, was zu tun ist. Ich konnte diese Situationen eigentlich immer meistern.» 2014/15 bewahrte «Retter Bruno» den HSV vor dem Abstieg, diesmal kann er den Dino erstmals in die 2. Liga stürzen.