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Johannes Lochner (l-r) mit Joshua Bluhm und Francesco Friedrich mit Thorsten Margis stehen im Zielbereich der Bobbahn zu
Johannes Lochner (l-r) mit Joshua Bluhm und Francesco Friedrich mit Thorsten Margis stehen im Zielbereich der Bobbahn zusammen. Foto: Peter Kneffel
26.02.2017

Historisch: Lochner/Friedrich im Viererbob zeitgleich

Königssee (dpa) - Das ohnehin schon breite Siegerpodest war für acht Pfundskerle einfach zu klein. Erstmals in der 93-jährigen Geschichte der Königsklasse Viererbob wurden mit Johannes Lochner und Francesco Friedrich zwei Piloten mit ihren Teams zeitgleich Weltmeister.Auch der deutsche Dreifach-Triumph ist einmalig in der Männer-Bobszene. Denn der Drittplatzierte Nico Walther krönte nach einer furiosen Aufholjagd das Heimspiel am Königssee. «Ein sensationelles Szenario, doch bei den Siegprämien wird es ein teurer Spaß», meinte Sportdirektor Thomas Schwab vom Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD).

«Ein wunderschönes Geschenk, aber es gibt auch Themen wie beim Material, die man tagtäglich mit ins Bett nimmt. Wir sind im Olympia-Zyklus aber im Soll», sagte Cheftrainer René Spies nach seinem WM-Debüt und betonte: «Wir haben drei sehr gute Piloten, der Konkurrenzkampf bei uns ist enorm - und das beflügelt alle.»

Nach einem gigantischen Finale am Sonntag waren die beiden Dauerkontrahenten Lochner und Friedrich - beide 26 Jahre alte, beide im Wallner-Schlitten unterwegs - glücklich über das goldene Remis. «Punktlandung, das war das Beste, was passieren konnte. So tut mir die Hundertstelsekunde, die ich verloren habe, nicht weh. Wir sind beide Weltmeister, das gab es noch nie, also perfekt», meinte Friedrich, der mit seinem ersten WM-Double ein weiteres Kapitel Sportgeschichte schrieb: «Der Vierer-Titel ist eine Ecke mehr wert, es ist schwerer, da muss alles passen. Doch wir haben für Olympia noch viel zu tun.»

Auch Europameister Lochner war nach überstandener Grippe überglücklich: «Das ist der Wahnsinn, hier auf meiner Heimbahn so ein saugeiles Finale zu erleben.» Es war ein Duell auf höchstem Niveau. Lochner legte am Samstag im ersten Lauf mit Matthias Kagerhuber, Joshua Bluhm und Christian Rasp vor und schraubte seinen eigenen Bahnrekord auf 48,26 Sekunden. Doch die Kampfansage von Friedrich kam im zweiten Lauf mit Bestzeit. Drei Hundertstel trennte beide Piloten zur Halbzeit.

Im dritten Durchgang ging plötzlich Friedrich mit seinem am Start stärkeren Team Candy Bauer, Martin Grothkopp und Thorsten Margis um eine Hundertstelsekunde in Führung. «Das war unser Plan, Franz ist fokussiert und fährt es nach Hause», sagte Margis. Im Finallauf verlor er die Hundertstel zwar wieder, konnte dennoch jubeln.

Wie ein Häufchen Elend saß der EM-Zweite Walther nach Lauf eins im Zielbereich auf einer Bande und ärgerte sich über seine missratene Fahrlinie auf der langen Geraden. Sein Bob schlitterte quer durch die entscheidende Passage hinunter. Dabei hätte er mit einer ordentlichen Fahrt voll im Bereich von Lochner mitfahren können, was der ehemalige Junioren-Weltmeister im Rodeln dann im zweiten Lauf bewies. Am zweiten Tag kam dann sein Angriff. «Yeeees, was für eine Aufholjagd. Für Gold hätte ich wohl noch zwei weitere Tage gebraucht», meinte Walther nach einem turbulenten Wochenende schmunzelnd.

Nun fährt das Bobteam zur internationalen Trainingswoche und zum Weltcup-Finale nach Pyeongchang. Der viermalige Zweierbob-Weltmeister Friedrich kann als Weltcupführender noch die Kristallkugel im kleinen Schlitten gewinnen. Doch das intensive Materialtesten steht im Mittelpunkt. «Das werden Wochen mit sehr viel Arbeit für uns. Wir haben ein intensives Testprogramm und müssen dann auch zu Schlüssen kommen. Über Arbeit können wir uns nicht beschweren», meinte Spies.