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Sebastian Vettel durfte nach dem Sieg in Brasilien die Trophäe in die Höhe stemmen. Foto: Andre Penner
Sebastian Vettel durfte nach dem Sieg in Brasilien die Trophäe in die Höhe stemmen. Foto: Andre Penner
13.11.2017

Jetzt muss es auch in Abu Dhabi klappen: Vettel im Aufwind

São Paulo (dpa) - Endlich konnte Sebastian Vettel den langen Flug zurück in die Heimat wieder mit einem guten Gefühl antreten und sich beim verdienten Sieger-Drink zurücklehnen.Nach zermürbenden Misserfolgen und Tiefschlägen wirkte der Sieg beim Großen Preis von Brasilien wie der ersehnte und dringend benötigte Stimmungsaufheller für das gesamte Ferrari-Team und wie ein neuer Schub für den Angriff auf die WM-Krone in der nächsten Formel-1-Saison. «Wir haben ein bisschen viel auf die Mütze bekommen in den vergangenen Wochen», sagte Vettel: «Ich widme den Sieg allen an der Strecke und an der Basis in Maranello. Sie arbeiten so hart und es war nicht fair, was da auf sie eingeprasselt ist.»

Jetzt muss nur noch das Finale in zwei Wochen in Abu Dhabi ähnlich erfolgreich verlaufen; ein Hoch nach einem verpassten Titel hat schon Landsmann Nico Rosberg den Schwung für den Triumph im darauffolgenden Jahr verliehen. Nichts anderes zählt für Vettel und Ferrari. Der 30 Jahre alte Heppenheimer wartet seit dem Ende seiner Ära mit Red Bull 2013 auf den nächsten Titel, Ferrari sogar seit 2007.

Und es geht allen voran im Duell mit Lewis Hamilton für Vettel darum, wer von beiden (als erster) den fünften Titel holt und damit zu Juan-Manuel Fangio aufschließt und sich weiter Rekordweltmeister Michael Schumacher (7 Titel) nähert. Dafür will sich auch der Brite wieder in Stimmung bringen. Mehr als gut war sie allerdings schon nach seiner sensationellen Aufholjagd vom Start in der Boxengasse bis auf Platz vier. In orangener Jogging-Hose, T-Shirt in Batik-Optik und kariertem Hemd im Holzfäller-Style konnte er über seine denkwürdig missratene Quali schon wieder lachen. Hamilton schwärmte von seiner berauschenden Aufholjagd, bei der er den Motor so ausgequetscht habe wie nie zuvor und kündigte an: «Ich werde alles geben in Abu Dhabi.»

Seinen ungewöhnlichen Fehler in der Qualifikation, der ihm den letzten Startplatz im ersten Rennen als viermaliger Weltmeister eingebrockt hatte, wird er als Mahnung mitnehmen in die nächste Saison, in der es womöglich enger wird und die WM-Entscheidung nicht schon im drittletzten Rennen fällt. «Es ist einfach kein Platz für Fehler, wenn man der Beste sein will. Aber es kommt vor und es gehört zum Wachstumsprozess», sagte Hamilton und verabschiedete sich.

Bis zum 20. und letzten Duell Vettel vs. Hamilton in diesem Jahr stehen für den 62-maligen Grand-Prix-Gewinner Termine in Los Angeles, in der Mercedes-Fabrik in England und in New York an. Vettel dürfte sich ein paar Tage Ruhe in seiner Schweizer Wahlheimat gönnen. Dass Teamkollege Kimi Räikkönen es als Dritter auch noch aufs Podest schaffte, verstärkte die Zuversicht bei der Scuderia. Ferraris zuletzt öffentlich auch gegen seine Piloten grantelnder höchster Boss Sergio Marchionne dürfte erstmal wieder ein bisschen besänftigt sein. Von einem «Sieg der Wehmut» schrieb die «Gazzetta dello Sport»: «Der Alleingang von Vettel tröstet die Roten.»

Keine gute Laune wollte bei Räikkönens finnischem Landsmann Valtteri Bottas von Mercedes aufkommen. Er fügte sich zu Saisonbeginn als Neuling im Team zunächst in seine Rolle, machte sich dann selbst Hoffnungen auf den WM-Titel, als es gut bei ihm lief. Seit dem neunten Saisonlauf konnte der 28 Jahre alte Finne aber schon nicht mehr gewinnen, diesmal verspielte Bottas seine Siegchancen als Pole-Mann gleich am Start gegen Vettel, der seinen 47. Grand-Prix-Sieg und den dritten Erfolg in Brasilien feiern wollte. «Eine weitere Flagge, die wir in Maranello aufhängen können», sagte der Heppenheimer spürbar erleichtert und machte sich auf zum Flughafen von São Paulo.