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Erleichtert: Kölns Milos Jojic (l) bejubelt seinen Treffer zum 5:2 gegen Borissow. Foto: Maris Becker
Erleichtert: Kölns Milos Jojic (l) bejubelt seinen Treffer zum 5:2 gegen Borissow. Foto: Maris Becker
03.11.2017

Kölner Spieler «endlich mit Lächeln zu Frauen»

Köln (dpa) - Die Erlösung war regelrecht greifbar: Der erste Sieg in einem Europacup-Spiel seit 25 Jahren hat beim 1. FC Köln für große Emotionen gesorgt.Beim 5:2 (1:2) gegen den weißrussischen Meister BATE Borissow zeigte der Tabellenletzte der Fußball-Bundesliga eine furiose 2. Halbzeit. «Heute kommen wir endlich mal mit einem Lächeln nach Hause zu unseren Frauen und Kindern», sagte Abwehrspieler Dominique Heintz.

ERLÖSUNG: Simon Zoller hieß der Schütze des ersten Kölner Europacup-Heimtors seit 9178 Tagen (16.). Als Frank Ordenewitz beim letzten Sieg am 1992 gegen Celtic Glasgow (2:0) das zuvor letzte schoss, war Zoller gerade mal 14 Monate alt. «Wer die Tore macht, ist in unserer Situation egal», sagte der Stürmer, freute sich aber: «Wenn mir vor ein paar Jahren jemand gesagt hätte, dass ich Europa League spiele, hätte ich ihn wahrscheinlich ausgelacht.»


ERLÖSUNG II: Die Krise des FC in der Liga lag nicht zuletzt auch an der schwachen Chancenverwertung. Vier Tore erzielten die Kölner da - insgesamt in zehn Spielen. Nun gelangen ihnen genauso viele in einer einzigen Halbzeit. Besonders erfreulich waren die vier Stürmertore. «Die Stürmer haben die Innenverteidiger damit in der Torschützenliste überholt», spottete Abwehrspieler Dominic Maroh. Die vier Tore in der Liga hatten je zwei Stürmer und zwei Verteidiger erzielt.


WERMUTSTROPFEN: Als der FC nach guter Anfangsphase innerhalb von 130 Sekunden in Rückstand geriet, dachte Heintz, «ich bin schon wieder im falschen Film. Nimmt das denn gar kein Ende?» Die Gegentore waren unnötig und ärgerlich. «Ein Scheißtor und Traumtor», hatte Maroh gesehen. Zoller sprach von «zwei Eiertoren».

DER EINZIGE VERLIERER: Christian Clemens galt bei seiner ersten Zeit in Köln als Ausnahmetalent. Sein Wechsel zu Schalke 04 sollte der große Durchbruch sein. Über Mainz landete Clemens wieder in seiner Geburtsstadt - und erlebte am Donnerstag wohl den Tiefpunkt seiner Karriere. Wie im Hinspiel war er der schlechteste Mann auf dem Feld - seine Auswechslung wurde von den Zuschauern sogar mit Beifall quittiert. «Das nehmen wir zur Kenntnis, das ist nicht das, was wir wollen. Aber wir werden ihn auffangen», versprach Trainer Peter Stöger, der die grundsätzliche Unterstützung der Fans ausdrücklich lobte. Dass der für Clemens gekommene Yuya Osako mit zwei Toren und einer Vorlage zum Matchwinner wurde, passte ins Bild.

HOFFENHEIM: Im DFB-Pokal feierte der FC schon zwei Siege, im Europacup nun einen, in der Liga soll am Sonntag gegen Hoffenheim die Wende kommen. «Gravierend viel hat dieses Spiel nicht verändert», sagte Stöger angesichts von zwei Punkten aus zehn Liga-Spielen: «Es ist ein anderer Wettbewerb. Aber besser als 2:5. Ob es uns wirklich weiterhilft, wissen wir vielleicht an Weihnachten.»