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Die südkoreanische Stadt Pyeongchang hat den Zuschlag für die olympischen Winterspiele 2018 bekommen. Foto: dpa
IOC © dpa
06.07.2011

München unterliegt im Olympiade-Wettbewerb

DURBAN. Die Entscheidung über den Gastgeber der Olympischen Winterspiele 2018 ist bereits im ersten Wahlgang gefallen. Der südkoreanische Favorit Pyeongchang ist die Siegerstadt, wie IOC-Präsident Jacques Rogge verkündete.

Aus der Traum - München 2018 ist gescheitert. Gejubelt wird in Südkorea: Favorit Pyeongchang hat es im dritten Anlauf geschafft und lädt die Sportwelt im Jahr 2018 zu den 23. Olympischen Winterspielen ein. Die Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) entschied sich am Mittwoch in Durban schon im ersten Wahlgang für den neuen Wintersportmarkt auf dem bevölkerungsreichsten Kontinent Asien und belohnte das zehnjährige intensive und beharrliche Werben Südkoreas.

Die Niederlage Münchens hat auch eine historische Komponente. 46 Jahre nach den Sommerspielen 1972 wollte die bayerische Metropole als erste Stadt der Welt das «Olympia-Double» schaffen. Doch um 17.18 Uhr MESZ verkündete IOC-Präsident Jacques Rogge den Sieger: Pyeongchang. In der erleichterten südkoreanischen Delegation brandete Jubel auf - nicht nur Münchens Vorzeigefigur Katarina Witt verlor dagegen ihr Dauerlächeln im Moment der großen Enttäuschung. 44 Monate Kampf um ein «bayerisches Wintermärchen» blieben ohne Happy-End.

Pyeongchang bekam schon in der ersten Wahlrunde die absolute Mehrheit. Trotz einer überzeugenden Kampagne und eines kräftigen Endspurts in Durban mit Bundespräsident Christian Wulff und Fußball-«Kaiser» Franz Beckenbauer kam München nicht auf genug Stimmen. Damit reichte es im millionenschweren Dreikampf ebenso wenig zum Sieg wie für das französische Annecy.

Münchens Niederlage war Deutschlands vierte nacheinander im Kampf um Olympische Spiele. Zuvor waren Berchtesgaden (1992/Winter), Berlin (Sommer/2000) und Leipzig für die Sommerspiele 2012 sogar in der Vorausscheidung gescheitert.

Mit hängenden Köpfen hatten die Protagonisten der Münchner Delegation bereits das Auditorium im Kongresscenter von Durban verlassen, als IOC-Chef Rogge nach dem ersten Wahlgang verkündete: «Liebe Kollegen, Sie haben den Gastgeber gewählt.» Den Namen nannte er da zwar noch nicht, aber alle ahnten das einzig mögliche Resultat.

Dabei hatte das Team um Vorkämpferin Katarina Witt und IOC-Vizepräsident Thomas Bach den Tag der Entscheidung in Topform eröffnet. Die 45-minütige Abschlusspräsentation bewertete Beckenbauer als «Tüpfelchen auf dem i». Bundespräsident Wulff lobte sogar: «Besser kann man Deutschland mit all seinen Möglichkeiten nicht darstellen.» Die Frage wird sein, ob München für die Spiele 2022 noch einmal ins Rennen geschickt wird.

Beharrlichkeit könnte sich auszahlen, wie das Beispiel von Pyeongchang zeigt. «Wir sind jetzt wirklich bereit», hatte Bewerbungschef Cho Yang Ho die 95 stimmberechtigten Mitglieder nach den Niederlagen für 2010 und 2014 beschworen. «Pyeongchang 2018 ist eine nationale Priorität der koreanischen Regierung - und das schon seit zehn Jahren», hatte Staatspräsident Lee Myung-Bak betont. Er verbürgte sich für die Erfüllung aller Versprechen.

Unter dem Motto «Neue Horizonte» sollen die Spiele in Fernost vom 9. bis 25. Februar 2018 ausgetragen werden. Hinter der Bewerbung stehen finanzstarke Konzerne und die Politik. Nach den japanischen Metropolen Sapporo (1972) und Nagano (1998) ist Pyeongchang erst die dritte asiatische und die erste südkoreanische Stadt, die Winterspiele veranstaltet. Bereits bei den gescheiterten Bewerbungen waren Milliarden in die Infrastruktur investiert worden. In Südkorea war Olympia schon einmal zu Gast: bei den Sommerspielen 1988 in der Hauptstadt Seoul.

München hatte mit emotionalen Bildern und eindringlichen Worten bis zuletzt um das «Ja»-Wort gekämpft. Selbst das Sieger-Gen von Beckenbauer half auf den Tag genau elf Jahre nach dem Zuschlag für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland nicht. Beckenbauer schien es bereits geahnt zu haben. Noch vor der Verkündung des Ergebnisses war er bereits wieder auf der Heimreise: «Meistens hat man sich schon entschieden», hatte der 65-Jährige geunkt.

Der Versuch, auf der Zielgeraden «den emotionalen Knopf zu drücken», wie Witt hoffte, zog bei den IOC-Mitgliedern nicht. Auch dem flammenden Plädoyer von Bach folgten sie nicht. «Heute geht es um die Fragen, die uns morgen betreffen. Heute geht um die Frage, ist heute die Zeit, neue Territorien zu erforschen oder unser Fundament zu stärken», so Bach. Der Aufbruch in neue Welten und Märkte hat sich nach den Wahlsiegen von Sotschi (2014/Winter) und Rio de Janeiro (2016/Sommer) erneut durchgesetzt.

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