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Felix Neureuther verpasste in Adelboden hauchdünn das Podium. Foto: Alessandro Trovati
Felix Neureuther verpasste in Adelboden hauchdünn das Podium. Foto: Alessandro Trovati
08.01.2017

Neureuther verpasst Slalom-Podest um 0,05 Sekunden

Adelboden (dpa) - Felix Neureuther bekam auch eine große Kuhglocke für seinen vierten Platz beim Slalom in Adelboden - doch das Podest war beim Selfie für die Fans nur im Hintergrund zu sehen.Um die Winzigkeit von fünf Hundertstelsekunden verpasste der deutsche Rekordfahrer den von Marcel Hirscher aus Österreich belegten dritten Platz. Auf Sieger Henrik Kristoffersen aus Norwegen fehlten dagegen 2,24 Sekunden. Und auch Manfred Mölgg aus Südtirol auf Platz zwei hatte noch 0,41 Sekunden Vorsprung. «Fünf Hundertstel - aber auch die muss man sich erstmal erarbeiten», sagte Neureuther. «Ich war nicht gut genug, kann aber letztlich zufrieden sein.»

Richtig glücklich war der beste deutsche Skirennfahrer dagegen über Rang zehn von Linus Straßer. «Jetzt ist er endlich wieder unter den besten 30 und hat nicht mehr diesen Druck, punkten zu müssen», sagte Neureuther über seinen fast acht Jahre jüngeren Kollegen und Freund. «Wenn der befreit fährt, dann kann er sehr, sehr schnell sein. Das tut dem Team sehr gut und mir auch.»

Verschenkt hatte Neureuther seinen zweiten Podestplatz des Jahres im ersten Lauf. Fast alle Konkurrenten mussten mit Nebel und schlechter Sicht zurechtkommen, beim deutschen Rekordsieger im Weltcup dagegen schien noch die Sonne über dem Chuenisbärgli. Dennoch ging er als Dritter bereits mit 1,27 Sekunden Rückstand auf Kristoffersen ins Finale. «Er hat noch Glück gehabt», sagte der deutsche Alpinchef Wolfgang Maier. «So, wie er im ersten Lauf gefahren ist, ist er normalerweise nicht unter den 15 drin.»

Unterm Strich war Maier mit der Ausbeute seines Besten nach Rang acht im Riesenslalom tags zuvor einverstanden. Denn Neureuther hat bei den deutschen Herren die gleiche Rolle wie Viktoria Rebensburg bei den Damen: die des einzigen echten Medaillenkandidaten für die WM in einem Monat. «Bei einer WM weiß man zwar nie, was passiert. Da werden die Karten komplett neu gemischt. Aber strategisch um die Medaillen fahren von den Ergebnissen her nur die Vicky und der Felix», sagte Maier.

Auf dem gewünschten Level ist Neureuther allerdings noch nicht. «Dieses freche Selbstverständlichkeit fehlt einfach noch, und die muss kommen», sagte er vor den anstehenden Slalom-Klassikern in Wengen, Kitzbühel, Schladming und dem Riesenslalom vor Heim-Publikum in Garmisch-Partenkirchen. «Wenn man ganz nach vorne will, muss alles passen, da muss ich arbeiten. Arbeit, Arbeit, Arbeit, das ist das Fazit des Wochenendes.»

Die hat Straßer zu einem großen Teil hinter sich, die Kopfprobleme der vergangenen Saison sind Geschichte. Der Münchner raste trotz einer hohen Startnummer zu seinem zweitbesten Karriere-Resultat. Zugleich erfüllte er die halbe Quali-Norm für die WM im Februar. «Ich bin erleichtert», sagte er, nachdem er im Ziel die Faust geballt und breit gegrinst hatte. «Jetzt kommen noch Wengen, Kitzbühel und Schladming. Das sind so ziemlich meine Lieblingsrennen. Deswegen mache ich mir gar keine Gedanken, dass ich das nicht schaffe.»

Dominik Stehle war im ersten Lauf kurz vor Schluss ausgeschieden.

An der Spitze zeigte Kristoffersen all seine Klasse und holte bei seinem vierten Slalom-Start den dritten Sieg im WM-Winter. Dank zweimaliger Laufbestzeit war er 1,83 Sekunden schneller als Mölgg. Das ist der größte Vorsprung in einem Männerslalom seit 15 Jahren. Im Januar 2002 siegte Bode Miller in Adelboden 1,92 Sekunden vor Ivica Kostelic. «Heute war ich am Limit, das war wirklich gutes Skifahren», sagte der Norweger.