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Steht kurz vor dem Wechsel zu Paris Saint-Germain: Neymar. Foto: Ye Liangjun
Steht kurz vor dem Wechsel zu Paris Saint-Germain: Neymar. Foto: Ye Liangjun
01.08.2017

«Neymar spielt das Verwirrspiel»: Training statt Party?

Barcelona (dpa) - Mit seinen Finten überrascht Neymar neuerdings nicht nur seine Gegenspieler, sondern auch seinen Club, die Fans und die Medien.Der Fußballstar, der nach übereinstimmenden Berichten vor einem Rekordtransfer vom FC Barcelona zu Paris Saint-Germain stehen soll, bestieg nach einem Werbe-Auftritt in China und einer Zwischenlandung in Dubai am Dienstag zur Überraschung aller eine Maschine nach Barcelona, wie mehrere spanische Medien berichteten.

«Neymar spielt das Verwirrspiel», titelte die in Barcelona erscheinende Sportzeitung «Mundo Deportivo» in der Onlineausgabe. Es war allgemein erwartet worden, dass der 25-Jährige nach Paris fliegt, um dort am Mittwoch einen Vertrag zu unterzeichnen und vor dem Eiffelturm präsentiert zu werden. Auch über einen Flug in die brasilianische Heimat war spekuliert worden. Nimmt Neymar nun aber am Mittwochvormittag entgegen den Erwartungen doch am Training der Katalanen teil?

Der auf den sozialen Netzwerken sehr aktive Profi postete auch in Dubai ein Video. Spricht er etwa endlich Klartext? Nein. Er singt beim Mittagessen auf dem Flughafen im Kreise der stets anwesenden Entourage froh gelaunt ein brasilianisches Lied. Ansonsten hüllt er sich weiter in Schweigen. Auch in China äußerte er sich trotz der Fragen von Journalisten mit keinem Wort zu den Wechselgerüchten.

Nach Medienberichten wollen die katarischen Ölscheichs, die bei PSG das Sagen haben, die im Vertrag festgeschriebene Ablösesumme von 222 Millionen Euro zahlen. Noch nie wurde für einen Kicker eine annähernd so hohe Summe bezahlt. Clubchef Scheich Nasser al-Chelaifi soll den Stürmer demnach mit einer Wechselprämie von 100 Millionen Euro zum Wechsel an die Seine überredet haben. Auch Papa und Manager Neymar Senior soll profitieren und viel Geld bekommen.

Der Wechsel scheint in der Tat perfekt. Es gibt zu viele Indizien. Die gewöhnlich sehr gut informierte französische Fachzeitung «L'Équipe» schrieb am Dienstag, Neymar werde sich spätestens am Montag in Paris präsentieren. Der Sportsender BeInSports, der den PSG-Chefs gehört, schrieb am Dienstag auf Twitter, der Spieler habe sich bereits zum Verlassen des FC Barcelona entschieden.

Neymar war 2013 vom FC Santos nach Barcelona gewechselt und hatte seinen Vertrag dort erst im vorigen Herbst bis 2021 verlängert. Zu deutlich besseren Konditionen. Die Prämie in Höhe von 26 Millionen Euro, die Neymar Senior für die Vertragsverlängerung bekommen sollte, sei von Barça-Boss Josep Bartomeu nun vorsichtshalber eingefroren worden, berichteten spanische Medien am Dienstag. Im Fall des Wechsels nach Paris wolle der Club nicht mehr den kompletten Betrag überweisen, berichtete die Zeitung «Sport».

Die Profis um Lionel Messi und Nationaltorwart Marc-André ter Stegen, der am Montag das Training allein wiederaufnahm, die Fans des FC Barcelona und auch die Medien nehmen Neymar inzwischen das ewige Hin und Her und die Schweigetaktik übel. In der katalanischen Metropole tauchten Protest-Plakate auf. Über einem Bild des Brasilianers war «Verräter gesucht» zu lesen. Darunter: «Söldner raus aus Barcelona». Teamroutinier Andrés Iniesta habe gefordert, dass der Profi «endlich etwas sagt», schrieben Medien. «Sport» nannte den Profi einen Egoisten, und «Mundo Deportivo» wünschte Neymar ironisch gleich auf Französisch: «Bon Voyage».