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Eisschnellläuferin Claudia Pechstein bei der Einkleidung der Olympia-Mannschaft. Foto: Tobias Hase
Eisschnellläuferin Claudia Pechstein bei der Einkleidung der Olympia-Mannschaft. Foto: Tobias Hase
11.01.2018

Pechstein würde bei Olympia «gerne» Fahne tragen

München (dpa) - Das Eiskunstlauf-Paar Aljona Savchenko/Bruno Massot und die fünfmalige Olympiasiegerin Claudia Pechstein kamen mit ihren Einkaufswagen als erste Athleten des deutschen Olympia-Teams an die Einkleidungstresen.«Mein Herz klopft immer noch, auch wenn es meine siebten Olympischen Winterspiele in Pyeongchang sein werden», sagte die 45-jährige Eisschnellläuferin bei der ersten von vier Einkleidungen im Münchner Postpalast.

Bis zum 22. Januar werden dort rund 180 deutsche Topsportlern und Offiziellen rund 50 000 Kleidungsstücke - von Mützen, Handschuhen, Daunenjacken, Schuhen bis zu Koffern kann jeder Athlet 63 Teile mitnehmen - für die Spiele vom 9. bis 25. Februar in Südkorea ausgegeben.

«Ich bin wählerisch. Es trifft nicht ganz meinen Geschmack, aber es passt», meinte Savchenko, die bei den Spielen 2010 und 2014 jeweils Olympia-Bronze gewann. «Ich bin eher ein bunter Typ.» Im Gegensatz zum schrill-bunten Outfit bei den Spielen von Sotschi 2014 wurden diesmal gedecktere Farben gewählt. Ihrer Vorfreude auf die Spiele tut dies kein Abbruch. «Die Spannung steigt», sagte Savchenko, die die letzten Tage vor dem Start mit Partner Massot zum Feinschliff nutzen will: «Wir wollen sauber machen, die Ecken putzen und glänzen.»

Bei der Eröffnungsfeier wird das Team Deutschland mit Jacken in beige und lindgrün einmarschieren - mit Pechstein als Fahnenträgerin an der Spitze? «Ich würde es gerne machen. Es wäre eine absolute Ehre, die Fahne tragen zu dürfen», sagte die Berlinerin. Auch sportlich will sie nicht hinterherlaufen: «Mein Ziel ist, nicht die Letzte zu werden.»

Die Vorentscheidung, ob Pechstein zum Kreis der fünf Kandidaten gehört, treffen Präsidium und Vorstand des Deutschen Olympischen Sportbundes. Danach dürfen die Team-Athleten und die Öffentlichkeit den Fahnenträger küren. «Sie ist eine denkbare Fahnenträgerin», meinte DOSB-Präsident Alfons Hörmann. Er weiß aber auch, dass Pechstein - wegen auffälliger Blutwerte einst vom Weltverband ISU für zwei Jahre gesperrt - umstritten ist: «Ich habe Verständnis, dass der eine oder andere auch Skepsis hat.»

Zurückhaltung übte er bei der Prognose zum Abschneiden in Südkorea. «Eine Medaillen-Vorgabe gibt es nicht, doch das Ergebnis von Sotschi plus X soll die Messlatte sein», sagte Hörmann. «Die Vorbildfunktion des Team Deutschland ist aber genauso wertvoll und wichtig.» Vor vier Jahren gewann Deutschland 19 Medaillen, hatte aber mit rund 30 Edelplaketten gerechnet. «Wir können optimistisch nach Pyeongchang reisen», versicherte DOSB-Leistungssportchef Dirk Schimmelpfennig.

Mehr Gewissheit als über die Zahl der Medaillen hat Hörmann in der Causa Russland. Er erwartet in Pyeongchang «saubere russische Athleten» am Start. «Die Athleten aus Russland wurden von März bis November 2017 in der Summe mehr getestet, als die aus Kanada und den USA», erklärte er.

Russlands Wintersportler hätten rund 1800 Doping-Kontrollen in dem Zeitraum gehabt, die deutschen Athleten etwa 1200 und Kanada sowie die USA jeweils 700 Tests. «Es wurde alles getan, damit Russland sauber teilnimmt. Unter dem Strich habe ich jetzt ein besseres Gefühl als vor den Sommerspielen in Rio», sagte Hörmann.

Das Internationale Olympische Komitee hatte als Folge aus dem Doping- und Betrugsskandal bei den Winterspielen 2014 in Sotschi entschieden, dass Russland nur unter neutraler Flagge in Pyeongchang und Athleten des Landes nur nach einer individuellen Prüfung antreten dürfen. «Mit dem Gesamtpaket der Sanktionen kann der DOSB leben», betonte Hörmann.