nach oben
Thomas Müller traf in der Liga erst einmal in dieser Saison. Foto: Andreas Gebert
Thomas Müller traf in der Liga erst einmal in dieser Saison. Foto: Andreas Gebert
05.01.2017

Präzisionsschütze Müller: «Initialzündung» Systemwechsel

Doha (dpa) - Beim Lattenschießen nach dem Training durfte Thomas Müller nach der schmerzhaften Erfahrung zum Auftakt diesmal selbst austeilen.«Gestern hatte ich noch ein bisschen Probleme, heute musste ich nur einmal büßen. Ich bin stark verbessert unterwegs», scherzte der Weltmeister nach der spaßigen Extra-Schicht in Doha. Zusammen mit den DFB-Kollegen Mats Hummels und Joshua Kimmich sowie auch mit Ersatzkeeper Tom Starke ließ der Weltmeister die Einheit mit dieser Trainingsspielerei ausklingen - und der Verlierer muss für einen Schuss der Mitspieler auf den Popo ins Tor.

Müller ist in Katar mit der Präzision am Werk, die ihm in seinem persönlich schwierigen Fußballjahr 2016 oft fehlte. «Ich hätte mir das eine oder andere Tor mehr gewünscht. Ich erwarte mir 2017 mehr, was den Torerfolg betrifft», sagte Müller, der den FC Bayern für die vielen Titelvorhaben gewappnet sieht. «Man hat gesehen, dass wir nochmal eine Schippe drauf gelegt und eine kleine Entwicklung durchgemacht haben.» Für die Rückrunde erwarte er «eine gute Gesamtperformance».

Die Systemumstellung von Trainer Carlo Ancelotti vom 4-3-3 zum 4-2-3-1 kam Müller zugute, wenngleich er auf der Position hinter Robert Lewandowski zuletzt gegenüber Thiago das Nachsehen hatte. «Ich habe das Gefühl, dass wir uns mit dem System einen Tick wohler fühlen», meinte Müller. «Ein Systemwechsel ist aber nicht das Allheilmittel.» Auch vorher hätten schlechtere Spiele nicht am System gelegen, aber der Wechsel sei vielleicht eine «Initialzündung» gewesen.

Ein verschossener Elfmeter beim Halbfinal-K.o. in der Champions League gegen Atlético Madrid, eine torlose EM, eine 999 Minuten lange Trefferdurststrecke in der Bundesliga - ausnahmsweise ging es in der Bilderbuchkarriere des Vorzeige-Bayers einmal nicht nur bergauf. «Manchmal hatte er einfach kein Glück», erinnerte Offensivkollege Robert Lewandowski. «Für einen Offensivspieler ist es immer ein bisschen schwierig, wenn du keine Tore schießt oder nicht so oft. Am wichtigsten ist aber, dass der Spieler immer gute Laune hat - und die verliert Thomas nie.»

Auch in Doha ist er wort- und witzreich auf dem Trainingsplatz dabei. 2017 soll es nun auch wieder wie gewohnt «müllern» - und wird es auch laut Lewandowski. «Er arbeitet wirklich viel und ich bin sicher, dass die Tore kommen», sagte der polnische Nationalspieler. Müller hat in der laufenden Bundesligasaison erst einmal ins Tor getroffen. Zwei Treffer sind es immerhin in der Champions League.

Der 27-Jährige ackerte zwar viel für die Mannschaft, die Leichtigkeit vorheriger Tage ließ er aber vermissen. Dazu wurde von außen wiederholt die Frage aufgeworfen, ob in der Formation von Carlo Ancelotti überhaupt ein Platz für Freigeist und Raumdeuter Müller ist.

«Thomas Müller ist ein sehr intelligenter Spieler. Er kann die richtige Position auf dem Platz finden. Er hat schon viele Spiele gemacht im ersten Teil der Saison. Und er wird auch viele Spiele in der zweiten Hälfte der Saison machen», versicherte der Italiener. 22 Einsätze in 25 Pflichtspielen waren es in dieser Saison bislang. Bei ähnlich vielen Partien in der Rückrunde sollen jetzt auch wieder die gewohnten Müller-Tore hinzukommen.