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Sebastian Vettel testet den neuen Ferrari in Barcelona. Foto: Jens Büttner
Sebastian Vettel testet den neuen Ferrari in Barcelona. Foto: Jens Büttner
27.02.2017

Signal zum Aufbruch: Formel-1-Probetage als Reformtest

Barcelona (dpa) - Das neue Formel-1-Zeitalter beginnt für Sebastian Vettel mit gelben Flecken. Die Farbversuche auf dem Heckflügel des Ferrari SF70H sind in Barcelona nach mehr als drei Monaten Winterpause auch ein Signal zum Aufbruch in die Testphase, die entscheidenden Tage vor der neuen Saison.«Das Auto sieht nach Spaß aus», hat Vettel vor den ersten offiziellen Proberunden der zehn Rennställe auf dem Circuit de Catalunya gesagt. Spektakel ist genau das, was sich die Formel-1-Spitzen vom Jahrgang 2017 erwarten.

Die ersten Probeläufe auf der Grand-Prix-Strecke nahe Barcelona sollen bis Donnerstag Aufschluss darüber geben, ob die Regelreformen der Rennserie tatsächlich frische Impulse geben. Nach drei Jahren Mercedes-Dominanz und viel Kritik an leisen Motoren und zu wenig Renn-Action haben die Regelhüter die Teams ans Reißbrett gezwungen. Breiter, flacher, schneller sind die neuen Autos, der Motorensound wirkt wieder etwas satter, die Reifen sind fetter und haltbarer.

Wie als Kommentar zur neuen Optik tönt Ed Sheerans Superhit «I'm in love with the shape of you» aus den Boxen über der Haupttribüne. Doch die Liebe zur schönen Form allein reicht im Grenzbereich Formel 1 nicht. Das neue Design soll zugleich die Fahrer stärker fordern als in den Vorjahren, die Kräfte im Cockpit wieder zum echten Test für Körper und Talent machen.

Um sich darauf einzustellen, brauchen die Piloten bei den Übungsfahrten in Barcelona so viele Kilometer wie möglich. «Dafür gibt es keine Simulation», sagt Mercedes-Star Lewis Hamilton. «Auch wenn du jeden einzelnen Tag im Studio trainierst oder jeden Tag in deinem Leben laufen gehst, steigst du ins Auto, und es prügelt die Scheiße aus dir heraus», erklärt der Brite.

Die ersten Test-Kilometer im neuen Silberpfeil übernimmt am Montag Hamiltons neuer Teamkollege Valtteri Bottas. Der Finne ersetzt Weltmeister Nico Rosberg, der völlig überraschend nach seinem ersten WM-Triumph zurückgetreten war. «Ich mache mir keine Sorgen darüber, dass wir Auswirkungen dieses späten Wechsels oder der geringen Vorbereitungszeit sehen werden», sagt Bottas, der zuletzt für Williams fuhr.

Eifrig sammelt der 27-Jährige in den ersten Test-Stunden Runde um Runde, beweist einmal mehr die Standfestigkeit des von der Konkurrenz gefürchteten Mercedes-Motors. An der Spitze der Zeitentabelle indes steht zunächst meist Vettel. Dass der Ferrari-Pilot schon zur Mittagspause mehr als zwei Sekunden schneller ist als bei seiner Bestzeit zum Test-Auftakt vor einem Jahr an gleicher Stelle, zeigt, dass die neuen Regeln ihre Wirkung nicht verfehlt haben.

Für andere hingegen beginnt die Testphase mit Frust. Der Red Bull von Daniel Ricciardo rollt mit einem defekten Sensor nach vier Runden aus. McLaren-Fahrer Fernando Alonso muss nach nur einer Runde wegen eines Öllecks wieder aus dem Auto klettern. Zwar sind die Probetage auch dafür da, den neuen Boliden die Kinderkrankheiten auszutreiben. Doch viel Leerlauf kann sich eigentlich niemand leisten.

Insgesamt dürfen die Rennställe nur an acht Tagen testen, ehe die Saison am 26. März mit dem Großen Preis von Australien in Melbourne beginnt. Jeder technische Kniff der Rivalen, wie das auffällige Loch in der Red-Bull-Front oder die seltsamen Seitenkästen des Ferrari, wird bis dahin auf seine Tauglichkeit analysiert sein. Wer jetzt daneben liegt, hat harte Monate vor sich.