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Goldmedaillengewinner Thomas Röhler (r) feiert mit Andreas Hofmann, der Silber holte. Foto: Michael Kappeler
Goldmedaillengewinner Thomas Röhler (r) feiert mit Andreas Hofmann, der Silber holte. Foto: Michael Kappeler
10.08.2018

Speerwurf-Helden feiern Medaillen: Bier und «Elektrolyte»

Berlin (dpa) - Nach dem Jubelzug durchs Olympiastadion und gefühlt drei Dutzend Interviews hatten die beiden deutschen Speerwurf-Helden großen Durst. «Wir ziehen noch in den deutschen EM-Club. Da gibt es nicht nur Wasser», sagte der neue Speerwurf-Europameister Thomas Röhler grinsend.«Der Teamarzt hat gesagt, wir müssen mal auf die Elektrolyte achten», meinte der Olympiasieger aus Jena. Sein Teamkollege Andreas Hofmann stand daneben - und schüttelte sich vor Lachen. «Ich freue mich, wenn ich ehrlich bin, auf's erste kühle Bierchen», sagte der deutsche Meister aus Mannheim, der an einem denkwürdigen Leichtathletik-Abend Zweiter hinter seinem Kumpel Röhler geworden war.

«Leistung gebracht, Silber gewonnen - top!» Markanter kann man seinen Part im Speerwurf-Finale einer Europameisterschaft wohl kaum in Worte fassen. Mit 87,60 Metern und Platz zwei war Hofmann mehr als zufrieden. Harte Zeiten hat er hinter sich, er gab aber nie auf.

«Die ganzen letzten Jahre habe ich mich wieder hochgekämpft, wieder rangekämpft. Und nun endlich mal eine internationale Medaille gewonnen», sagte der Schützling von Trainer Lutz Klemm, dem er nach dem Wettkampf im gewitterumtosten Olympiastadion um den Hals fiel. Und dabei ein paar Tränen verdrückte.

Auch Röhler blieb nicht trocken. Der Mann des Abends hüpfte nach seinem Gold-Coup spontan in den Wassergraben der Hindernisläufer. «Das war deutsche Präzisionsarbeit von Andreas und von mir», erklärte der Rio-Olympiasieger stolz. «Ich glaube, heute habe ich gewonnen, weil ich einfach fokussiert geblieben bin.»

Der Athletensprecher des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF kürte sich damit zum ersten deutschen Speerwurf-Europameister seit 32 Jahren - die fast 40 000 Zuschauer im historischen Olympiastadion jubelten, als Röhlers Speer im dritten Versuch bei 89,47 Metern landete. An diese Weite kam keiner seiner Konkurrenten mehr heran.

Seinem Trainer Harro Schwuchow müsse er «einfach mal einen großen Dank aussprechen», sagte Röhler. Sein Mentor führte ihn 2016 zum Olympiasieg und nun zu EM-Gold. «Mein Coach hat definitiv einen Plan», betonte Röhler - und meinte damit auch die nächsten großen Herausforderungen: die Wüsten-WM 2019 in Katar und die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Experimente im Training dienten nur einem Ziel, verriet der Europameister: «Der Beste zu bleiben, auf lange Sicht.»

Doch in der Nacht zum Freitag wurde erst mal richtig gefeiert. Denn Röhler, 26 Jahre alt, ahnte es irgendwie: «Berlin, das ist die schönste und geilste EM, die ich in meiner Karriere erleben werde.»