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Dominic Thiem zog souverän ins Halbfinale der French Open ein. Foto: Petr David Josek
Dominic Thiem zog souverän ins Halbfinale der French Open ein. Foto: Petr David Josek
07.06.2017

Thiem deklassiert Djokovic in Paris

Paris (dpa) - Nach seiner Tennis-Gala gegen Titelverteidiger Novak Djokovic fordert Dominic Thiem bei den French Open Topfavorit Rafael Nadla heraus, bei den Damen kämpfen Simona Halep und Karolina Pliskova um Platz eins der Weltrangliste.Der Österreicher Thiem deklassierte Djokovic am Mittwoch im Viertelfinale von Paris mit 7:6 (7:5), 6:3, 6:0 und fügte dem verunsicherten Serben damit eine ganz bittere Niederlage zu.

Deutschlands-Tennis-Legende Boris Becker forderte seinen ehemaligen Schützling danach zum sofortigen Handeln auf. «Es scheint Gespräche mit möglichen Trainern zu geben. Aber das muss schnell gehen und nicht erst während Wimbledon. Djokovic muss die nächsten drei, vier Wochen nutzen, um zurückzukommen», forderte Becker, der bis Ende 2016 ein sehr erfolgreiches Duo mit dem Serben gebildet hatte. In Paris arbeitete Djokovic eine Woche lang mit Andre Agassi zusammen, doch der Amerikaner kommt bislang als Vollzeit-Coach nicht infrage.

Thiem darf sich derweil am Freitag auf ein Halbfinal-Duell mit Nadal freuen. Der Spanier profitierte in seinem Viertelfinale von der Verletzung seines Landsmannes Pablo Carreno Busta. Der 25-Jährige musste beim Stand von 6:2, 2:0 aus Sicht von Nadal wegen einer Bauchmuskelzerrung passen.

Das zweite Halbfinale bei den Herren bestreiten der Weltranglisten-Erste Andy Murray, der den Japaner Kei Nishikori mit 2:6, 6:1, 7:6 (7:0), 6:1 bezwang, und Stan Wawrinka, der sich gegen Marin Cilic durchsetzte. Der Schweizer besiegte den Kroaten deutlich mit 6:3, 6:3, 6:1 und steht damit in Paris zum dritten Mal in Serie in der Vorschlussrunde.

Bei den Damen treffen am Donnerstag ab 15.00 Uhr zunächst die beiden Überraschungs-Halbfinalistinnen Timea Bacsinszky aus der Schweiz und Jelena Ostapenko aus Lettland aufeinander. Danach spielen die Rumänin Halep und die Tschechin Pliskova gegeneinander. Dabei geht es auch um die mögliche Nachfolge von Angelique Kerber auf dem Tennis-Thron. Pliskova, die am Mittwoch die Französin Caroline Garcia bezwang, reicht dafür der Finaleinzug. Halep, die Jelina Switolina aus der Ukraine ausschaltete, muss das zweite Grand-Slam-Turnier der Saison gewinnen.

Davon ist Thiem trotz seiner bärenstarken Leistung gegen Djokovic noch ein bisschen entfernt. «Es wird nicht leichter für mich», scherzte Thiem nach seiner beeindruckenden Vorstellung. Für ihn war es der erste Sieg gegen Djokovic überhaupt. Die bisherigen fünf Duelle hatte er verloren, zuletzt hatte ihn der Serbe im Halbfinale von Rom beim 1:6, 0:6 regelrecht vorgeführt.

«Natürlich ist das schon etwas Besonderes, einen solchen Topspieler bei einem Grand-Slam-Turnier zu schlagen», antwortete Thiem auf die Frage, ob dies der bislang größte Erfolg in seiner Karriere gewesen sei. Er tritt immer mehr in die Fußstapfen seines Landsmannes Thomas Muster, der 1995 in Paris triumphierte.

Djokovic wirkte seltsam emotionslos, ließ die drohende Niederlage einfach über sich ergehen. Vor allem im letzten Satz stemmte sich der 30-Jährige, der sich im Vorjahr mit seinem ersten Titel in Paris einen Lebenstraum erfüllt hatte, gar nicht mehr gegen das drohende Aus. Mit 6:0 fegte ihn Thiem in nur 20 Minuten einfach so vom Platz und nahm damit Revanche für die Halbfinal-Niederlage im Stade Roland Garros im Vorjahr. Gegen Nadal sei er dennoch «klarer Außenseiter», sagte Thiem. «Das ist wohl das schwerste Match, das man spielen kann. Gegen Rafa in Roland Garros.»

Djokovic war dagegen ratlos. «Es ist hart, etwas zum dritten Satz zu sagen. Es ging nichts in meine Richtung, dafür alles in seine», sagte der zwölfmalige Grand-Slam-Turnier-Sieger, der in der französischen Hauptstadt zuletzt sechs Mal in Serie mindestens das Halbfinale erreicht hatte. Doch seit seinem Triumph in Paris vor einem Jahr steckt Djokovic in einem Motivationsloch.

«Es ist ungewohnt für mich, dass ich für längere Zeit keinen großen Titel mehr gewonnen habe», sagte der Serbe. «Wir werden sehen, was die Zukunft bringt», meinte Djokovic, der selbst eine Pause nicht kategorisch ausschloss. «Es ist traurig, dass Roland Garros auf diese Art und Weise für mich zu Ende geht. Jeder sieht, dass ich gerade nicht mein bestes Tennis spiele.»

Das sieht bei Nadal ganz anders aus. Der Spanier ist in Paris wie Thiem noch ohne Satzverlust, gab in seinen fünf Partien insgesamt erst 22 Spiele ab. Die Partie gegen Carreno Busta dauerte lediglich 51 Minuten. «Das war sicher nicht die Art und Weise, wie ich das Spiel gewinnen wollte», sagte Nadal. «Vor allem, weil er ein guter Freund ist.»