1899 Hoffenheim - VfL Bochum
Die Hoffenheimer Ozan Kabak (l) und Robert Skov feiern den Sieg gegen den VfL Bochum. 

1899 zittert sich gegen Bochum zum Sieg

Am Ende stand André Breitenreiter erstmals vor der Südtribüne in Sinsheim und durfte sich vom harten Kern der nur 17.005 Zuschauer für sein gelungenes Heimdebüt bei der TSG 1899 Hoffenheim feiern lassen.

Ein mühsames 3:2 (2:2) gegen Bochum gelang seiner neuen Mannschaft am zweiten Bundesliga-Spieltag. Die internationalen Ambitionen des Clubs von Mehrheitseigner Dietmar Hopp sind bekannt, ebenso die Konzentration des Gegners auf den Abstiegskampf. «Es wird für beide nicht ganz einfach, die Ansprüche steigen ja», prophezeite VfL-Coach Thomas Reis.

Weder den Hoffenheimern noch den Bochumern winkt nach den ersten Erkenntnissen eine Sahnesaison, wo alles nur so flutscht. «Es ist bitter, wenn man ähnlich dasitzen muss wie letzte Woche und den gegnerischen Trainer beglückwünschen darf zum Sieg», sagte Reis.

Immerhin konnte er dies bei einem alten Bekannten erledigen: Breitenreiter und Reis spielten einst zusammen in der Junioren-Nationalmanschaft und machten gemeinsam die A-Lizenz als Trainer. Das Wiedersehen vor dem Anpfiff fiel entsprechend herzlich aus.

VfL verspielt 2:0-Führung

Für die Bochumer hatte es zum Rundenauftakt zuhause ein 1:2 gegen Mainz 05 gesetzt. Nun verspielte der VfL eine 2:0-Führung nach dem Doppelpack von Simon Zoller (10./13. Minute). «Auch wenn heute der Frust heute groß ist: Ich habe wesentlich bessere Dinge gesehen als gegen Mainz», bilanzierte Reis.

Der Weg zum Klassenerhalt führt nur über «Leidenschaft, Emotionen, Kampf», wie es Zoller ausdrückte. Und nicht über Schwächen bei Standards, wie sie teilweise bei den Gegentoren durch Christoph Baumgartner (15.), Ozan Kabak (22.) und Joker Munas Dabbur (88.) ersichtlich wurden. «Gefühlt kann man das anders lösen», sagte Zoller enttäuscht. Eine weitere Niederlage am kommenden Sonntag gegen den FC Bayern - dann wäre der Fehlstart praktisch perfekt.

Die Erleichterung nach dem Ende von saisonübergreifend zehn sieglosen Liga-Spielen, davon neun unter Breitenreiter-Vorgänger Sebastian Hoeneß, war bei den Hoffenheimern riesig. Dass Andrej Kramaric mit einem Foulelfmeter an VfL-Keeper Manuel Riemann scheiterte, konnte die TSG hinterher gut verschmerzen. Auch dass die Leipzig-Leihgabe Angelino einen noch eher unauffälligen Einstand auf der linken Außenbahn gab. Der von dort verdrängte Däne Robert Skov überzeugte dafür auf der offensiven rechten Seite.

Breitenreiter nahm die Glückwünsche seines ebenfalls 48 Jahre alten Kollegen «natürlich gerne entgegen». Vor allem nach der vogelwilden Anfangsphase seiner Mannschaft. «Nach 20 Minuten habe ich ehrlich gesagt nicht daran geglaubt, dass das heute was mit dem Sieg wird», klagte er. «Wir waren passiv, wir haben nach hinten verteidigt - so sollen wir nicht Fußball spielen.»

Nach dem 1:3 zum Auftakt in Mönchengladbach sieht der diesjährige Meistertrainer des FC Zürich die Kraichgauer nun auf dem richtigen Weg: «Ich glaube, dass dieser Sieg uns als Brustlöser sehr gut tun wird - und die Überzeugung und der Glaube daran reift, dass wir Großes erreichen können.»

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