Bayerns Leon Goretzka (r) trifft zum 2:0. Hannovers Pirmin Schwegler (2.vl) kann nicht mehr eingreifen. Foto: Matthias B
Bayerns Leon Goretzka (r) trifft zum 2:0. Hannovers Pirmin Schwegler (2.vl) kann nicht mehr eingreifen. Foto: Matthias Balk

Bayern-Jubel: BVB-Patzer veredelt eigenen Pflichtsieg

Nach dem 2:2 von Borussia Dortmund in Bremen und dem eigenen 3:1 (2:0) gegen den 99,9-Prozent-Absteiger Hannover 96 gehen die Münchner als Spitzenreiter mit einem komfortablen Vier-Punkte-Vorsprung in die letzten zwei Bundesliga-Spieltage.

Schon in Leipzig könnte der deutsche Fußball-Rekordmeister am kommenden Samstag den siebten Titelgewinn nacheinander perfekt machen. «Wir sind überzeugt davon, dass wir Meister werden», sagte Nationalspieler Joshua Kimmich schon vor dem 2:2 des BVB am Samstagabend an der Weser.

Die Bayern-Fans feierten ihre Lieblinge schon nachmittags lautstark als Meister. Die Kurz-Auftritte von Torschütze Franck Ribéry und Rückkehrer Arjen Robben sorgten dazu für Gänsehaut-Atmosphäre in der Allianz Arena. Trotz einer wenig meisterlichen Torausbeute reichte es gegen den 99,9-Prozent-Absteiger aus Hannover zum Erfolg, der jedoch viel höher hätte ausfallen müssen. «Der Sieg ist unter dem Strich verdient. Wir haben unsere Hausarbeiten gemacht», resümierte Trainer Niko Kovac nach den Toren von Robert Lewandowski (27. Minute), Leon Goretzka (40.) und des eingewechselten Franck Ribéry (84.).

«Es freut mich für Franck, dass er ein wichtiges Tor gemacht hat», sagte Kovac. Der stimmungsvolle Empfang des Franzosen und des für die letzten Minuten eingewechselten Arjen Robben im jeweils vorletzten Heimspiel freute den kroatischen Coach. «Sie haben eine Dekade geprägt», hob Kovac hervor. Ribéry wurde für sein Tor gefeiert. Jeder Ballkontakt des fünf Monate verletzt fehlenden Holländers Robben wurde bejubelt. In der Nachspielzeit ärgerte sich Robben über einen Freistoß, den er über das Tor schoss. «Das wäre wie ein Märchen gewesen», sagte Robben zum verpassten Torerfolg.

Dem Tabellenletzten Hannover bleibt nach dem Sieg von Hertha BSC gegen Stuttgart weiter eine Minimalhoffnung im Abstiegskampf. «Dass man beim wahrscheinlich zukünftigen Meister verliert, ist keine Schande», sagte Gäste-Trainer Thomas Doll. Der eingewechselte Jonathas ließ Hannover kurz auf eine Überraschung hoffen. Doch kurz nach dem fragwürdigen Handelfmeter, den er verwandelte (52.), sah der Brasilianer die Gelb-Rote Karte (55.).

Der Rekordmeister trat viel dynamischer als beim enttäuschenden 1:1 in Nürnberg auf. Die Münchner hatten reihenweise Chancen. Zeitweise musste der starke Torhüter Michael Esser im Minutentakt retten. «Wir müssen nicht mit 2:0, sondern mit 4:0 in die Halbzeit gehen, dann hast du Ruhe», sagte Kovac. Nach einer wunderbaren Flanke von Joshua Kimmich war Lewandowski mit dem Kopf zur Stelle; Saisontor Nummer 22. Nationalspieler Goretzka konnte beim 2:0 ungestört Maß nehmen. Aus knapp 20 Metern prallte sein Schuss vom Innenpfosten ins Tor.

Nach dem Chancenwucher kam Hannover nach dem Seitenwechsel in ein Spiel zurück, das eigentlich längst verloren war. Zunächst entschied Schiedsrichter Christian Dingert nach einer Ballberührung von Jérôme Boateng mit der Hand nach Videobeweis auf den umstrittenen Elfmeter. «Aus dem heiteren Himmel passiert etwas, was in der heutigen Zeit ein Elfmeter ist, aber kein Elfmeter war», stellte Kovac kritisch fest.

Der eingewechselte Jonathas verwandelte zum 2000. Bundesliga-Gegentor der Bayern. Er holte danach den Ball mit etwas viel Körpereinsatz aus dem Tor. Dingert zeigte Gelb - und zückte nur drei Minuten später fragwürdig Gelb-Rot. Bei einem Zweikampf mit Kimmich hatte der Brasilianer den Münchner am Kopf berührt. Er hätte sich «Fingerspitzengefühl» vom Schiedsrichter gewünscht, klagte Doll.