Leverkusens Kai Havertz (l) im Duell mit Gladbachs Nico Elvedi. Foto: Marius Becker/dpa
Leverkusens Kai Havertz (l) im Duell mit Gladbachs Nico Elvedi.  Foto: Marius Becker/dpa 

«Keine Eintagsfliege»: Gladbach baut Tabellenführung aus

Leverkusen (dpa) - Langsam gewöhnt sich Borussia Mönchengladbach an die Tabellenführung. Auch nach dem zehnten Spieltag und einem weiteren beeindruckenden Sieg beim 2:1 (2:1) bei Bayer Leverkusen bleibt das Team von Trainer Marco Rose Spitzenreiter der Fußball-Bundesliga.

Durch die Krise von Rekordmeister Bayern München baute die Borussia die Tabellenführung gar aus und geht nun mit drei Punkten Vorsprung in den elften Spieltag. «Wir wollen so lang wie möglich da oben bleiben», frohlockte der sichtlich zufriedene Manager Max Eberl, nachdem sein Team Platz eins nun bereits zum dritten Mal in Serie verteidigt hatte.

«Das ist jetzt natürlich keine Eintagsfliege mehr», meinte Nationalverteidiger Matthias Ginter, der erstmals nach seiner schweren Schulterverletzung vor rund einem Monat wieder in der Innenverteidigung spielte und mithalf, den knappen Sieg gegen erst am Ende drückende Leverkusener über die Zeit zu retten. Die berechtigte Rote Karte gegen Bayers eingewechselten Leon Bailey wegen einer Tätlichkeit in der Nachspielzeit hatte auf das Spiel keinen Einfluss mehr.

«Die erste Halbzeit war die schlechteste, seitdem ich Trainer in Leverkusen bin», schimpfte Bayer-Coach Peter Bosz dagegen. Sein Team hatte von Beginn an mehr Ballbesitz, machte daraus aber wenig.

Ganz anders die taktisch unter Rose deutlich weiter entwickelten Gladbacher. Das 1:0 durch Oscar Wendt nach überragender Vorarbeit von Neuzugang Marcus Thuram (18. Minute) und das 2:1 durch Thuram selbst nach Vorlage von Patrick Herrmann (41.) glichen sich wie Abziehbilder. Bayers Abwehrmann Wendell auf der linken Seite ließ sich dabei zweimal übel düpieren. Der zwischenzeitliche Ausgleich durch Kevin Volland (25.) fiel zu dem Zeitpunkt überraschend.

Nur in diesem Fall ließ sich die ansonsten starke Gladbacher Defensive überrumpeln. «Das war eine großartige moralische Leistung unserer Mannschaft», meinte Eberl angesichts der vielen Verletzten drei Tage nach dem unglücklichen Pokal-Aus in Dortmund (1:2).

Lars Stindl und der bislang überragende Denis Zakaria erhielten diesmal angesichts der hohen Belastung in den Englischen Wochen von Rose gar eine Pause und wurden erst in der zweiten Hälfte eingewechselt. «Wir sind alle am Anschlag», meinte Eberl weiter. Dafür machte es die Borussia wieder bärenstark. «Ein Team mit solchen Charakteren zu haben, ist einfach cool», sagte Ginter.

Vier Spieltage in Serie an der Tabellenspitze - das hatte es zuletzt in den 1970er Jahren gegeben, als Borussia all seine fünf Meistertitel sammelte. «Wir werden jetzt gejagt», freute sich Eberl und lachte verschmitzt. «Das sollte Lust auf mehr machen.»

Auch in der Vorsaison hatte Gladbach in der Hinserie lange in der Spitzengruppe gestanden, war in der Rückrunde unter Roses Vorgänger Dieter Hecking dann aber eingebrochen. Spitzenreiter waren die Borussen damals aber nicht. Auch scheint Rose die Mannschaft noch einmal deutlich weiter entwickelt zu haben. Auffallend ist vor allem die taktische Flexibilität. Immer wieder wechselte die Grundformation aus einem 3-5-2 in ein 3-3-2-2 oder ein 4-4-2.

Auch der Wechsel der gesamten Spielausrichtung vom Ballbesitzfußball der vergangenen Jahre hin zum schnellen Umschaltspiel funktioniert immer besser. «Die Ergebnisse helfen natürlich. Die Spieler sehen, das funktioniert», meinte Rose, der seinen Spielern zudem eine größere Aggressivität vermittelte. «Die Gladbacher waren einfach gieriger als wir», lobte auch Bayers Sven Bender.